Der letzte Anker für die Armen

Verpackungen Huber in Bottrop Foto: Birgit Schweizer/waz
Verpackungen Huber in Bottrop Foto: Birgit Schweizer/waz
Foto: WAZ FotoPool

Claudia Kretschmer muss immer Rat wissen. Wenn sie einmal nicht mehr weiter wüsste – es wäre das Ende für viele Menschen. Denn Claudia Kretschmer hilft denen, die schon alles versucht haben und die dennoch keinen Ausweg sehen; denen, die keine Wohnung mehr haben und denen, die kurz davor stehen, ihre Zuhause zu verlieren. Claudia Kretschmer leitet die Evangelische Sozialberatung Bottrop. „Wir sind der letzte Anker für die Hilfesuchenden, nach uns kommt nichts mehr“, sagt sie.

Sie holen ihre Post dort ab

Wenn sie über die Probleme dieser Menschen spricht, dann gewährt sie auch immer ein klein wenig Einblick in eine Welt, die den meisten Bürgern doch verschlossen ist. Sie weiß um die Verzweiflung, Ausweglosigkeit, um die materielle und oft auch menschliche Armut, mit denen viele der Ratsuchenden zurecht kommen müssen.

500 Menschen kommen in jedem Jahr in die Sozialberatung an der Kirchhellener Straße. Die Räume wurden gerade umgebaut. Jetzt ist alles hell und freundlich, es ist mehr Platz da für Mitarbeiter und Ratsuchende.

Sie kommen, weil sie keine Wohnung mehr haben oder weil der Vermieter sie vor die Tür setzen will; die Sozialberatung hilft auch alten, einsamen Menschen, die allein verwahrlosen, sie hilft, wenn Drogenprobleme das normale Leben unmöglich machen und... und...und. Man kann das kaum alles aufzählen, so viel ist es.

Und einige Menschen kommen, um Post abzuholen. Ihnen fehlt, was für andere als selbstverständlich ist: Sie haben keine fest Adresse. „Aber Jobcenter verlangt eine tägliche Verfügbarkeit“, weiß die Sozialarbeiterin. „Die Menschen geben dann unsere Adresse an, wir haben für sie Fächer eingerichtet.“ Gerade sind es 52 Fächer. „Das sind nicht alles Menschen, die auf der Straße leben, viele schlafen auch mal hier, mal da, bei Freunden oder im Gartenhäuschen.“

Claudia Kretschmer und der Sozialarbeiter Christian Kempelmann kennen sie alle, wissen um das Schicksal eines Jeden. Woher sie die Kraft nimmt, ihnen so viel Halt zu geben? „Wir dürfen die, die am Rande der Gesellschaft stehen, nicht runterfallen lassen“, antwortet sie. Und dann sie sagt den Satz, der sie am besten charakterisiert: „Man muss die Menschen, die zu uns kommen, mögen, man darf sie doch nicht als Versager sehen.“ Und sie mag sie – jeden von ihnen.

 
 

EURE FAVORITEN