Ein letzter Abschied von St. Barbara

Die letzten beiden Glocken aus dem Glockenturm von St. Barbara werden am Dienstag , 19.02.2013 geborgen. Die Kirche wird abgerissen.An gleicher Stelle entstehen Altenwohnungen der Diakonie. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Die letzten beiden Glocken aus dem Glockenturm von St. Barbara werden am Dienstag , 19.02.2013 geborgen. Die Kirche wird abgerissen.An gleicher Stelle entstehen Altenwohnungen der Diakonie. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
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Um 12.26 gestern Mittag schlug für die ehemalige Pfarrkirche St. Barbara die historische Stunde: Die große Glocke hing am Haken und schwebte sachte vom Glockenturm herunter auf die Erde. Und in diesem Moment wurde es still in der kleinen Zuschauergruppe, die sich eingefunden hatte. Den Menschen wurde es traurig ums Herz. Denn mit dieser großen Glocke und der kleinen, die schon kurz davor geborgen wurde, geht die Geschichte von St. Barbara endgültig zu Ende.

Katholiken erinnern sich

„Mir ist wehmütig zumute“, gesteht Johannes Strickerschmidt, (65). „Meine Frau und ich, wir sind hier groß geworden“, erzählt er. „Ich gehörte zu den ersten Messdienern. Wir haben die Glocken damals noch am Seil mit der Hand geläutet.“ Die Bergung der Glocken – es war das letzte Kapitel im Buch der Kirchen-Schließung. Die hatte das Bistum 2005 beschlossen, im November 2007 feierte die Gemeinde dann den letzten Gottesdienst in dem Kirchengebäude aus dem Jahr 1955. St. Barbara wurde schließlich an die Diakonie verkauft. Sie wird dort 24 Wohneinheiten für geistig behinderte Menschen bauen.

Und jetzt die beiden letzten Glocken. „Wie mir zumute ist? Ich kann das gar nicht beschreiben“, sagt Elisabeth Herholz. Die 70-Jährige gehörte von Anfang an zur Gemeinde. Sie wohnte in den 50-Jahren, als an der Essener Straße noch die Zechenhäuser standen, ganz nah an St. Barbara. „Mein Vater hat noch die Platten des Kreuzwegs eingemauert.“ Elisabeth Herholz war lange im Kirchenvorstand. „Und 40 Jahre lang habe ich die Gottesdienst-Ordnung geschrieben.“ Alles Vergangenheit. Elisabeth Herholz ringt ein bisschen mit den Tränen. „Aber ich freue mich, dass ich heute dabei sein kann.“

Der stille Abschied der Katholiken ist zugleich ein Neubeginn für die Diakonie. „Früher hat die Glocke die Menschen zum Gottesdienst gerufen“, sagt Johannes Schildmann, Vorstand des Diakonischen Werkes, „jetzt ruft sie zur Nächstenliebe.“ Im März, erklärt er die weiteren Pläne, werde das Gebäude abgerissen, im Juni mit dem Bau der Behindertenwohnungen begonnen. Zwölf bis vierzehn Monate später soll der Außenbereich gestaltet werden. Und dann, verspricht er, werde die Glocke dort einen würdigen Platz erhalten. Die zweite Glocke wird der Gemeinde Herz Jesu übergeben. Auch die Barbara-Figur aus der Fassade und das Wegekreuz würden wieder auf dem Gelände aufgestellt. „Die drei Teile, die an die Kirche erinnern, sind uns auch wichtig“, sagt der Pfarrer.

Es sind Worte, die auch Paul Neumann, Propst an St. Cyriakus, zu der St. Barbara gehörte, Trost geben. „Wir sind dankbar, dass wir hier weiterhin eine Erinnerung haben“, sagt er.

 
 

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