Einfach mal den Blues genießen

Wie geht ein Blues-Song rückwärts? “Die Flasche ist voll, die Frau ist da, ich habe Arbeit“. Nun, beim ersten Konzert des Förderkreis Jazzclub Bottrop im neuen Jahr hatte dessen Chef Rolf Kickum in Passmanns Kulturkneipe allen Grund, den guten alten Blues ganz traditionell anzustimmen: „Der Saal ist leer, die Musik teuer, ich brauche Spenden.“

Der aus der ehemaligen Kulturhauptstadt angereiste Kritiker versteht es nicht: Hat der Bottroper mitten in der Woche einfach keine Lust auf ’ne gute Mucke, die ganz unkompliziert das Hirn freibläst und mächtig in die Beine geht? Oder lag der bescheidene Publikumszuspruch doch daran, dass Christoph „Jimmy“ Reiter bei aller Eigenständigkeit selbst in der eigentlich mit offenen Ohren gesegneten Blues-Szene immer noch ein Geheimtipp ist?

Dabei hatte der Osnabrücker Gitarrist mit Gordon „Sax“ Beadle einen kochendheißen US-Tenorsaxofonisten an Bord, der im Laufe seiner Karriere von Matt „Guitar“ Murphy bis hin zu Soul-Legende Solomon Burke schon so ziemlich jedem Star im Groove-Business einheizte. Ein fabelhafter Shouter, der mit Urgewalt und einigem Spielwitz sein Horn quer durch alle Lagen röhren ließ. Und auch als stimmgewaltiger Geschichten-Erzähler mit seinen Originals - „This story is true“ - eine Menge zu bieten hatte.

Satt geerdet von Jasper Mortier, der stoisch mit seinem fetten E-Bass die druckvolle Basis für das lautstark zwischen packenden R&B-Nummern, prickelndem Soul und - natürlich - schmutzig-ehrlichem Großstadt-Blues wechselnde Gebrodel legte. Für den unabdingbaren Drive sorgte stillvergnügt Björn Puls am Schlagzeug, dessen knackige Beats stets des Nerv trafen. Kein Rhythm & Blues ohne Hammond-Sounds, aber weil heute kaum jemand noch mit zwei Möbelpackern für das bleischwere B3-Monster auf Tour geht, thronte Mo Fuhrhop - der heimliche Star des Abends - hinter einem Nord-Keyboard und drechselte gelassen flächige Orgel-Klänge, die er mit feinen Piano-Linien kontrastierte.

Und was machte Band-Leader Jimmy Reiter? Schruppte meist die Begleitung für Gordon Beadle, was man ihm hoch anrechnen muss, und ließ seine Gibson Semi-Acoustic nur selten singen und jubilieren - dann aber mit ganz eigenem Stil, der längst Einflüsse wie Johnny Watson oder Buddy Guy sauber sublimiert hat. Von Zuschauer-Blues war jedenfalls keine Sekunde etwas zu spüren. Als spielte er vor Tausenden, powerte sich Gordon Beadle mit der „Jimmy Reiter Band“ im Passmanns für seine begeisterten Zuhörer total aus, um danach mit Rolf Kickum wohlverdient ‘nen Korn zu kippen. Übrigens: Ein Spendenformular gibt’s unter www.jazzclubbottrop.de.

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