Ein Gästeführer macht Lust auf Industriekultur im Ruhrgebiet

Martin Brunsmann ist einer von vier Gästeführern, die für die Stiftung Industriedenkmal und Geschichtskultur Besuchergruppen durch den Malakoffturm führen. Auch die Historische Gesellschaft bietet hier Führungen an.
Martin Brunsmann ist einer von vier Gästeführern, die für die Stiftung Industriedenkmal und Geschichtskultur Besuchergruppen durch den Malakoffturm führen. Auch die Historische Gesellschaft bietet hier Führungen an.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Se
Seit zehn Jahren führt Martin Brunsmann Besuchergruppen durch das Ruhrgebiet. Zwei Mal im Monat geht es Malakoffturm in Bottrop.

Bottrop.. Er weiß viel Geschichtliches und kennt viele Geschichten. Doch wer mit ihm im Malakoffturm unterwegs ist, hört vor allem Letzteres. „Denn ich bin kein Freund von Zahlen und Daten“, bekennt Martin Brunsmann. „Die vergessen die Leute sowieso sofort wieder, und wen es interessiert, der kann die schnell im Internet nachlesen.“ Seit die Stiftung Industriedenkmal und Geschichtskultur im Frühjahr die Seilscheibenebene als Aussichtsplattform öffnete, ist Martin Brunsmann als einer von vier Gästeführern im Turm aktiv und bringt an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat interessierten Besuchern diesen einzigartigen Standort der Industriekultur nahe.

„Denn der trutzige Malakoffturm der Zeche Prosper II ist das einzig erhaltene Beispiel im Ruhrgebiet für die Kombination von Malakoffturm mit einem eingebauten Strebengerüst“, erläutert der kundige Gästeführer sogleich. Er sei zwar kein Bergmann, aber die Industriekultur des Ruhrgebietes vorzustellen, sei für ihn nahezu eine „missionarische Aufgabe“. Als Diplom-Kaufmann war Brunsmann im eigentlichen Berufsleben lange Zeit in der Vermarktung von Großgeräten für die Radiologie aktiv. Als das Geschäft nicht mehr lief, baute er seine Leidenschaft für Reisen und Freizeit beruflich aus, erwarb ein Zertifikat als Gästeführer bei der IHK. „Ich habe mich immer schon in Vereinen und in der Jugendarbeit engagiert, hatte Spaß an der Organisation und Leitung von Reisen“, meint Brunsmann.

Seit rund zehn Jahren arbeitet er nun als Gästeführer, führt Gruppen vor allem kreuz und quer durch’s Ruhrgebiet. „Es gibt hier so viel zu entdecken. Und ich versuche meine Besuchergruppen stets für den jeweiligen Standort zu begeistern und die Lust auf weitere Entdeckungsreisen zu anderen Standorten der Industriekultur zu wecken.“

Im Malakoffturm dränge es die meisten Besucher - zumeist Bottroper - natürlich auf die Aussichtsplattform. Dort wo früher über Seilzüge die Kohle aus der Erde geholt wurde, bietet sich nach einem Aufstieg über die 270 Stufen einer steinernen Wendeltreppe ein weiter Blick über das Ruhrgebiet - vom Gasometer in Oberhausen über die Zeche Zollverein in Essen und zur Schalke-Arena in Gelsenkirchen.

Der Weg der Kohle

„Und mit Blick auf die Import-Kohle, die neben der heimischen Kohle unten auf dem Gelände der Kokerei lagert, erzählt Brunsmann den Besuchern dann gerne eine seiner Geschichten. „Niederländische Firmen nehmen der Zeche das Bergematerial für den Bau von Deichen und Poldern ab, und auch manche Inseln in Dubai wie The Palm sollen damit aufgespült worden sein.“ Diese Geschichte sei nicht belegt, komme bei den Besuchern jedoch gut an, schmunzelt der Gästeführer. Eine Tatsache aber sei, dass die heimische Kohle, die dort unten lagert, einen weiten Weg von ihrem Abbaugebiet am Niederrhein und über ein drei Kilometer langes schräges Förderband aus rund 700 Metern Tiefe hinter sich hat.

Keine Tour gleicht der anderen

Wenn Martin Brunsmann die Besuchergruppen durch den Malakoffturm führt, so gleicht keine Tour der anderen. „Jede Besuchergruppe ist anders, mal sind Familien mit Kindern dabei, mal mehr ältere Leute, mal kommen mehr Fragen, mal weniger“, so der Gästeführer. „Und ich versuche stets auf die Gäste einzugehen und sie da abzuholen, wo sie stehen.“ Seine größte Freude sei, wenn er spüre, dass es den Leuten gefällt. Natürlich mischt sich Brunsmann auch mal gern selbst unter eine Führung. „Ich bin viel mit meiner Familie unterwegs, sauge gern alles auf und lerne gern dazu.“ Und besonders wertvoll sei für ihn auch der Austausch mit den ehemaligen Bergleuten der Historischen Gesellschaft.

Als selbstständiger Gästeführer bietet Martin Brunsmann zahlreiche Führungen im gesamten Ruhrgebiet an. Und als besonderes Highlight bietet er am Samstag, 24. Oktober, eine Bustour an unter dem Motto „Nacht der Haldenfeuer“. „Im Dunklen erfährt man ganz andere und spektakuläre Eindrücke und Ausblicke im Revier“, so Brunsmann. Infos: www.myRegioGuide.info und Tel: 02385/4749723

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