Der Geheimtipp im diesjährigen Programm

Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
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Zwei Musiker aus Duisburg-Rheinhausen - sie sind bestens bekannt beim Solistenpersonal des Bottroper Festivals Orgel Plus - vertraten mit Orgel und Klavier die beiden großen Konfessionen kirchenmusikalisch.

Wie einigt man sich da: Orgel und Klavier? Zudem noch räumlich in „oben“ und „unten“ getrennt.

Die Orgel von St. Johannes in der Boy auf der einsehbaren Empore, der Flügel vor dem Altar in direkter Nähe des Publikums - Vorteile für eines der Instrumente? Richtig ist, wie man im Konzert von „Orgel Plus“ am Mittwoch erleben konnte, dass die Orgel durch Register-Variation mehr Farbigkeit im Klang ausweisen kann; dass aber ein Klavier durch den hellen, klaren Ton sich bestens „dagegen“ behauptet und abhebt. So geschehen beim Duettieren von Ludger Morck, Klavier, und Jürgen Kuns, Orgel.

Beide Musiker kommen aus Duisburg-Rheinhausen, sind bestens bekannt beim Solistenpersonal des Bottroper Festivals und vertreten die beiden großen Konfessionen kirchenmusikalisch. Das heißt also: Hier fand ganz unproblematisch Ökumene durch das gediegene, ziselierte oder auch mal swing- und bluesnahe Konzertieren statt.

Die beiden Interpreten begegnen sich mit Achtung und dem Willen, auf den anderen einzugehen. Was Tempo, Steigerung, Emotion, Notenlänge, Spielkultur, Takt- und Rhythmus-Verständnis anbelangt, atmen sie auf gleicher Welle.

Durch Video-Kamera und Monitore verbunden (diesmal besser und lichtintensiver gehändelt als beim Abend mit dem Trio Melido), passt sich das Duo von der ersten Note bestens an. Denis Bedards „Duet Suite“ u.a. mit einer dichten Fuge und einem flinken Finale (das als Zugabe von Morck/Kuns wiederholt wurde), Cesar Francks Prelude, Fugue et Variations (in einer speziellen Fassung), Charles Marie Widors drei „Duos“ mit der schillernden Humoresque zu Beginn, Alexandre Guilmants vierteiliges „Gebet“ mit höchst aparten Valeurs, und Joeal Raneys „KumBaYah-Suite“ mit vielen tänzerischen, rasanten Effekten – ein weitgehend nachbarschaftlicher Blick nach Frankreich und dessen romantische Tendenzen im 19., beziehungsweise zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Franck, Widor, Guilmant zählen dort nach wie vor zu den zentralen und populären Komponisten, die ganze Orgelschulen einst ausgelöst haben.

Bei näselnden Registern der Orgel, für die sich Kuns entschied, blühte das Klavier (Morck) mit kultivierten Anschlagsnuancen auf; bei den überraschenden Affekten wiederum überholte die Orgel das „befreundete“ Instrument. So gab es fast in jedem Beitrag wechselnde Kontraste und ein spannendes Farbenspektrum. Morck und Kuns verstanden sich gerade in diesem transparenten Reichtum vorzüglich. Dabei verbieten sich genüssliche Eitelkeiten in ihrem Spiel.

Gerd-Heinz Stevens als Festivalleiter hatte sich zuvor „geoutet“ – dieses Konzert sei sein „Geheimtipp“ im diesjährigen „Plus“-Programm. Er hatte den rund 80 Gästen auf den Kirchenbänken nicht zu viel versprochen.

 
 

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