Eine unerwartete Reise in ein neues Leben führt nach Bottrop

Thelma Purwin lebt seit 2002 in Bottrop ließ sich aber erst letztes Jahr einbürgern.
Thelma Purwin lebt seit 2002 in Bottrop ließ sich aber erst letztes Jahr einbürgern.
Foto: FUNKE Foto Services
Eigentlich wollte sie nur Urlaub machen in Deutschland, doch dann ist Thelma De la Cruz, wie sie damals hieß, der Liebe wegen in Bottrop geblieben .

Bottrop..  Manchmal sind die Wege des Lebens unergründlich, vor allem in Sachen Liebe: „Eigentlich wollte ich hier in Deutschland nur Urlaub machen und meine Cousine in Essen besuchen“, erzählt Thelma Purwin, die zu dem Zeitpunkt noch „De la Cruz“ hieß. „Das sind meine spanischen Wurzeln. Ich komme aus Cebu City, einer Großstadt auf den Philippinen, wo vor vielen Jahren spanische Konquistadoren ihre Lager aufschlugen“.

Wie das Leben so spielt, kam alles ganz anders als geplant. Auf ihrer Reise lernte sie den Bottroper Norbert Purwin kennen und die beiden verliebten sich. „Nach drei Monaten war er fest entschlossen mich zu heiraten und stellte mich seiner Familie vor. Wir verstanden uns auf Anhieb“, erinnert sie sich. Ein Jahr später, im Januar 2003, trauten sich die beiden und De la Cruz hieß von nun an wie ihr Ehemann - Purwin.

Hochzeit mit einem Mann aus Bottrop

„Ursprünglich wollte ich nach Amerika auswandern“, erklärt sie. Ihre Schwester habe einen Amerikaner kennengelernt und sei daraufhin in die Staaten gezogen - wenig später folgten Mutter und Bruder aus den Philippinen. Nach der Hochzeit hätten auch die frisch vermählten Purwins ein neues Leben in den USA anfangen können. „Mein Mann wollte aber hier bleiben und seine Stelle in der Verwaltung der Uni Essen nicht aufgeben“, sagt sie.

Schnell lebt sich auch Purwin in Bottrop ein, schließt neue Freundschaften und lässt alte Traditionen aufleben. Regelmäßig nimmt sie an den Treffen der Philippinischen Gemeinde in Essen teil, gibt Englischkurse an der VHS Bottrop und lernt nebenbei intensiv Deutsch.

Dann entschließt sie sich, eine sechsmonatige Schulung als Tagesmutter anzutreten, macht ihren Führerschein und arbeitet jetzt Vollzeit in der Kinderbetreuung. „In Cebu City war ich für 15 Jahre Lehrerin und wollte deshalb wieder mit Kindern arbeiten“.

Nach Tod des Mannes in Deutschland geblieben

Und dann verläuft das Leben wieder anders als geplant: 2012 verstirbt Purwins Ehemann und sie bricht kurzentschlossen zu einer längeren Reise in die USA auf. „Meine Familie wollte, dass ich in die Staaten komme“, erzählt sie. „Ich habe lange gezögert, dann ist mir klar geworden: Mein Herz ist dort, wo mein Mann ist. In Bottrop. Hier habe ich eine neue Heimat gefunden“. Deshalb ist Purwin in Deutschland geblieben. Seit 2014 ist sie offiziell Bottroperin. „Obwohl ich schon seit 2002 hier lebe, war das noch mal ein ganz anderes Gefühl. Mir ist mit einem Mal klar geworden: Du bist jetzt Deutsche“, erinnert sie sich.

An ihrer neuen Heimat mag Purwin die Industriekultur, die Gelassenheit der Menschen und das angenehme Klima. „Bottrop ist eine ruhige Großstadt, hier ist es nicht so hektisch wie in Cebu City oder New York“, findet sie. Lachend berichtet sie von ihrem vergangenen Silvester auf dem Tetraeder: „Der Ausblick war wunderschön. Nicht zu vergleichen mit Silvester am Times Square: Da ist es so voll, dass man Hand und Fuß nicht mehr sieht. Das Tetraeder ist schöner als der Times Square!“. Das ist Heimatliebe.

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