Eine Wanderung durch 300 Millionen Jahre Bottroper Geschichte

Ulrike Stottrop vom Ruhrmuseum entwickelte das Konzept für die Neupräsentation der geologischgen Sammlung des Musuems für Ur- und Ortsgeschichte. Hier zeigt sie  einen 300 Millionen Jahre alten Calamiten (Schachtelhalm) aus de Kohlezeit
Ulrike Stottrop vom Ruhrmuseum entwickelte das Konzept für die Neupräsentation der geologischgen Sammlung des Musuems für Ur- und Ortsgeschichte. Hier zeigt sie einen 300 Millionen Jahre alten Calamiten (Schachtelhalm) aus de Kohlezeit
Foto: Michael Korte
Am 2. Juli eröffnet das neugestaltete Museum für Ur- und Ortsgeschichte seine Pforten für das Publikum. Die WAZ stellt das neue Konzept vor. Heute: die geologische Sammlung. Es folgt der ortsgeschichtliche Teil.

Bottrop..  In knapp drei Wochen öffnet das neugestaltete Museum für Ur- und Ortsgeschichte im Stadtgarten seine Pforten. Dann wird die alte und nun frisch umgebaute Bürgermeistervilla zum neuen Ort der Bottroper Geschichte. Acht ehemalige, wenn auch großzügige, Wohnräume - acht thematische Schwerpunkte. Nicht viel, möchte man meinen, denn immerhin geht es um etwa 300 Millionen Jahre Bottroper Geschichte.

Vier der neu gestalteten Räume sind der Geologie vorbehalten: Karbon, Kreidezeit, Tertiär und Quartär. Einige werden sich an die Schulzeit erinnert fühlen. „Die Bottroper Geologische Sammlung gehört zu den größten der Republik und kann mit einigen Superlativen aufwarten“, sagt Ulrike Stottrop. Die Geologin, die zum Leitungsteam des Ruhrmuseums gehört, unzählige Ausstellungen konzipiert und Museen eingerichtet hat, entwickelte auch das Konzept für die Neupräsentation der Bottroper geologischen Sammlung, die zum größten Teil auf den Gründungsdirektor des Museums für Ur- und Ortsgeschichte, Arno Heinrich, zurückgeht.

Nur Bottroper Funde werden gezeigt

Noch sind die Räume leer. Allerdings weiß Ulrike Stottrop minutiös, was im Erdgeschoss der Villa ab dem 2. Juli, dem Eröffnungstag, zu sehen sein wird. Wenn sie erzählt, scheint nicht nur der 300 Millionen Jahre alte versteinerte Schachtelhalm, aus dem Flöz Gustav der ehemaligen Zeche Rheinbaben, auf einmal zu leben - ein kiloschwerer Calamit, den sie fast liebevoll im Arm hält. „Raum 1 ist der Kohlezeit gewidmet“, sagt die Geologin - und zeigt auf ein großes Wandbild in zarten Grüntönen.

„Ein Kohlewald, wie ihn sich der Wissenschaftler August Goldfuß in den 1840er Jahren vorstellte und künstlerisch umsetzen ließ. Vor der Großversion dieser Zeichnung steht künftig eine Vitrine mit versteinerten Pflanzen aus diesen Karbonwäldern, die einst das Bottroper Gebiet bedeckten. „Gegenüber dieser ersten Kohleproduzenten erinnern wir an die heutigen Kohleproduzenten, die Bergleute, und die Bottroper Zechen - in der Mitte wird ein riesiger versteinerter Baumstamm stehen“, schwärmt Ulrike Stottrop.

Spätestens da wird die Idee des neuen Hauses deutlich: „Eine Wanderung durch Zeit und Raum bis in die Jetztzeit“, sagt die Ausstellungsmacherin. Im Vergleich zu früher, als das Haus eher wie ein „großes, bebildertes Lehrbuch mit erläuternden Objekten“ daherkam, will man künftig die „Sammlungsobjekte an sich sprechen lassen und so große Bilder schaffen“.

Vom Karbon tritt der Besucher in Raum 2 oder: die Kreidezeit. Dort werden in einer großen Vitrine zahlreiche Fossilien gezeigt, die überwiegend auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Bremer gefunden wurden. Heute ist dieser Bereich mit seinen Funden als „Bottrop-Formation“ bekannt. Auch das Fragment des größten Ammoniten, der weltweit je gefunden wurde, wird hier gezeigt - und als gemalte Silhouette ergänzt, um die Größe zu zeigen. Fotos der Formsandgrube vom Donnerberg - einst der höchste Berg der Stadt - und eine Ziegelwand von Josef Albers schlagen erneut Brücken in die jüngste Vergangenheit.

Einst lag Bottrop am Äquator

Die beiden folgenden Räume im Erdgeschoss der alten Villa, deren ursprüngliche Raumstruktur jetzt wieder sichtbar wird, sind dem Tertiär und Quartär, der jüngsten Erdoberfläche, gewidmet. „Mit der berühmten Seekuh - die jetzt u.a. mit Hilfe der Rotarier restauriert werden konnte, gibt es wieder einen Superlativ, der in Bottrop gefunden wurde“, so Ulrike Stottrop. Und natürlich wird daran erinnert, dass Bottrop vor der Kontinent-Verschiebung nicht nur nahe am Äquator lag, sondern im Tertiär auch am Rande eines tropischen Meeres.

Aus einer Schicht, in der eigentlich keine Funde vermutet wurden, stammen die Knochen der Seekuh, eine Entdeckung in einer Kiesgrube am Heidesee, die vor einigen Jahrzehnten als wissenschaftliche Sensation gefeiert wurde.

Mit dem Quartär-Raum (4), in dessen Winkel ein mannsgroßes Torfprofil stehen wird, schließt sich der geologische Kreis zum Karbon. Ein Durchblick auf den zart gemalten Kohlewald an der Wand des ersten geologischen Raumes wird den Besuchern den Eindruck eines in sich geschlossenen Ausstellungs-Parcours vermitteln. Im Durchgang vom Neubau zur alten Villa machen bereits acht Themen-Vitrinen Appetit auf die Räume, in denen die Reise durch Bottrops Geschichte stattfindet. Die folgenden vier Räume werden in der nächsten Woche in der WAZ vorgestellt.

 
 

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