Elvis sehnt sich zurück ans Meer

Das Theaterstück um Elvis wurde zum 30-Jähruigen der ESB in der Martinskirche aufgeführt.
Das Theaterstück um Elvis wurde zum 30-Jähruigen der ESB in der Martinskirche aufgeführt.
Foto: FUNKE Foto Services
Ein Theaterstück erzählt in der Martinskirche die Geschichte des Obdachlosen Elvis, nach der wahren Geschichte um einen stadtbekannten Obdachlosen.

Bottrop..  Ein Obdachloser liegt im Schlafsack auf dem Boden. Die Straße steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ein kostbarer Besitz: die Weinflasche. Die wichtigsten Habseligkeiten passen in eine kleine, silberne Metalldose. „Alles dreht sich – oder wo ist Elvis?“ thematisierte das Leben eines Obdachlosen mit Alkohol und dem harten Leben auf der Straße.

Das Stück von Norbert Labatzki wurde in Zusammenarbeit vom Projekt „StraßenFeger“ und der Evangelischen Sozialberatung (ESB) in der Martinskirche aufgeführt. „Wir fanden, dass das Stück wunderbar zu unserer Arbeit passt und viele wichtige Aspekte der Obdachlosigkeit zeigt“, erklärte Claudia Kretschmer von der ESB.

Schon die Ausstellung der Terrakottaarmee vor einigen Wochen war aus dieser Kooperation entstanden. Das Theaterstück war nur einer der Höhepunkte, die sich die ESB für ihr Jubiläumsjahr zum 30-Jährigen ausgedacht hat. „Alles dreht sich – oder wo ist Elvis?“ behandelt die Geschichte eines Obdachlosen, der Gummibärchen vom Boden klaubt und mit Wein gegen die bittere Kälte ankämpft.

Erinnerungen an das verlorene Kind

„Scheiß Winter. Scheiß Kälte!“, ruft er, bevor er mit Hilfe des Alkohols immer tiefer in die Vergangenheit eintaucht. Er erinnert sich an Prügeleien, ruft zum Flaschensammeln auf und sitzt plötzlich am Meer mit seiner großen Liebe Bernie, bevor die Erinnerung von einer anderen überschattet wird – dem verlorenen Kind. „Wo bist du, mein Zuhaus?“, ruft er. „Wozu bin ich hier? Ist das hier ein Film? Wo ist der Regisseur?“ Trotz vernebelter Gedanken spricht er klare Fragen aus. Beeindruckend real berührt das Stück mit traurigen und lustigen Momenten.

Bei seinen Monologen und fiktiven Gesprächen wird Elvis unterstützt von Santiano Cavanaugh am Bass, Toma Neill am Bandoneum und Norbert Labatzki alias Stolzenfelz an der Gitarre. Am Ende verschwindet Elvis und man kann sich denken, wo er hin ist. Seit einem Jahr tourt das Stück durch deutsche Theaterhallen.

Das moderne Theaterstück wird gespielt von Markus Kiefer. „Ich finde es wichtig, diese Thematik auch in der Kunst zu thematisieren und den Menschen näher zu bringen.“ Labatzki hat Kiefer die Rolle des Elvis auf den Leib geschrieben. „Er spielt die Rolle einfach perfekt.“ Das Stück beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit. „In Gelsenkirchen war Elvis schon in meinen Kindertagen eine Berühmtheit“, erinnert sich Labatzki. „Es gibt Obdachlose, die das Stadtbild prägen und die man einfach kennt. Elvis war einer davon.“ Wie im Stück verschwand der echte Elvis in den 1980er Jahren. „Wir haben uns alle gefragt, was mit ihm passiert ist“, erzählt Kretschmer, die ihn kannte. Elvis wurde am Ende tot aufgefunden.

Schade, dass das Stück so wenig Publikum fand.

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