Das kostenlose Netz für Bottrops City kommt voran

Ver Versorger Gelsennet setzt demnächst Antennen auf die Hauptpost. Der Verein „Freifunk Bottrop“ will mit Gastronomen, Händlern, Stadt und Privatleuten ein Netz von Internetzugängen aufbauen

Möglichst bald sollen Passanten überall in der Bottroper Innenstadt kostenlos mit Smartphone oder Tabel-Computer im Internet surfen können. Das ist nicht nur ein Wunsch des Oberbürgermeisters, der auch Vorsitzender des Vereins „Marketing für Bottrop“ ist. Aber wie die Einwählpunkte ins Internet schaffen und bezahlen, wenn die Stadt dafür kein Geld hat? Wir vernetzen einfach die vorhandenen Internetzugänge und machen sie öffentlich, schlägt der Verein „Freifunk Bottrop“ vor.

Wie Bottrop mit seinem Angebot kostenlosen Surfens in der Innenstadt sich bisher aufstellt, ist erkennbar eine Frage der Betrachtungsweise. „Wir sind schon recht weit und werden demnächst einen weiteren Schritt nach vorn machen“, sagt Frank Palluch, Sachgebietsleiter bei der Wirtschaftsförderung. Voraussichtlich im März will der Versorger Gelsennet auf dem Dach der Hauptpost am Berliner Platz zwei Antennen installieren. Die größte Hürde, der Denkmalschutz, ist genommen. Die Anlage kann nach Schätzung der Stadt mit kostenlosem Internetzugang den Berliner Platz, den Busbahnhof und die Poststraße abdecken. Davon verspricht die Stadt sich mehr Aufenthaltsqualität. Zudem verweisen die Wirtschaftsförderer auf Gastronomen, die etwa an der Osterfelder oder Gladbecker Straße „Hotspots“ für kostenlosen Netzzugang anbieten.

„Bottrop hängt mit öffentlich zugänglichen WLAN-Zugangspunkten (Hotspots) verglichen mit anderen Ruhrgebietsstädten hinterher“, sagt Nils Feldeisen, Piraten-Politiker und Mitgründer von „Freifunk Bottrop“. Der Verein hat bereits eine Serie von Gesprächen mit der Stadt geführt, wie sich die städtische Technik in ein „Freifunk“-Netz einbinden ließe. In Gastronomie und Einzelhandel, sagt Feldeisen, sei der Plan schon auf großes Interesse gestoßen, auch weil er im Vergleich zu kommerziellen Hotspot-Anbietern günstig daher kommt: „Die Router (Einwahlknoten) werden zwischen 20 und 50 Euro kosten. Die Reichweite des einfachen Gerätes beträgt etwa 50 Meter. Natürlich werden wir den Aufbau begleiten und können entsprechend der Situation vor Ort, Angebote für spezielle Geräte machen. Das könnten unter anderem Richtfunkantennen sein.“ Neue Mitglieder stellen Strom, Raum oder Einwahlknoten für eine gemeinsame Netz-Nutzung zur Verfügung. Das Ziel des Verbunds freier Netzwerke: „Im Idealfall spannt sich ein flächendeckendes Netz aus Zugangspunkten über eine ganze Stadt.“

Peter Stadtmann, Betreiber der Alten Apotheke an der Hochstraße, steht „Gewehr bei Fuß“ für eine Installation von WLAN auf seinem Dach. Hauptsache, es geht endlich los: „Es gibt hier wenig Akteure, die etwas bewirken wollen.“

Der Haken mit der Haftung

Jeder kann es ausprobieren, wenn er mit Smartphone oder Tablet durch die Innenstadt geht und die Netz-Suche einschaltet: Tatsächlich gibt es das flächendeckende WLAN längst. Nur: Die Einwahlknoten sind durch Verschlüsselung gesichert. Früher aus Angst, Fremde surften auf Kosten anderer; in der heutigen Flatrate-Zeit vor allem aus Sorge um Missbrauch. Und die ist begründet, sagte Tatjana Neuwald, Rechtsexpertin der IHK München: „Werden online Rechte einer Person verletzt, gilt der Betreiber des Netzwerkes zwar nicht als Täter; ihm wird aber vorgeworfen, eine zumutbare Prüfpflicht nicht erfüllt zu haben. Dieses Risiko ist vielen Betreibern zu hoch.“ Gleich sechs Bundestagsausschüsse, sagt die Expertin, arbeiten gerade an einer neuen gesetzlichen Regelung.

„Der Verbund freie Netzwerke schützt seine Mitglieder aktiv vor der Störerhaftung“, sagt dagegen Nils Feldeisen von „Freifunk": „Von außen sieht es so aus, als würde der Verein selbst im Internet surfen.“ Außerdem gelte der Verein als Versorger und sei so von der Störerhaftung befreit. Das gelte auch für die Stadt, wenn sie Mitglied des Vereins werde. Ob das wirklich so ist, will die Stadt allerdings erst noch rechtlich prüfen lassen. Freifunk, sagt Feldeisen, besitze zudem „eigene Möglichkeiten, um zum Beispiel illegale Downloads zu unterbinden“

 
 

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