Der Teufel kommt sanft daher

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Rezeptionsgeschichte, dass große Werke im Laufe der Zeit schlicht vergessen wurden. Aus welchen Gründen auch immer. Auch Felix Mendelssohn-Bartholdy Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester d-moll von 1823, das der Komponist noch als „Teenager“ schrieb, kann auf einen solchen Irrtum verweisen. Jetzt war das bereits groß und elegant komponierte Stück im Kammermusiksaal zu erleben – als kleines Wunder der perlenden Brillanz der beiden Solisten und als homogene Komposition mit melodischer Empfindsamkeit. Zu danken war dieser ebenso intime wie virtuose Eindruck dem Geiger Ingolf Turban, dem Pianisten Matthias Kirschnereit (gebürtig aus Dorsten) sowie „I Virtuosi di Paganini“, einem von Turban 2006 gegründeten, jung besetzten Ensemble aus München.

Besondere Absicht des Ensembles: Turban und seine Elite-Studenten wollen die effektvollen Violinkonzerte des „Teufelsgeigers“ Niccolo Paganini werkgetreu wieder beleben und um sie herum tempo- und ornamentreiche Streichermusik der Romantik, also des frühen 19. Jahrhunderts, als vitales Gut anbieten.

Seelenzauber mit Jenseitsbezug

Mit dem sanft, aber doch fordernd die Saiten bearbeitenden Violinisten rückten die „Virtuosi“ Paganinis „Hexentanz“, eine „Romanza“ des Paganini-Schülers Camillo Sivori und das schon erwähnte Beispiel Mendelssohns aufs Podium – als Gegenpol zur Repertoire-Langeweile sattsam bekannter Kompositionen: Perlen und Pretiosen – temperamentvoll und atemberaubend in der technischen Bewältigung. Wann hat man solch eine Fülle von Flageoletts, Trillern, Doppelgriffen, Arpeggien, Laufsprüngen oder Legato-Ebenmaß so perfekt ausgeführt gehört? Turban wurde umjubelt.

Matthias Kirschnereit stellte sich zunächst mit Chopin vor: der Nocturne-Rarität F-Dur und dem Scherzo Nr. 2 b-moll – grandios gemeisterte „Reißer“, deren Melos und Strukturen der Pianist auf den Tasten heraus meißelte – als Seelenzauber mit Jenseitsbezug. Auch ihm galt der Beifallssturm im Kammerkonzertsaal. Nur schade, dass sich das Duo zu keiner Zugabe „überreden“ ließ.

Matthias Kirschnereit sollte das Kulturamt einmal zu einem puren Chopin-Recital einladen. Er hat sich exzellent in seiner alten Heimat empfohlen.

 
 

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