Diakonie plant Demenz-WG

Im Gemeinschaftsbereich soll sich – wie hier in einer Gelsenkirchener Wohngemeinschaft – viel vom Alltagsleben abspielen.
Im Gemeinschaftsbereich soll sich – wie hier in einer Gelsenkirchener Wohngemeinschaft – viel vom Alltagsleben abspielen.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.  Die Diakonie will das Wohnangebot für Menschen mit Demenz in der Stadt erweitern: Geplant ist die Einrichtung von drei Demenz-Wohngemeinschaften für jeweils neun Mieter mit Betreuungsbedarf. Kerstin Schönlau, Prokuristin der Diakonie, stellte das Projekt im Rahmen der Pflegekonferenz-Sitzung vor. Und erntete auch schon erste Kritik aus der Runde.

Pflegestufe vorausgesetzt

Aber der Reihe nach: „Wir haben eine ambulante Form entwickelt, die zwischen dem Wohnen daheim und der stationären Unterbringung liegt“, erläuterte Schönlau eingangs. Rein baulich sieht es so aus, dass in einem zweigeschossigen Gebäude die besagten drei Wohngemeinschaften für jeweils neun Demenzkranke Platz finden sollen – und zusätzlich dazu noch fünf barrierefreie Wohnungen (je 55 qm), die prinzipiell von jedem Interessierten gemietet werden können. Mieter in einer der Demenz-WGs kann nur werden, bei dem eine Demenzdiagnose (leichte bis mittelschwere Demenz) sowie eine Pflegestufe vorliegt; die Beweglichkeit soll bei Einzug aber noch vorhanden sein. Am ehesten angesprochen sind laut Schönlau „Menschen, die bisher zu Hause von Angehörigen gepflegt wurden und wo man merkt: das kippt.“ Bei der Auswahl der Mieter soll darauf geachtet werden, dass sie in die Gruppe passen; bei Neuzugängen hat z.B. die Mieterversammlung ein Mitspracherecht.

Natürlich sollen die drei Demenz-WGs nicht sich selbst überlassen werden: Über 24 Stunden wird eine Pflegefachkraft anwesend sein. Dazu kommen ambulante Hilfeleistungen (Körperpflege, Wundverband) nach individuellem Bedarf. Im Vordergrund steht laut Schönlau aber die Gestaltung des Alltags, es geht darum, die individuell definierte Lebensqualität zu erhalten. Speziell ausgebildete Alltagsbegleiter sollen im Alltag strukturieren und begleiten. Wichtig ist den Initiatoren auch eine Öffnung zur Nachbarschaft hin.

Kritik aus der Pflegekonferenz entzündete sich vor allem daran, dass die WG-Wohnungen zwar einen großzügigen Gemeinschaftsplatz mit viel Bewegungsfläche vorsehen, aber keine eigenen Bäder in den je 16 qm großen persönlichen Zimmern. Vielmehr stehen drei Bäder pro WG bereit, wobei die Menschen bei der körperlichen Hygiene begleitet werden sollen.

Die Kosten würden laut Diakonie übrigens nicht höher liegen als bei einem stationären Platz. Erste Gespräche mit der Stadt sind geführt, ein Grundstück wird gesucht. Die politische Entscheidung, ob so ein Angebot in Bottrop gewünscht ist, steht aus.

 
 

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