Er bringt Bier, Kunst und Kultur an einen Tisch

Reimbern von Wedel-Parlow  feiert mit der Kunst- und Kulturkneipe Passmanns zehnjähriges Bestehen.
Reimbern von Wedel-Parlow feiert mit der Kunst- und Kulturkneipe Passmanns zehnjähriges Bestehen.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Reimbern von Wedel-Parlow eröffnete vor zehn Jahren die Kulturkneipe Passmanns. Er spricht über seine Zeit als Ingenieur, über sein Konzept und über die schillernde Adelsgeschichte seiner Familie. Aber am liebsten spricht er über die Kultkneipe.

Das Passmanns ist aus Bottrop gar nicht mehr wegzudenken. Die Kunst- und Kulturkneipe hat sich zu seiner Art Institution gemausert, sie ist Kult. Dabei hatte Inhaber Reimbern von Wedel-Parlow das ganz am Anfang so gar nicht vor. Er wollte ursprünglich die Kneipe mehr so als zweites Standbein neben seinem Beruf als Ingenieur sehen. „Ich dachte, ich setze einen guten Geschäftsführer rein und dann läuft das.“ Aber von dieser Idee verabschiedete er sich – zum großen Glück für die gesamte Bottroper Szene – dann doch ziemlich schnell. Als er dann Passmanns vor zehn Jahren, im September 2004 eröffnete, betrieb er die Kunst- und Kulturkneipe gleich als Fulltime-Job „mit voller Kraft“, wie er sagt. Das Konzept, eine urige, atmosphärische Kneipe mit Musik, Literatur, Ausstellungen, Kabarett und „Bier-begleitender Küche“ ging von Anfang an auf. „Das ist sofort explodiert“, das Publikum ließ sich auf Anhieb mitreißen.

Den Kneipenbetrieb kennt Reimbern von Wedel-Parlow seit seiner Jugend. „Ich hab mir das Geld für das Studium in der Gastronomie verdient“, erzählt er. Studiert hat er Nachrichten- bzw. Kommunikationstechnik in Darmstadt. Anschließend arbeitete er rund 30 Jahre lang als Ingenieur vor allem in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, aber auch in München. „Als ich älter wurde, hab ich mir gedacht: Am Ende des Berufslebens machst du noch einmal ‘was, das richtig Spaß macht.“ Und das war die Kneipe, aber eine mit besonderem Flair. Ursprünglich habe er das mit einigen Gleichgesinnten durchziehen wollen, „als es um das Investieren ging, da blieb ich dann allein damit.“ Aber abhalten ließ er sich von seinen Plänen deshalb nicht.

Mit 49 Jahren dann habe er beschlossen, in seine Geburtsstadt Bottrop zurückzukehren. „Ich wollte nicht so gern, dass die beiden Kinder in Frankfurt zur Schule gehen, in Bottrop ist alles familiärer als in der Großstadt. Ich jedenfalls hab das Familiäre als Kind sehr genossen.“ 2002 sei die Familie dann nach Bottrop gezogen, 2003 habe er seinen Vertrag bei einer Firma in München nicht mehr verlängert. Und dann meint er schmunzelnd: „Was ich jetzt mache, ist letztlich nichts anderes: Kommunikation. Die Technik hab ich weggelassen.“

Bottrop, das klingt aus fast jedem seiner Sätze, liegt ihm am Herzen – obwohl seine Vorfahren aus einer ganz anderen Gegend stammen, sein ungewöhnlicher, auffallender Name erzählt davon. „Meine Vorfahren haben die Stadt Wedel bei Hamburg im 12. bzw. 13. Jahrhundert gegründet“, sagt er. Reimbern – so habe einer der Gründer-Brüder geheißen. Ein, zwei Jahrhunderte später sei die Familie in den Osten, in die Uckermark gezogen, nach Parlow. Sein Nachname „von Wedel-Parlow“ ist also die Ortsbezeichnung der Familiensitze. Aber von der Adelsgeschichte will er gar nicht so viel erzählen, „schuldlos verarmter Adel“, sagt er nur bescheiden abwinkend. Was für ihn zählt, ist nicht die schillernde, lang zurück reichende Familiengeschichte, für ihn zählt die Gegenwart, sein Passmanns. Das ist seine Welt.

Der Kontakt zur Künstler-Szene brach nie ab

Den Kontakt zur Künstler-Szene in Bottrop habe er immer gehalten, sagt Reimbern von Wedel-Parlow. Deshalb spielten zur Eröffnung vor zehn Jahren auch schon die ersten Bands im Passmanns. „Und neue Kontakte ließen sich schnell knüpfen.“ Die ersten Literaturlesungen gab es nur wenige Wochen später. Aber Reimbern von Wedel-Parlow liegt nicht nur das Passmanns am Herzen, er gibt der gesamten Kneipenlandschaft in der Stadt immer wieder Impulse.

So stammt die Idee zur Bottroper Kneipennacht von ihm. Und wenn es nach ihm ginge, wäre noch mehr drin, etwa ein Cabaret-Circus. Das Publikum bleibt sitzen, die Kabarettisten gehen von Kneipe zu Kneipe. Und einmal im Jahr – inzwischen ist das schon Tradition – bewirtet er die Gäste der Suppenküche Kolüsch im Passmanns.

Aber jetzt wird erst mal das Zehn-Jährige gefeiert. Unter dem Motto „Tempus fugit“ (Die Zeit flieht) wird es am Wochenende 9. und 10. August, ein Sommer- Straßen- und Nachbarschaftsfest geben. Auf dem Parkplatz an der Kirchhellener-Ecke Roonstraße wird neben Speisen und Getränken auch ein Kulturprogramm geben.

Am Samstag beginnt das Fest um 15 Uhr mit „Liz & Taylor“ (Petra Stief / Jürgen Geppert). Nach dem Trio „Jazz Complex“ tritt ab 20 Uhr die Singer- und Songwriterin „Teneja“ auf. Der Sonntag startet um 11 Uhr mit einem Frühschoppen. Mit dem Shanty Chor „Leinen Los Bottrop e.V.“ werden auch die „Ruhrkrainer“ für Stimmung sorgen. Danach werden „Passmanns Freunde“ (Musiker, die sich mit Passmanns verbunden fühlen) auf der Bühne stehen, neben vielen andern auch Pluta & Co und Manni Miketta. Der Eintritt ist frei.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel