Erinnerungen an die Knappengarde St. Barbara

Die Knappengarde St. Barbara bei ihrem ersten großen offiziellen Auftritt: Der Einführung des ersten Pfarrers der Gemeinde 1955.
Die Knappengarde St. Barbara bei ihrem ersten großen offiziellen Auftritt: Der Einführung des ersten Pfarrers der Gemeinde 1955.
Foto: WAZ FotoPool
Für die Vereins- und Sozialgeschichte der Stadt von Interesse: Archivarin Heike Biskup nahm jetzt die Sammlung der Knappengarde St. Barbara in die Obhut des Stadtarchivs.

Bottrop..  Vor kurzem wurden dem Bottroper Stadtarchiv Fotos und andere Dokumente der aufgelösten Knappengarde der Kirchengemeinde St. Barbara übergeben. Eberhard Lang, langjähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender, fragte mich, ob es sinnvoll wäre, sie ins Stadtarchiv zu übernehmen. Es wäre doch schade, wenn die einstmals „starke Truppe“ sang- und klanglos verschwinden würde.

Die Kirche im Bottroper Süden wurde vor einiger Zeit geschlossen, und bald wird das Kirchengebäude abgerissen. Fast nichts wird mehr an die Gemeinde erinnern, die über fünf Jahrzehnte lang lebendiger Teil des Lebens im Stadtteil Lehmkuhle war.

Eine Gemeinde mit vielen Bergleuten

Die 1955 gegründete Knappengarde von St. Barbara hat innerhalb des Gemeindelebens über die Jahrzehnte hinweg immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Garde dokumentierte, etwa mit ihren Auftritten bei den Gottesdiensten an kirchlichen Feiertagen, eindrucksvoll die Verbundenheit der Gemeinde mit dem Bergbau, die sich auch in der Wahl der heiligen Barbara als Kirchenpatronin manifestierte.

80 Prozent der männlichen Gemeindemitglieder waren damals im Bergbau beschäftigt. Es war „eine Zeit des Aufbruchs nach einer Phase der Stagnation und Unterdrückung kirchlicher Aktivitäten in der Zeit des Nationalsozialismus“, so beschreibt es der Lokalgeschichtsforscher Josef Bucksteeg, der sich mit der Geschichte der Gemeinde St. Barbara befasst hat.

Die Knappengarde von St. Barbara hat aber nicht nur für den Stadtteil Lehmkuhle Bedeutung gehabt, sondern auch darüber hinaus. Sie ist über die Jahre zu einem Teil der Bottroper Geschichte geworden.

Ergänzung zum amtlichen Schriftgut

Das Stadtarchiv versteht sich als Dokumentationszentrum für die Bottroper Stadtgeschichte. Daher ist es wichtig, nicht nur die amtliche Überlieferung zu sichern, also zum Beispiel Ratsprotokolle, Akten und Schriftstücke der Gemeinde- beziehungsweiser seit 1919 der Stadtverwaltung zu übernehmen, sondern auch Sammlungsgut, das wichtige Ergänzungen zum amtlichen Schriftgut bietet. Sammlungen von Vereinen, Verbänden aber auch einzelner Familien tragen so zur umfassenderen Darstellung und Dokumentation des Lebens der Stadt bei. Vor allem Untersuchungen über das private und soziale Leben einer Stadt, das seit Jahren in der historischen Forschung einen immer breiteren Raum einnimmt, findet durch diese kleineren Archive eine willkommene Ergänzung.

Schließlich ist das Stadtarchiv immer wieder Anlaufstelle für Fachleute wie private Forscher, die sich mit einzelnen Aspekten der Stadt- und Sozialgeschichte auseinandersetzen. Aus diesem Grund freue ich mich über die Fotos und Dokumente der Knappengarde von St. Barbara, die nun dauerhaft im Stadtarchiv aufbewahrt werden und so für die Nachwelt erhalten bleiben.

 
 

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