Es gibt weniger Adoptionen

So gut wie im Film (Donna Leon) funktioniert das nicht immer. Viele Paare warten lange auf ein Adoptions-Kind.
So gut wie im Film (Donna Leon) funktioniert das nicht immer. Viele Paare warten lange auf ein Adoptions-Kind.
Foto: ARD Degeto/Martin Menke ard
In Bottrop gehen die Zahlen für Adoptionen leicht zurück – ein Trend, der sich auch landesweit gezeigt hat. Das geht aus den neuen Erhebungen des Landesamtes für Statistik hervor. Für den erfahrenen Abteilungsleiter im Jugendamt Bottrop, Reiner Heynowski, ist das keine Überraschung.

Viele kinderlose Paare wünschen sich sehnlichst ein eigenes Kind, träumen von einer „kompletten“ Familie. Und wenn ihr Wunsch dauerhaft nicht in Erfüllung geht, entscheiden sie sich häufig für eine Adoption. Doch vielfach werden sie bitter enttäuscht: Das Jugendamt kann ihnen nicht helfen. Denn insgesamt werden etwas weniger Kinder von den leiblichen Eltern für eine Adoption freigegeben. Die neuen Bottroper Zahlen, die das Landesamtes für Statistik jetzt veröffentlichte, bestätigen das. Danach wurden im vergangenen Jahr zwar sechs Kinder adoptiert, doch 2002 waren es noch neun, 2010 waren es zwei.

Auch landesweit sank die Zahl der Adoptionen leicht. 2011 wurden in NRW 929 Kinder und Jugendliche in eine Adoptionsfamilie vermittelt, 2010 waren es 953.

Für Reiner Heynowski, Abteilungsleiter im Jugendamt Bottrop, ist das keine Überraschung. „Es war eigentlich immer so, dass es mehr Adoptions-Bewerber gab, als Kinder, die wir vermitteln konnten.“ 2011 gab es in Bottrop bei sechs Adoptionen 30 Bewerber.

Die Gründe dafür, dass sich weniger leibliche Eltern entschieden, ihr Kind abzugeben, seien vielfältig. weiß Heynowski aus langjähriger Erfahrung. „Einmal möchten heute sicherlich mehr Alleinerziehende ihr Kind selbst betreuen, als vielleicht noch in den 70er Jahren.“ Aber auch eine stärkere Verbreitung der Verhütungsmittel führe dazu, dass es weniger ungewollte Schwangerschaften gebe, ebenso wie die Liberalisierung des § 218.

Eine Entwicklung, die viele Frauen vor großem Leid bewahrt. Kinderlose Paare müssen aber daher oft fünf, mitunter bis zu zehn Jahre auf ein Adoptions-Kind - meist sind es Säuglinge -- warten, weiß der erfahrene Betreuer. Die Voraussetzungen, die sie erfüllen müssen, um dann endlich ein Kind aufnehmen zu können, seien aber längst nicht so hoch, wie viele Menschen glaubten. Zum einen sei ein erweitertes Führungszeugnis nötig. Zudem müsse das Gesundheitsamt feststellen, ob gravierende gesundheitliche Gründe dagegen sprächen. Dabei, erläutert Heynowski, ging es vor allem darum, ob eine ansteckende Krankheit oder eine akut lebensbedrohende Krankheit vorlägen. Dann müsse die wirtschaftliche Situation der Bewerber so sein, dass ein Kind angemessen aufwachsen könne. Auf Luxus jedoch käme es gar nicht an. Bei der Alters-Frage klammert sich der Fachmann nicht so sehr an kühle Pauschalregeln, sondern wägt individuell ab. Bei mindestens einem Elternteil, sagt er, sollte ein angemessenes Eltern-Kind-Verhältnis gegeben sein. Ab einem Alter von etwa Mitte 40 sieht er jedoch Probleme und rät eher ab.

Insgesamt verlasse er sich lieber auf Fachwissen und Berufserfahrung, als auf strikte Vorgaben, sagt er. Schließlich dürfe die Situation der adoptions-willigen Eltern nicht unterschätzt werden. Sie ließen sich vielfach auf ein Kind ein, dessen Geschichte ihnen unbekannt sei. Keine leichte Aufgabe – für alle Beteiligten nicht.

In einem ganz anderen Bereich allerdings gebe es mehr zu vermittelnde Kinder als Eltern-Bewerber: bei Pflegekindern. Sie seien meist viel älter als Säuglinge und hätten oft schlimme Erlebnisse erdulden müssen. „Mein Wunsch ist, dass ich für ein Kind aus zehn Bewerber-Paaren das am besten geeignete wählen kann.“ Ein Wunsch, der sich bisher leider nicht erfüllt hat.

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