Ehefrau getötet: Gericht sieht keinen Mord

Dem Bottroper Journalisten Frank S. (55) bleibt eine Verurteilung zu lebenslanger Haft erspart. Das Essener Schwurgericht verurteilte ihn wegen der Tötung seiner 48 Jahre alten Ehefrau zu zwölf Jahren Gefängnis. Im Gegensatz zur Anklage erkannten die Richter nicht auf Mord, sondern auf Totschlag. Richter Andreas Labentz betonte, dass die Kammer bei der Rekonstruktion auf die Angaben des Angeklagten zurückgreifen müsse. Diese würden durch viele Details objektiv gestützt.

Am 10. Oktober 2015 hatte Frank S. seine Frau umgebracht. Sie hatte einen anderen Mann und wollte sich nach 28 Jahren von ihm trennen. Streit gab es, wieviel Geld der für Unternehmen arbeitende PR-Journalist ihr bei einer Trennung zahlen sollte. Einen Tag vor dem 16. Geburtstag ihrer gemeinsamen Kinder, Zwillinge, hatte er sie gewürgt, gefesselt und mehrfach verletzt. Sie starb durch Verbluten, nachdem er ihr die Halsschlagader aufgeschnitten hatte. Sein Suizid scheiterte, die Wunden waren nur oberflächlich.

Staatsanwältin Valeria Sonntag forderte lebenslange Haft wegen Mordes. Sie sprach von einer „äußerst brutalen Tat”, die „Ausdruck tiefster Ich-Bezogenheit” sei.

Rechtsanwältin Dorothee Düttmann vertrat die Kinder in der Nebenklage. Für diese sei das Leben zusammengebrochen. Als zynisch bezeichnete sie den Abschiedsbrief des Angeklagten, in dem er den Kindern „ein tolles Leben” wünschte.

Auf sieben Seiten hatte Frank S. für die Kinder aufgeschrieben, aus welchen Gründen die Ehe zerbrochen sei. Darin machte er vor allem seine Frau verantwortlich. Auch finanzielle Gründe sprach er an: „Ich bekomme Schnappatmung, dass sie mit meinem Nebenbuhler in die Eigentumswohnung zieht.”

Von „rücksichtslosem Eigennutz” sprach Rechtsanwalt Rüdiger Deckers, der den Vater der Getöteten in der Nebenklage vertrat. Auch er forderte eine Verurteilung wegen Mordes mit lebenslanger Haft. In rechtspolitischen Diskussionen hatte der prominente Strafverteidiger sich zuletzt für eine Reform des Mord-Paragrafen eingesetzt, weil dieser nicht mehr in die Zeit passe. Am Freitag hatte er dagegen kein Problem damit. Die Tat stehe „auf sittlich tiefster Stufe”, die für eine Mordverurteilung notwendigen „niedrigen Beweggründe” lägen vor. „Bestialisch” sei die Tat.

Das Gericht folgte letztlich Verteidiger Wolfgang Zeitler und erkannte auf Totschlag. Das finanzielle Motiv von Frank S. sei zwar „verwerflich“, aber nicht so verwerflich, dass das Mordmerkmal „niedriger Beweggrund“ vorliege.