Der streitbare Pater

Er war einer von ihnen: Pater Markus (rechts in Zivilkleidung) und Männer der Grubenwehr 1983.
Er war einer von ihnen: Pater Markus (rechts in Zivilkleidung) und Männer der Grubenwehr 1983.
Foto: WAZ FotoPool
Pater Markus Steindl starb vor genau 20 Jahren. Doch vergessen ist der Kirchenmannin Bottrop nicht. Er war Priester für die Bergleute und Umweltschützer.

Pater Markus Steindl ist zwar fast auf den Tag genau seit 20 Jahren tot, doch vergessen ist der streitbare Priester, Dominikaner und Umweltschützer in Bottrop nicht. „Er war ein unheimlich kontaktfreudiger Mensch, er hat viele Menschen angezogen, und er war sehr charmant – ein Wiener eben.“ So charakterisiert den gebürtigen Österreicher einer, der ihn fast ein Leben lang begleitet hat: Pater Rufus Keller. Beide haben, neben weiteren Patres, zeitweise in dem damaligen Dominikanerkloster am Plankenschemm zusammen gelebt.

Und wenn Pater Rufus von seinem früheren Mitbruder erzählt, dann hört man noch die Begeisterung für die Arbeit mit den Bergleuten heraus. Es war die Zeit, als die Welheimer Mark, da, wo Pater Markus auch Pfarrer war, noch durch und durch von den Bergleuten geprägt war. „Das war seine Welt“, erinnert sich der Mitbruder. Seine Pfarrei, St. Antonius, sei eine reine Bergarbeiter-Pfarrei gewesen. Viele Kumpel, auch kirchenferne, kamen in die Kirche – nur seinetwegen.

Das kleine Dominikanerkloster

Aber Pater Markus war für die Ruhrkohle auch so eine Art Arbeiter-Priester, ein Kontaktmann zu den Kumpel auch unter Tage. Zweimal die Woche fuhr der studierte Physiker ein, teilte ihre harte Arbeit. Bis zu seinem Lebensende blieb er Mitglied der Grubenwehr.

Damals in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das war die Zeit des Aufbruchs in der Kirche, es war die Zeit kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Damals wollte Kirche nicht nur nach innen wirken, sondern sie wollte auch „Kirche für die Welt“ sein, wollte auch politisch sein. Die Dominikanerpatres Markus und Rufus, aber auch andere Mitbrüder, die es in das kleine Kloster nach Bottrop zog, folgten diesem Anspruch aus Überzeugung.

Als das Zechensterben einsetzte, die Welt der Bergleute langsam unterging, stieß Pater Markus auf den Umweltschutz, eines seiner ganz großen Lebensthemen. Vehement stritt er gegen die damals geplante Erweiterung der Kohleölanlage in der Welheimer Mark. Sein Engagement brachte ihm allerdings nicht nur Anerkennung ein. Gerade die Gewerkschafter, die man eigentlich an seiner Seite hätte vermuten können, waren plötzlich gegen ihn. Sie sahen in seinem Kampf für mehr Umweltschutz in der Welheimer Mark vor allem eine Bedrohung der Arbeitsplätze.

Doch der streitbare Kirchenmann ließ sich nicht abbringen von seiner kritischen Haltung zur Pyrolyseanlage und Müllverbrennung. „Er blieb dabei, obwohl ,grüne’ Anliegen damals, ganz anders als heute, nur etwas von Außenseitern waren“, sagt Pater Rufus, der heute in einem Kloster in Köln lebt. „Aber das hat Pater Markus nicht gestört.“ Und der damalige Bischof, Kardinal Franz Hengsbach, habe ihm den Rücken gestärkt. „Pater Markus war auch im Klerus anerkannt.“

Als einen „rastlos“ arbeitenden Menschen hat sein Mitbruder den verstorbenen Pater erlebt. Beide kannten sich seit den Studientagen und sind später über Jahrzehnte hinweg in den Urlauben gemeinsam gewandert und haben Berge bestiegen. „Nur beim Wandern konnte er abschalten“, sagt der Freund über ihn. Er hat ihm in seinem Buch „Letzte Tage im September“) ein Denkmal gesetzt.

Die endgültige Auflösung des Bergarbeiter-Milieus, die Auflösung des Dominikanerklosters, die Zusammenlegung der Pfarreien, all das habe Pater Markus nicht mehr erleben müssen, sagt sein Wegbegleiter. 1992 erlag er mit nur 58 Jahren seinem Krebsleiden.

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