Der Verkehr rund um das JAG ärgert die Anwohner

Zum Schulschluss holen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto ab. Derselbe Verkehr knubbelt sich morgens im Bereich der Schule.
Zum Schulschluss holen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto ab. Derselbe Verkehr knubbelt sich morgens im Bereich der Schule.
Foto: Heinrich Jung
  • Hol- und Bringverkehr wird für Anwohner rund um das Gymnasium zur Belastung
  • Eltern stellen sich sogar in Hofeinfahrten und blockieren sie
  • Stadt versucht mit Schwerpunktkontrollen dagegen zu halten

Bottrop..  Die Verkehrs- und Parksituation rund um das Josef-Albers-Gymnasium (JAG) ist schwierig – zumindest aus Sicht der Anwohner. Und auch das Straßenverkehrsamt bezeichnet die Situation morgens, wenn die Schüler von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden, als „nicht gut“.

Zuletzt schilderte Anwohner Joachim Strauß seine Erfahrungen vom Tag der offenen Tür am Samstag. Es habe schon damit begonnen, dass der Luftsportverein bei der Anlieferung des Segelfliegers die Straße und die Zufahrt zu seiner Einfahrt blockiert habe. Und auch später sei rund um die Schule wild geparkt worden. Das Ordnungsamt, so Strauß, sei auch nicht erreichbar gewesen.

Viele Abendveranstaltungen

„Der Gehweg hier wird grundsätzlich zum Parken genutzt“, ärgert sich der Anwohner. Einige Eltern parkten sich auch in den Einfahrten, wenn sie ihre Kinder vom Unterricht abholen. Hinzu kämen die vielen Abendveranstaltungen in der Aula und der Sporthalle, die allerdings nicht unbedingt auf die Schule zurückgehen. Auch Peter Podgorski, Anwohner der Schützenstraße, beschreibt die Situation drastisch: „Stellenweise ist das der Horror.“

Monika Werwer, die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, kennt die Belastungen der Anwohner. Ähnlich massiv treten sie vielleicht noch an der Willy-Brandt-Gesamtschule auf, sagt sie. Vor allem morgens sei es problematisch. „Zuletzt waren wir 14 Tage lang jeden Morgen dort vor Ort.“ Doch wenn solche Schwerpunkaktionen vorbei sind, werde wieder genauso wild geparkt wie vorher, so ihr Fazit.

Schule war urspünglich mal für 350 Mädchen gedacht

Das JAG steht mitten in der Innenstadt in einem Wohngebiet. „Ursprünglich war die Schule mal für 350 Mädchen gebaut worden“, sagt Schulleiter Reinhard Schönfeld. Inzwischen besuchen rund 1300 Schüler das Gymnasium. Man bemühe sich, den Hol- und Bringverkehr in dem Wohnviertel einzudämmen.

„Ich besuche selbst immer die erste Pflegschaftssitzung der fünften Klassen und weise die Eltern eindringlich darauf hin.“ Viele nähmen auch Rücksicht und ließen ihre Kinder etwa an der Peterstraße aussteigen und die letzten Meter laufen. Das klappe auch „halbwegs“, lautet die Einschätzung des Schulleiters, wobei er selbst den Zustand als nicht optimal bezeichnet, auch bezogen auf die Situation an den Abenden. Zudem habe die Schule den Unterrichtsbeginn entzerrt. Die Oberstufe fängt um 7.45 Uhr an, die übrigen Schüler um 8 Uhr.

An anderen Schulen gibt es neuerdings Hol- und Bringzonen

Problematisch sei die Parkplatzsituation auch für die Lehrer. Viele nutzten deshalb die Stellplätze am Sportplatz an der Neustraße. Inwieweit durch den Bau der neuen Sporthalle zusätzlicher Parkraum entsteht, ist noch unklar. „Sinnvoll wäre das aber“, so Schönfelds Einschätzung.

Die Verantwortlichen beim Straßenverkehrsamt suchen nach Lösungen, das Problem rund ums JAG in den Griff zu bekommen. So fragt man sich: Müssen tatsächlich auch an weiterführenden Schulen Hol- und Bringzonen eingerichtet werden wie jetzt gerade an der Cyriakus-Grundschule geschehen?

Zuständiger Dezernent sieht den Vorschlag skeptisch

Paul Ketzer, erster Beigeordneter der Stadt und verantwortlich für Schule und Verkehr, ist skeptisch. Zunächst müsse man sehen, wie die angenommen werden. Außerdem: „Wir können Eltern nicht zwingen, sie zu nutzen.“ Was die Erreichbarkeit des Ordnungsamts angeht, verweist er auf den Kommunalen Ordnungsdienst unter 703971. Anrufe dort würden auch aufs Handy umgeleitet. Allerdings: Laut Internet-Seite der Stadt sind die Mitarbeiter samstags erst ab 16.30 Uhr im Dienst.

Anwohner klagt gegen die Stadt

Die Stadt selbst nutzt die Aula des JAG für Kulturveranstaltungen, Vereine nutzen die Sporthalle der Schule abends für ihre Trainingseinheiten. Auch das setzt den Anwohnern zu. Wegen der damit verbundenden Lärmbelästigung klagt Joachim Strauß gegen die Stadt. Die Klage liegt beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, und Strauß wartet nun auf eine Terminierung.

Die Stadt hält die Klage für unbegründet. Allerdings habe man reagiert, so Paul Ketzer, und die „Beendigungszeit nach vorn gesetzt“. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Stadt festgelegt hat, dass Kulturveranstaltungen um 22 Uhr beendet sein müssen. Ansonsten sei die Situation dort eine „Gratwanderung“ zwischen Anwohnerinteressen, Interessen der Schule und denen der Besucher.

Nur einmal in der Woche gibt es eine Abendschicht der Verkehrsüberwachung

Abendliche Kontrollen seien nur schwer möglich, sagt Monika Werwer. Nur einmal pro Woche gibt es eine Spätschicht bei der Verkehrsüberwachung bis 22 Uhr. Damit sei längst nicht alles abzudecken.

Allerdings, so Schulleiter Reinhard Schönfeld, werde bei Abendveranstaltungen der Schulhof als Parkplatz geöffnet.

 
 

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