Die Leihräder kriegen noch die Kurve

Kai Süselbeck
Wieder deutlich besser gefüllt: die Leihrad-Station am Hauptbahnhof 38 Räder sind derzeit in Bottrop stationiert..
Wieder deutlich besser gefüllt: die Leihrad-Station am Hauptbahnhof 38 Räder sind derzeit in Bottrop stationiert..
Foto: Oliver Mengedoht
  • Das Metropolrad meldet Zuwächse durch die Kooperation mit der Hochschule
  • Eigentlich wollte der Betreiber Nextbike alle 24 Bottroper Stationen abbauen
  • Regionalverband Ruhr schießt Geld zu; jetzt bleiben acht Terminals

Das Rad-Ausleihsystem „Metropolrad Ruhr“ hat bei den Ausleihzahlen eine Kehrtwende geschafft, wenn auch auf niedrigem Niveau. In diesem Jahr hat es bis Anfang Oktober schon 832 Ausleihen gegeben – im Gegensatz zu gerade mal 300 im gesamten Jahr 2015, meldet Mareike Rauchhaus vom Leipziger Betreiber Nextbike. Wesentlich dazu beigetragen habe die im April begonnen Kooperation mit der Hochschule Ruhr-West, die den Stundenten besondere Tarife sichert.

Das im Jahr 2009 mit Bundesförderung gestartete Verleihsystem sollte nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums den Anteil des Radverkehrs am Individualverkehr in den Ruhrgebietsstädten erhöhen. Zu diesem Zweck war ein dichtes Netz von voll automatisierten Ausleihstationen aufgebaut worden. In Bottrop entstanden 24 Leihstellen, an denen Interessenten sich per Smartphone oder direkt an der Station ein Rad mieten konnten.

Nach dem Ende der Bundesförderung im Jahr 2013 hatte der Leipziger Betreiber „Nextbike“ angekündigt, sich mittelfristig aus sechs der zehn Ruhrgebietsstädte zurückzuziehen. Nur in Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund sei das Verleihsystem erfolgversprechend zu betreiben. 17 Stationen in Bottrop, darunter alle in Kirchhellen, wurden abgebaut.

Diese Entwicklung hatte den Regionalverband Ruhr (RVR) auf den Plan gerufen, der ebenso wie die Verkehrsplaner der Stadt großes Interesse daran zeigte, das System dauerhaft zu erhalten. Es folgten Phasen von intensiven Verhandlungen und Vertragsabschlüsse mit vergleichsweise kurzen Laufzeiten.

Absehbar wurde die Trendwende im Frühjahr 2016: Die Universität Duisburg-Essen, die Essener Folkwang Hochschule der Künste und die Hochschule Ruhr-West mit ihren Standorten in Bottrop und Mülheim schlossen Verträge über einen Probebetrieb. Prompt meldete „Nextbike“ den ausleihstärksten April seit Beginn des Leihsystems in den Städten Duisburg, Essen und Mülheim (die WAZ berichtete).

Dieser Trend hat sich fortgesetzt, berichtet die Nextbike-Sprecherin auf WAZ-Anfrage: „Von der Hochschule Ruhr-West haben sich bis jetzt mehr als 200 Studierende angemeldet. Wir haben ein Ausleihterminal direkt an den Campus gebaut.“ Auch der RVR unterstützt das Ausleihsystem, indem er jährlich Werbeflächen auf den Rädern im Wert von mindestens 10 000 Euro bucht - in diesem Jahr für Kampagnen für den Radschnellweg Ruhr, die Klimametropole und die Grüne Hauptstadt Essen 2017.

Natascha Dietz, Leiterin der Bottroper Verkehrsplanung, hat zudem beobachtet, dass der Betreiber selbst bei der Vermarktung Erfolge erzielt: „Die geben jetzt auch Gas bei der Werbung.“ An acht Standorten (siehe Karte) hält Nextbike in Bottrop derzeit 39 Räder bereit. Es könnten mehr werden: Kurz nach dem Semesterbeginn entscheidet das Studierendenparlament der Hochschule, ob die Kooperation fortgesetzt wird.