Ehrenamtagentur sucht viele Talente

Peter Burba und Anke Grunden liegt die Ehrenamtagentur sehr am Herzen.  Ohne den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen, sagen sie, gäbe es viele Angebote für bedürftige Menschen überhaupt nicht.
Peter Burba und Anke Grunden liegt die Ehrenamtagentur sehr am Herzen. Ohne den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen, sagen sie, gäbe es viele Angebote für bedürftige Menschen überhaupt nicht.
Foto: Michael Korte
Peter Burba leitet das Bottroper Büro. Das Interesse am Ehrenamt, sagt er, sei groß in der Stadt. Es interessieren sich inzwischen auch viele arbeitslose Menschen dafür. Um sie angemessen unterzubringen, nimmt sich Burba viel Zeit.

Das Pfingst-Unwetter verursachte viel Chaos und Zerstörung, aber es brachte auch etwas Positives ans Licht: Tausende Freiwillige wollen helfen, packen mit an, sind da, wo Not ist. Eine Beobachtung, die Peter Burba auch in einem ganz anderen Zusammenhang schon gemacht hat. Burba ist Leiter des Bottroper Büros der Ehrenamtagentur und er kommt zu dem Urteil: „Das Interesse an der ehrenamtlichen Arbeit ist in Bottrop groß.“

150 Ehrenamtlich machen mit

Insgesamt würden etwa 150 Ehrenamtliche im Alter von 17 bis 80 Jahren, die über die Agentur zu den verschiedenen Einrichtungs-Trägern gefunden haben, dort mit anpacken. Die Agentur arbeite dabei mit den Vereinen und Verbänden zusammen, die im Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammengeschlossen sind wie beispielsweise Awo, Caritas, Diakonisches Werk, ASB, aber auch mit Blindenvereinen oder der Aids-Hilfe sowie mit kulturellen Einrichtungen. „Bürger, die Interesse an einem Ehrenamt haben, können sich bei uns melden“, erklärt Burba den Ablauf, „wir bringen sie dann mit der Einrichtung zusammen.“ Die Agentur sei eine Art Schnittstelle zwischen den Trägern und den Interessenten.

Und ihre erste Bilanz kann sich sehen lassen kann. Denn die Ehrenamtagentur gibt es erst seit 2011. Ins Leben gerufen habe sie der Verein „Die Perspektive“ – er unterstützt psychisch kranke Menschen in Bottrop – gemeinsam mit dem Paritätischen. „Unser Anliegen war es, die Ehrenamtlichen-Arbeit gut zu organisieren“, erklärt Anke Grunden, Geschäftsführerin der „Perspektive“.

Hohe Qualifikationen

Peter Burba hat aber nicht nur beobachtet, dass es viele Menschen gibt, die mitarbeiten möchten, er hat auch beobachtet, dass sich Interessentengruppen melden, die früher kaum ehrenamtlich gearbeitet hätten. „Es gibt zum einen viele Interessenten, die hoch qualifiziert sind“, sagt er, etwa Richter, Richterinnen, Lehrer, die auch im Anschluss an ihre Berufstätigkeit noch etwas Sinnvolles machen möchten. Aber es gebe auch zunehmend mehr Arbeitslose und Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Beeinträchtigung.

„Sie sagen: Ich möchte noch etwas machen, mein Tag braucht eine Struktur“, weiß Burba. Sie suchten oft händeringend nach einer ehrenamtlichen Beschäftigung, auch weil der Arbeitsdruck weniger intensiv sei als in vielen Betrieben. Für sie nehme er sich viel Zeit.

Eines jedoch machen Peter Burba und Anke Grunden klar: Es gehe dabei nicht darum, Arbeitslose in eine dauerhafte Stelle zu bringen. Dafür sei das Job-Center zuständig. Ehrenamtliche dürften keinesfalls Stellen ersetzen. Aber es gehe darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, zwischendurch etwas Sinnvolles zu tun. „Ich nehme mir die Zeit, ihre Stärken herauszufinden“, sagt der Leiter der Bottroper Agentur. Und er sagt auch: „Jeder Mensch hat Stärken, jeder von ihnen kann etwas machen.“

Und er bringt auch die richtigen Voraussetzungen dafür mit, ihre Stärken herauszufinden. Der 46-Jährige war selbst zeitweise arbeitslos und hat früher in einer psychiatrischen Beratungsstelle gearbeitet. „Viele Sorgen der arbeitslosen Menschen kenne ich selbst“, sagt er. Auch das Gefühl, dass eigene Fähigkeiten nicht angemessen gewürdigt werden.

In der Ehrenamtagentur allerdings kommt es auf jedes einzelne Talent an. Die Zeit, die Peter Burba sich nimmt, um diese Talent herauszufinden, spielen später eine große Rolle in der ehrenamtlichen Arbeit. Und davon profitieren viele Menschen – die Ehrenamtlichen selbst, die Einrichtungen, bei denen sie mit anpacken und die Menschen, um die sich dann kümmern. Mehr Gewinn geht kaum.

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