Das Hospiz in Bottrop – ein Haus des Lebens

Zeit und ungeteilte Zuwendung: Für die stellv. Leiterin Bettina Alkemper - hier am Bett von Frau  K. - ein wichtiger Aspekt der Hospizarbeit.
Zeit und ungeteilte Zuwendung: Für die stellv. Leiterin Bettina Alkemper - hier am Bett von Frau K. - ein wichtiger Aspekt der Hospizarbeit.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Seit knapp vier Monaten nimmt das neue Bottroper Hospiz Gäste auf. Der Besuch bei einer 63-jährigen Krebspatientin öffnet den Blick für die Arbeit des Hauses

Bottrop..  Das neue Hospiz an der Osterfelder Straße ist komplett belegt. Aber vier Monate nach der Eröffnung des in der Stadt lange erwarteten Hauses wissen Mitarbeiter und Bewohner, dass sich das täglich ändern kann. Auf dem Weg ins Obergeschoss zu Frau K. - die seit drei Wochen im Hospiz wohnt und, wenn auch ohne ihren vollen Namen nennen zu wollen, über ihre Entscheidung für das Hospiz sprechen möchte - brennt eine Kerze. So eben verstarb ein älterer Mann, dessen Angehörige gerade einmal im neu angelegten Garten durchatmen wollen.

Die Geschichte des Hauses verfolgt

Die Türen im Erdgeschoss stehen offen. Die Atmosphäre ist freundlich-entspannt, von hektischer Betriebsamkeit, wie man sie von Krankenhäusern oder Seniorenheimen kennt, keine Spur. Gerade wird irgendwo Essen zubereitet. „Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Gäste, die wir bewusst nicht Patienten nennen“, sagt Hospizleiter Christoph Voegelin.

Frau K. (63) gehört inzwischen zu den längeren Gästen. Vor einem Jahr brach ihre Krebskrankheit aus. Seither kämpft sie gegen einen Tumor. Wer im Hospiz ist, weiß, dass der Kampf im Grunde verloren ist, wenn kein Wunder geschieht. „Dem muss man sich stellen, aber ich bin heilfroh, dass ich hier sein darf“, sagt Krau K. - und das nimmt man ihr sofort ab. Auch ihr Ehemann pflichtet bei: „Für mich und unsere Tochter ist es ein beruhigendes Gefühl, dass meine Frau hier sein kann.“ Es sei kein Todeshaus, auch wenn die Menschen bis auf wenige Ausnahmen, nie mehr nach Hause kommen.

„Für mich ist es ein Haus des Lebens, ich nehme hier am Leben teil, spüre, dass ich noch dazugehöre und keine Nummer bin. Wir haben sogar den Geburtstag meines Mannes hier feiern können, mit Gästen uns allem drum und dran.“ Frau K. wirkt gelöst, entspannt. Natürlich, die Krankheit lässt sich nicht verdrängen, mit all ihren unangenehmen Erscheinungen. Aber die Atmosphäre, die Betreuung durch Personal, die Ehrenamtlichen oder die Seelsorgerin ist so, dass wir uns aufgehoben fühlen. „Kürzlich hatten wir ein langes Gespräch mit Schwester Beate, es war intensiv, aufbauend, wir haben gar nicht gemerkt, dass sie eine katholische Ordensfrau ist, dabei sind wir sogar konfessionslos“, lacht Frau K.

Das Ehepaar hatte sich schon lange mit dem Hospizgedanken auseinander gesetzt und auch die Entstehungsgeschichte des Bottroper Hauses stets verfolgt. Das war lange, bevor beide überhaupt an Krankheit dachten. „Und jetzt bin ich hier und wünsche mir, dass der Hospizgedanke immer weiter um sich greifen würde, denn nicht jeder kann umsorgt zu Hause sterben und meistens sind selbst die intaktesten Familien mit dieser Aufgabe letztlich überfordert.“

Frau K. blickt vom Bett aus in die großen Bäume des Gartens - sie haben den Sturm wie durch ein Wunder überstanden. Gegenüber sitzt ihr Mann. Ja, es ist friedlich hier. Aber das kann sich schlagartig ändern. Denn Besuch hat Frau K. oft. „Freunde und Bekannte sind positiv überrascht und kommen oft, denn sie wissen, dass sie hier auch willkommen sind“ - auch wenn wieder einmal die Kerze beim Treppenaufgang brennt...

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