Der Garten der Sinne wartet auf die Kinder

Amela Halilovic (li) und Christa Keuth (re) sind neue Lesepaten, Michaela Skrzipale betreut sie und bereitet sie auf ihren „Einsatz“ vor.
Amela Halilovic (li) und Christa Keuth (re) sind neue Lesepaten, Michaela Skrzipale betreut sie und bereitet sie auf ihren „Einsatz“ vor.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Die neuen „Lesepaten“ laden Kinder, die im Sommer eingeschult werden, zu einer außergewöhnlichen Ferienaktion ein. Eigentlich sollte das neue Leseprojekt später starten, aber die Begeisterung der Ehrenamtlichen änderte das.

Wer Bücher liest, kann Dinge erleben, die Nicht-Leser sich nicht einmal vorstellen können. Lesen eröffnet unbekannte Welten. Und damit viele Bottroper Kinder neue Welten entdecken, wurde jetzt ein neues Projekt gegründet: die „Lesepaten“. Michaela Skrzipale ist gerade dabei, die allerletzten Vorbereitungen für den Start nach den Sommerferien zu treffen. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt Lernstörungen betreut die ehrenamtlichen Lesepaten und bereitet sie auch auf ihre neue Aufgabe vor.

Sechs dieser Paten – fünf Frauen und ein Mann – sind über die Ehrenamtsagentur bereits gefunden. Doch der Einstieg in das Projekt, erzählt die temperamentvolle Frau, wurde vorgezogen. Der Grund: Die Begeisterung der neuen Lesepaten. Sie hätten sich bei der vorbereitenden Schulung gefragt: Warum erst nach den Ferien? Und so sei die Ferien-Aktion „Garten der Sinne“ geboren worden. Dazu sind Kinder eingeladen, die nach den Ferien eingeschult werden. Los geht es am Montag, 7. Juli.

Zwischendurch „was auf die Ohren“

„Angelegt wird der Garten auf der Terrasse des Hauses an der Gerichtsstraße, in dem die Ehrenamtsagentur einen Raum hat“, erklärt Michaela Skrzipale. Die Kinder würden Pflanzen-Körbchen basteln, bemalen, Blumen pflanzen, Kräuter kennenlernen. „Gerade hab ich eine Vanilleblume gekauft“, erzählt die überaus kreative Therapeutin. Die Blume dufte herrlich intensiv – daher auch der Name: „Gartender Sinne“: die Kinder sollen die Pflanzen mit allen Sinnen wahrnehmen. Und zwischendurch gebe es „etwas auf die Ohren“, es wird den Kindern also zwischendurch immer ein Text vorgelesen, der zu der jeweiligen Garten-Betätigung passt. Am Ende, so Michaele Skrzipale, die über eine ansteckende Leidenschaftlichkeit verfügt, soll aus der „usseligen“ Terrasse ein bunter Garten entstehen.

Lesepatin Christa Keuth wollte mit ihrem Einsatz auch nicht bis nach den Ferien warten. „Das war mir zu lang“, sagt die 68-Jährige. Nach dem Tod ihres Mannes habe sie auf jeden Fall eine ehrenamtliche Aufgabe übernehmen wollen und am liebsten eine mit Kindern. „Als ich von der Ehrenamtsagentur gelesen habe, hab ich mich gleich gemeldet“, sagt sie. Dort habe Peter Burba, der das Büro leitet, ihr auf Anhieb gesagt: „Die Lesepaten, das ist für Sie genau das Richtige.“

Lesepatin: Ich möchte Kindern Chancen eröffnen

Die neue Aktion „Lesepaten“ gehört mit zum Bottroper Netzwerk, erklärt Michaela Skrzipale, die die Lesepaten betreut und vorbereitend schult. Das Netzwerk richtet sich an Kinder von psychisch kranken und suchtkranken Eltern. „In der praktischen Schulung erfahren die Lesepaten beispielsweise etwas über psychische Auffälligkeiten und über Rituale, die es für Kinder gibt“ erläutert die Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Die Lesepaten, die ausschließlich ehrenamtlich arbeiten, richteten sich jedoch darüber hinaus an alle Kinder. „Grundschulen und Kitas können sich ebenfalls melden, wenn sie Interesse an einem Paten haben.“

Amela Halilovic, die aus Bosnien nach Bottrop kam, freut sich darüber, Michaela Skrzipale und das Projekt Lesepaten kennengelernt zu haben. Sie sei sofort bereit gewesen mitzumachen. „Am liebsten arbeite ich mit Kindern mit Migrationshintergrund“, sagt sie. „Ich habe selbst in Bosnien Schlimmes gesehen, aber das Leben hat mir eine Chance gegeben“, erklärt die junge Frau. Sie wolle den Kindern helfen, Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. „Ich bin überzeugt, dass man alles erreichen kann, wenn man nur möchte. Ich mache mit, um den Kindern das zu zeigen.“

Noch werden Lesepaten gesucht. Kontakt über die Ehrenamtsagentur, 771 7273.

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