Firmen kündigen Mitarbeitern nach Hetze auf Facebook

Kommentare auf Facebook werden unter die Lupe genommen. Das wurde nun drei Männern aus Bottrop zum Verhängnis. Foto:dpa
Kommentare auf Facebook werden unter die Lupe genommen. Das wurde nun drei Männern aus Bottrop zum Verhängnis. Foto:dpa
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  • Bergmann von Prosper-Haniel wehrt sich vor Gericht gegen seine Entlassung
  • Facebook-Nutzer protestieren gegen Rauswurf eines Staplerfahrers
  • Polizei ermittelt und übergibt die Fälle der Staatsanwaltschaft

Bottrop. Weil er sich auf einer Facebook-Seite volksverhetzend geäußert haben soll, hat die RAG einem Bergmechaniker von Prosper-Haniel gekündigt. Auch der Bottroper Norbert S. verliert nach umstrittenen Äußerungen in dem sozialen Netzwerk womöglich seine Stelle bei der Firma Rockwool. Jedenfalls beklagte der Staplerfahrer auf seiner Facebook-Seite: „Da ich mich über Kriminelle geäußert habe, habe ich ab heute keine Arbeit mehr“.

Folgen für Arbeiter der Stadt

Den Beschäftigten wurde auch deshalb gekündigt, weil bei ihren Facebook-Kommentaren der jeweilige Arbeitgeber auf ihren Profilseiten zu erkennen war. Auf einen Arbeiter der Stadt können aus diesem Grund arbeitsrechtliche Konsequenzen zukommen. Jörg R. hatte in einer Facebook-Gruppe gedroht: „Bei der nächsten Aktion von euch haben wir einen Schwarzen weniger in Bottrop, versprochen“. Der Arbeiter hatte beklagt, dass seine Frau in einem Kaufhaus angeblich von einem Schwarzen belästigt worden sei. Jörg R. löste mit seinem Kommentar einen Dialog aus, bei dem andere Facebook-Mitglieder ihre Bereitschaft zu Gewalt gegen Fremde und zu Selbstjustiz erkennen ließen.

Die Stadt sieht die Aktivitäten ihres Beschäftigten in dem sozialen Netzwerk kritisch, weil Jörg R. mit der Drohgebärde ihr Ansehen schädige. Dabei sei jeder Mitarbeiter verpflichtet, dies zu unterlassen. Welche Folgen die Facebook-Aktion für Jörg R. haben wird, kann Stadtsprecher Ulrich Schulze noch nicht sagen. „So einen Fall hatten wir noch nie“, erklärte er, „doch das arbeitsrechtliche Verfahren läuft“.

Keine Aussage zu Mitarbeitern

An der Diskussion über Belästigungen von Schwarzen hatte sich auch Norbert S. beteiligt. Von „Dreckspack“ sprach er und formulierte: „Schade, dass ich sowas nicht sehe. Saw wäre nichts dagegen“. Saw ist der Titel von Horrorfilmen, bei denen die Darstellung exzessiver Gewalt im Vordergrund steht. Mittlerweile beteuert er auf seiner Facebook-Seite allerdings: „Ich habe nichts gegen Ausländer, da ich genug kenne“. Seinen Job hat der Bottroper offenbar aber verloren. „Es ist sehr traurig, dass man nach 18 Jahren die Arbeit verliert, die man immer gerne gemacht hat“, erklärt er.

Die Firma Rockwool äußert sich dazu nicht. Auf eine WAZ-Anfrage antwortet Dagmar van Bracht, die Leiterin für Marketing und Kommuniaktion: „Wir bitten um Verständnis, dass wir aufgrund von Datenschutz- und Persönlichkeitsrechten keine Aussagen zu unseren Mitarbeitern geben können“.

Kriminalpolizei lädt zu Vernehmungen vor

Einige Besucher protestieren zwar auf der Facebook-Seite von Rockwool gegen die Kündigung von Norbert S., doch das Facebook-Team des Unternehmens antwortet ihnen kühl: „Wir können versichern, dass bei Rockwool keine leichtfertigen Personalentscheidungen getroffen werden“. Gegenüber der WAZ verwies Marketingleiterin Dagmar van Bracht außerdem darauf, „dass Rockwool sich ausdrücklich zur Menschenrechtserklärung der UN bekennt“. Auch teilt sie vielsagend mit, dass es in dem Unternehmen Social Media Guidelines gebe, die den Umgang mit sozialen Medien beschreiben.

Die Kündigung des Bergmanns der Zeche Prosper-Haniel nach seiner fremdenfeindlichen Äußerung hielt das Arbeitsgericht in Herne unterdessen für wirksam. Dagegen wehrt sich der Bergmechaniker nun mit einer Berufung vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm. „Hoffe das (!) alle verbrennen . . . die nicht gemeldet sind“, hatte der Mann im Oktober 2015 mit Profilbild und seinem Namen auf der Facebook-Seite des Fernsehsenders ntv einen Bericht über einen Brand in einer Thüringer Asylunterkunft kommentiert. Davon erfuhr die RAG und kündigte ihm fristlos, hilfsweise ordentlich. Er habe an jenem Abend reichlich Alkohol genossen, entschuldigte der Bergmann seinen Kommentar. Außerdem sei dieser doch am Tag darauf von der Facebook-Seite des TV-Senders gelöscht worden.

Staatsanwalt beurteilt Ergebnisse

Nach Strafanzeigen des Bündnisses „Bottrop gegen Nazis“ gegen Jörg R. und Norbert S. sowie eine dritte Person ermittelt mittlerweile auch die Polizei. So berichtet Norbert S., dass er zur Vernehmung vorgeladen worden sei.

Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, erklärt Polizeisprecher Michael Franz. Sobald dies der Fall sei, legen die Beamten ihre Ergebnisse der Staatsanwaltschaft Essen vor. Franz: „Die Staatsanwaltschaft beurteilt dann, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat gegeben ist.“

 
 

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