Die erste Apotheke Bottrops öffnete vor 150 Jahren

Matthias Düngelhoff
Eine historische Aufnahme der Bottroper Hochstraße mit der Alten Apotheke rechts im Bild.
Eine historische Aufnahme der Bottroper Hochstraße mit der Alten Apotheke rechts im Bild.
Foto: privat
Gegründet wurde die Alte Apotheke am 18. August 1864 an der heutigen Gladbecker Straße. 1896 folgt der Umzug zum jetzigen Standort in der Bottroper Innenstadt. Seit vier Generationen befindet sich die Apotheke in Familienbesitz.

Bottrop.  „Ich beehre mich hiermit ergebenst anzuzeigen, daß ich die hiesige Apotheke mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten von der Wilhelmstraße nach meinem neuen Hause an der kath. Kirche, Haupt- und Poststraßen-Ecke, verlegte. Die neue Apotheke ist von Sonntag, den 19. diesen Monats ab geöffnet, von welchem Tage an die alte Apotheke geschlossen ist.“

Mit dieser Zeitungsanzeige aus dem Jahre 1896 begann die Apotheken-Geschichte an der heutigen Hochstraße. Es war Apotheker Jacob Geyr, der so den Umzug seines Unternehmens verkündete. Doch die Geschichte der Apotheke begann schon viel früher. Am 18. August 1864 erhielt der Apotheker Josef Hartmann aus Gescher die erste Apotheken-Konzession der Stadt.

Die hatte damals 4158 Einwohner, und die Apotheke hatte ihren ersten Standort an der heutigen Gladbecker Straße. Doch Hartmann schien mit der Apotheke nicht glücklich zu sein, nach nur neun Jahre verkaufte er sie. Auch sein Nachfolger behielt sie nur zehn Jahre und gab sie an Ludwig Leers weiter. Nach dessen Tode 1886 verkaufte die Witwe die Apotheke an Jacob Geyr aus Neuss. Seitdem ist sie in Familienbesitz, und nachdem mit der Engel-Apotheke 1899 die zweite Apotheke eröffnete, hatte sie auch ihren Namen – Alte Apotheke.

Die feiert am Montag 150-jähriges Bestehen, und im Innern erinnert noch manches an das Baujahr 1896. Die hölzernen Schränke und Regale im Verkaufsraum seien immer noch dieselben, die damals Bottroper Schreiner gebaut hätten, sagt Horst Stadtmann. Hinter den Kulissen hat sich aber viel getan. „In der Anfangszeit gab es noch keine Fertigarzneimittel“, sagt Peter Stadtmann, Urenkel von Jacob Geyr und heutiger Besitzer der Apotheke.

Daran erinnern viele Tiegel und Mörser, die heute zur Deko in den Regalen stehen. Selbst der alte Giftschrank, doppelt abgesichert, existiert noch. Dahinter arbeitet längst ein moderner Kommissionierautomat und verwaltet 40 000 Medikamente. Ein Klick am Computer, der Automat schickt die Schachteln auf die Reise, und sie purzeln am Tresen in den Ausgabeschacht.

Doris Stadtmann-Geyr leitete die Alte Apotheke bis 2009. Sie ist in dem historischen Gebäude zur Welt gekommen, erinnert sich, dass sie als Kind immer erst Hausaufgaben machen musste, „dann durfte ich nach unten“. Diese Faszination für die Apotheke habe sie – anders als ihre Schwester – schon früh aufgesogen. „Ich wollte nie ‘was anderes machen.“ Lange hatte die Apotheke übrigens eine ganz einfache Telefonnummer: „6“. Im Haus lag der sechste Telefonanschluss der Stadt.