Fotos geben Obdachlosigkeit viele Gesichter

Eröffnung der Ausstellung „Stadtnomaden“ mit Fotos von Alexandros Ahmet in der Bottroper Martinskirche zum 30-jährigen Bestehen der ESB. Im Bild: Norbert Labatzki Toma Neill Alexandros Ahmet (Fotograf) Claudia Kretschmer von der ESB (v.l.).
Eröffnung der Ausstellung „Stadtnomaden“ mit Fotos von Alexandros Ahmet in der Bottroper Martinskirche zum 30-jährigen Bestehen der ESB. Im Bild: Norbert Labatzki Toma Neill Alexandros Ahmet (Fotograf) Claudia Kretschmer von der ESB (v.l.).
Foto: FUNKE Foto Services
Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Evangelischen Sozialberatung ESB zeigt die Foto-Ausstellung „Stadtnomaden“ jetzt individuellen Schicksale Wohnungsloser in der Martinskirche.

Bottrop..  Die Evangelische Sozialberatung Bottrop (ESB) feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Als Einstieg ins Geburtstagsjahr zeigt das Team nun die Fotoausstellung „Terrakotta-Armee der Stadtnomaden“ in der Martinskirche.

Initiiert wurde die Ausstellung schon 2013 von Norbert Labatzki und Fotograf Alexandros Ahmet, die im Gelsenkirchener Projekt „StraßenFeuer“ aktiv sind. „Wie die chinesische Armee zeigen die Fotos obdachlose Menschen, die prominent positioniert direkt in die Kamera blicken“, erklärt Labatzki.

„So kann man den Menschen direkt in die Augen sehen - was man sich sonst vielleicht nicht traut - und die Einzelschicksale sehen.“ Denn es gibt nicht d e n „Standard-Obdachlosen“, sondern immer individuelle Schicksale und Geschichten. So sieht man auf den Bildern Männer und Frauen jeden Alters, die an Häuserwänden lehnen, eine Obdachlosenzeitung hochhalten oder ihre Habseligkeiten in einem Trolley hinter sich herziehen.

Das Festjahr birgt für die ESB auch die Möglichkeit, das Thema Wohnungslosigkeit stärker in den Mittelpunkt zu rücken. „Die Menschen sollten hin- statt wegsehen“, sagt Claudia Kretschmer von der ESB. „Die Hilfe, die wir betreiben, ist individuell. Wir wollen Menschen in Wohnungsnot helfen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und zugleich ihre Würde wiederzufinden.“

Denn Wohnungsnot kann jeden treffen. Seit 30 Jahren schreibt sich die ESB deswegen klare Forderungen auf die Fahne. „Wir wollen endlich offizielle Statistiken, damit auch der Politik klar wird, dass dafür Geld eingesetzt werden muss“, so Kretschmer. Die Zahlen seien erschreckend. Die Anzahl der Hilfesuchenden in Bottrop habe sich seit der ESB-Gründung verdreifacht, die Zahl der weiblichen Hilfesuchenden sei ebenfalls angestiegen.

„Dramatisch ist aber der Anstieg der 18- bis 25-jährigen, die Hilfe brauchen. Auch hier ist eine große Aufgabe, Hürden und Frustration abzubauen. Hierhin zielt unsere Forderung, die Sanktionen für Hartz IV herunterzusetzen, denn diese sind für Menschen unter 25 Jahren weitaus höher als für ältere Menschen.“

Weitere Aktionen im Jubiläumsjahr

Das Festjahr ist gespickt mit Aktionen. Am 9. März spielt Cellist Thomas Beckmann in der Martinskirche und am 27. August gibt es ein Punkrock-Benefizkonzert in der Aula Welheim. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. April zu sehen. An diesem Tag findet die zweite Kooperation von ESB und „StraßenFeuer“ statt; Das Theaterstück „Alles dreht sich - oder: Wo ist Elvis?“ erzählt die Geschichte eines Obdachlosen.

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