Im Martinszentrum in Bottrop gibt’s „Dicke Bohnen mit Speck“

Das isst der Pott Bottrop - Folge 4

In der 4. Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir das Martinszentrum besucht.
Di, 19.05.2015, 11.40 Uhr

In der 4. Folge unserer Serie "Das isst der Pott" haben wir das Martinszentrum besucht.

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Im Kochkurs lernen Bedürftige, sich gesund und günstig zu ernähren. Chef Klaus zeigt, wie man kocht. Für unsere Kochserie gab’s Deftiges.

Bottrop.. Kochkurse geben Lebenshilfe. Dieser Kurs gibt Überlebenshilfe. Im Winter kocht die evangelische Sozialberatung (ESB) seit 1993 im „Bottroper Restaurant der Herzen“ täglich für bis zu 100 Bedürftige und Wohnungslose. Seit dem Frühjahr lässt die ESB kochen: Bedürftige und Wohnungslose lernen im Martinszentrum gesund und günstig kochen. Von Chef Klaus.

Seine Kochlehre hat Klaus im Grand Hotel Nürnberg absolviert, sich danach quer durch Süddeutschland gekocht und ist schließlich gelandet bei der Metro in Essen-Vogelheim. Dort hat er die Küche von Platz 43 im Konzernvergleich auf Platz 2 hochgeschossen. Und was sagte sein Chef dazu, ein Neffe des Unternehmensgründers Otto Beisheim? „Da ist noch Luft nach oben.“

Klaus tickt ganz anders. Er lobt, wo er nur kann. Absichtlich lässt er bei den dicken Bohnen den Pfeffer weg, damit beim Abschmecken einer der Kochschüler sagen kann: „Da fehlt Pfeffer!“ Woraufhin Klaus ihm feierlich die Hand schüttelt und ihn „Kollege“ nennt.

Den Anstoß zum Koch-Projekt lieferte Daniel. Er kam eines Tages zurück von der Essensausgabe der Bottroper Tafel, jede Menge Lauch und Weißkohl in der Tüte und Fragezeichen im Blick: „Was mache ich denn damit? Das kann ich doch alles in die Tonne hauen!“ Oder lernen, etwas damit zu kochen: Das war die Geburtsstunde der „Koch- und Ernährungsberatung“ der ESB: „Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen verfügen häufig weder über die Mittel noch über die Kompetenzen, sich gesund zu ernähren“, sagt Sozialarbeiterin Claudia Kretschmer. Deshalb bringt Chef Klaus seit April Bedürftigen, auch Teilnehmern aus dem Methadon-Programm, das Kalkulieren und das Kochen bei.

Für das Dicke-Bohnen-Rezept sind die Teilnehmer in drei Gruppen losgezogen und haben Preise verglichen. Hartz IV zu beziehen heißt, fürs Essen 4,72 Euro am Tag zur Verfügung zu haben. Deshalb war die Vorgabe: maximal 2,48 pro Portion. Ergebnis: 2,12 Euro für Dicke Bohnen, Speck, Kartoffeln, Mettwurst und Fruchtsalat.

Jetzt wird geschnippelt, und Chef Klaus zeigt, dass er auch schimpfen kann: „Wer hat denn diese Zwiebel vergewaltigt?“ Um dann geduldig noch mal zu zeigen, wie es richtig geht. „Und nicht vergessen zu rühren“, feuert er den Mann mit der großen Kelle am Bohnen-Topf an.

So lernen die Teilnehmer, sich günstig und gesund zu versorgen. Nicht alle kochen mit. Trotzdem sind sie herzlich eingeladen: Die Sozialberater freuen sich auch darüber, dass der Kurs den Menschen Struktur in ein unsortiertes Leben bringt. „Freitags“, sagen die Menschen jetzt, „kann ich nicht. Freitags muss ich kochen.“

Und so geht’s: Dicke Bohnen mit Speck

Die Zutaten (für vier Personen)

2 Gläser dicke Bohnen
100 g Speck, durchwachsen
500 g Kartoffeln
4 Mettwürstchen
2 mittlere Zwiebeln
Petersilie, Bohnenkraut, Mehl

Die Bohnen abtropfen lassen und das Wasser auffangen. Speck und Zwiebeln in Würfel schneiden. Erst den Speck in einen Topf geben, anbraten und dann die Zwiebeln dazu geben. Mit Mehl bestäuben, gut umrühren und mit dem Bohnenwasser auffüllen.Unter ständigem Rühren durchkochen lassen und ggf. nachschmecken. Die Kartoffeln garen, abschütten und die Petersilie unterheben. Die Mettwürstchen in heißem Salzwasser garen.

Für den Fruchtsalat (Zutaten für 4 Personen) 1 Apfel, 1 Birne, 1 Banane, 1 Kiwi und 250g Erdbeeren bst waschen, schälen und entkernen, in kleine Stücke bzw. Scheiben schneiden und mit frischer Zitrone beträufeln. Mit Natreen oder Zucker abschmecken.

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