Ein alter Brauch – Segen für die Osterspeise

Pater Mariusz Sokotowski segnet die Osterspeisen auch von Lia und Yulia.
Pater Mariusz Sokotowski segnet die Osterspeisen auch von Lia und Yulia.
Foto: WAZ FotoPool
Polnisch-stämmige Katholiken brachten am Ostersamstag Eier, Wurst und Kuchen in die Herz Jesu Kirche. Bei dem Ritual wurden bei vielen Besuchern Erinnerungen an die Kindheit wach. Sie sehen darin eine Verbindung vom Altar zum häuslichen Festtagstisch.

Bottrop..  Ein in unserem Breitengrad fast vergessener Brauch zieht am Ostersamstag Hunderte von Gläubigen der Polnischen Katholischen Mission Bochum in die Herz Jesu Kirche. Die Osterspeisensegnung – in Österreich, Bayern und Südtirol auch unter dem Begriff Fleischweihe bekannt – ist für die polnisch-stämmigen Bürger fester Bestandteil der Feiertage. Bei einer kurzen Andacht besprengt der Pfarrer nach dem Segensgebet die geöffneten Körbe der sogenannten Święconka mit Weihwasser. So wird eine Brücke zwischen Altar und dem häuslichen Tisch gezogen.

Ritual gibt Halt

Marzena Zabielski aus Gdingen kennt diese Tradition von Kindesbeinen an. Über mehrere Generationen hinweg wird dadurch an das letzte Abendmahl Jesu mit den Jüngern erinnert. Sie hofft, ihre Kinder mögen diesen Ritus eines Tages fortführen. „Der Glaube an Gott ist eine tief greifende Lebensorientierung für mich. Das Ritual der Speisensegnung verbindet mich zu Ostern mit meiner Familie und meinen religiösen Wurzeln. Das gibt mir Halt“, erklärt Zabielski.

Ihr Weidenkörbchen ist wie das der vielen anderen Versammelten mit Buchsbaumzweigen, bunten Schleifen und Blumen geschmückt. Ein handbesticktes oder liebevoll gehäkeltes Tuch bedeckt die ausgesuchten Speisen – Eier, Wurst, Salz, ein gebackenes Osterlamm – die nach polnischem Brauch erst einen Tag später beim Frühstück verzehrt werden dürfen. Die morgendliche Mahlzeit am Ostersonntag findet in einer feierlichen Atmosphäre statt: „Wir setzen uns zusammen an einem reich gedeckten Tisch – mit dem Körbchen in der Mitte. Nach dem Kreuzzeichen folgt das Gebet, es wird an Verstorbene erinnert. Wir teilen die Gaben untereinander, wobei wir uns herzlich umarmen und beglückwünschen“, beschreibt Agnes Pyka-Rynkiewicz aus Kattowice das Beisammensein an Ostern. Viele verbinden mit der Auferstehung Christi eine persönliche Geschichte, die sie erlebt haben. Ob es die Übersiedlung war, die manchmal auch Eheleute entzweit hat, oder eine schwere psychische Krankheit – es war stets die Hoffnung auf das gute Leben danach, die Erlösung, die die schweren Zeiten überstehen ließ.

Die Polnische Katholische Mission, die in unserer Region für die Städte Bochum, Bottrop und Gelsenkirchen zuständig ist, begleitet die Heimatverbundenen seit mittlerweile 30 Jahren auf ihrem Weg des Glaubens und trägt wesentlich dazu bei, dass das kulturelle Gut nicht verloren geht.

„Der gelebte Glaube an Gott bleibt wesentlich, egal wo man ist“, sagt Pater Mariusz Sokolowski.

 
 

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