Die geschickten Meister der kleinen Form

Die Titanic von Gerd Jeromin (links) ist noch in Arbeit. Vereinskollege Peter Spieker lässt sich die Details erklären.
Die Titanic von Gerd Jeromin (links) ist noch in Arbeit. Vereinskollege Peter Spieker lässt sich die Details erklären.
Foto: FUNKE FotoServices
  • Seit 30 Jahren setzen Mitglieder der Schiffsmodellsport-Gemeinschaft buchstäblich Maßstäbe
  • Die Nachwuchsprobleme des Vereins können nicht überraschen
  • Denn dieses Hobby gilt als teuer

Bottrop.  Rauch steigt auf, und kleine Flammen bedecken das Deck des Schiffes. Sofort eilen Löschboote herbei und bekämpfen das Feuer in nur wenigen Sekunden. Die Löschaktion mitten auf dem Stadtteich ist das kleine Highlight der diesjährigen Ausstellung der Schiffsmodellsport Gemeinschaft Bottrop. Der im März 1986 gegründete Verein feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.

Segelboote, mit Gas betriebene Dampfschiffe, U-Boote und sogar ein Nachbau der Titanic - von ganz kleinen bis über zwei Meter langen Modellen ist an diesem Ausstellungstag alles dabei. Die aus verschiedenen Kunststoffen und teilweise auch Holz gefertigten Miniaturboote sind mit Lichtern ausgestattet, viele haben ihr eigenes rotierendes Radar. Bei manchen steigt Qualm aus dem Schornstein, und wieder andere beeindrucken mit Klangeffekten. Auf Fotos sind sie kaum mehr vom Original zu unterscheiden.

So auch das Modell des Seenotkreuzers „Hermann Marwede“, hergestellt vom 76-jährigen Walter Bartholomäus. Schon seit 40 Jahren baut er verschiedene Modelle zusammen, aber wie auch viele seiner Vereinskameraden konzentriert er sich nicht nur auf Boote. Neben den Schiffen präsentieren daher viele der 20 Mitglieder andere Modelle wie zum Beispiel große Panzer, Trucks, Bagger, Militärfahrzeuge und Flugzeuge - allesamt funktionstüchtig. „Der Truck hier hat sogar Bremsleuchten, er piept beim rückwärts fahren, und er kann den Anhänger automatisch abkoppeln“, erklärt der Modellbauer.

Verborgene Technik

Um zu sehen, was in so einem Modell eigentlich alles steckt, führt der Verein an seinem Präsentationstag den Rohbau eines Schiffes vor und gibt damit den Blick frei in die innenliegende Technik. Da gibt es natürlich Fragen vom interessierten Publikum, welche die Mitglieder bereitwillig beantworten. Die meisten von ihnen sind Rentner, „der Nachwuchs bleibt leider aus“, bedauert der erste Vorsitzende, Jörg Bürger. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass der Modellbau ein sehr kostenintensives Hobby sei. „So ein Modelltruck hier kostet gerne mal 4000 Euro“, sagt er und zeigt auf den gelben Kraftwagen, der auf dem Tisch geparkt ist.

Sein zwölfjähriger Sohn Pascal ist dennoch längst begeistert von dem Hobby. Auf seinen Wunsch hin haben die beiden über die Ferien ein Playmobilschiff umgebaut, das er jetzt auf dem See fahren lässt.

Neugierige Zuschauer

Neugierig schauen die Besucher Kai und Daniela Mastalski zu und begutachten die vielen am Gehweg aufgereihten Modelle. „Das ist schon seit Kindheitstagen mein Hobby“, sagt der 46-Jährige. Die verschiedenen Aktionen der Modellbauer verfolgen die beiden seit langem, „das ist einfach etwas fürs Herz“. Und dazu lerne man noch vieles über Technik, sagt er.

Auch die ganz Kleinen haben ihren Spaß. „Ich finde die Schiffe vor allem auf dem Wasser toll“, sagt der sechsjährige Joris, der mit Vater Volker Wesselberg schon häufiger den Booten auf dem See zugeschaut hat. Denn bei gutem Wetter treffen sich dort mittwochs, sonntags und feiertags die Modellbauer und lassen ihre Boote zu Wasser. „Und heute dürfen die Kinder mit einigen unserer Boote einmal selber fahren. Am Ende erhalten sie eine kleine Kapitänsurkunde“, sagt Jörg Bürger. Zufrieden zeigt er sich mit diesem runden Vereinsgeburtstag.

 
 

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