Das Gesundheitsamt kontrolliert die Hygiene

Informieren über Hygiene: Gesundheitsamtsleiter Dr. Christian Marga und die Hygienekontrollerinnen Ursula Grote (r.) und Tanja Becker.
Informieren über Hygiene: Gesundheitsamtsleiter Dr. Christian Marga und die Hygienekontrollerinnen Ursula Grote (r.) und Tanja Becker.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
„Seuchenwohnungen“ fallen ebenso in die Zuständigkeit wie meldepflichtige Erkrankungen. Eine weitere Ausbreitung soll auf jeden Fall verhindert werden

Bottrop..  Dies ist die Jahreszeit, in der manche Hygieneprobleme buchstäblich anrüchig werden. Weil der Gestank aus einer Wohnung des Mehrfamilienhauses unerträglich wird, greifen Nachbarn zum Telefon und alarmieren die Stadt oder die Polizei. Die schalten das Gesundheitsamt ein, das dann wiederum Hygienekontrolleure wie Ursula Grote und Tanja Becker, die hier gerade ihr Praktikum macht, losschickt, um in der gemeldeten Wohnung mal nach dem Rechten sehen.

„Seuchenwohnung“ heißen diese versifften, vermüllten und manchmal total verschmutzen Bleiben, bei den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes. Sie dürfen Zutritt zu diesen Wohnungen verlangen, weil von ihnen eine Gefahr für alle anderen Mieter des Hauses ausgeht. Seuchenwohnungen werden gar nicht mal so selten gemeldet: „Wir haben 40 bis 50 Fälle im Jahr“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Christian Marga. „Damit liegen wir im Durchschnitt.“ Und die Seuchenwohnungen sind beileibe nicht nur in „einschlägigen“ Vierteln zu finden, sondern in allen Teilen der Stadt.

Menschliche Tragödien

Da hinter verbergen sich in der Regel menschliche Tragödien, die von völliger Vereinsamung, totaler Isolation, zuviel Alkohol, Demenz und psychiatrischen Erkrankungen sprechen. „Dann ist es nicht damit getan, den Leuten zu sagen, sie müssen die Wohnung in Ordnung bringen“, sagt Ursula Grote. Stattdessen schaltet sie andere Dienste der Stadt ein, die sich um die Menschen kümmern und entscheiden müssen, ob diese noch in der Lage sind, alleine zu leben. Doch die Seuchenwohnungen machen nur einen kleinen Teil der Arbeit aus.

Tagesgeschäft der Hygienekontrolleure sind meldepflichtige Erkrankungen wie Salmonellen, Campylobacter oder Norovirus, die Durchfall hervorrufen, auch Läuse und Krätze oder Kinderkrankheiten wie Windpocken, Röteln und besonders Masern. „Masern sind für uns ein hygienischer Notfall“, erklärt Dr. Marga. Treten sie gehäuft auf, ruft das alle Mitarbeiter auf den Plan, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Impfungen werden kontrolliert, Nichtgeimpfte müssen dann erst einmal zu Hause bleiben.

Meldepflichtige Krankheiten

Meldepflichtig sind diese Erkrankungen – rund 60 kommen da wohl zusammen – nach dem Infektionsschutzgesetz, das früher „Bundesseuchengesetz“ hieß. Etwa 98 Prozent der Fälle werden direkt von dem Labor gemeldet, das die vom Arzt eingereichten Stuhl- oder Blutproben untersucht und die ansteckenden Viren oder Bakterien festgestellt hat. Das Gesundheitsamt ruft die Erkrankten an, spricht mit ihnen über die notwendige Hygiene, damit sie niemanden anstecken und fragt nach, wo sie selber sich angesteckt haben könnten. Besonders wichtig sind diese Maßnahmen, wenn diese Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen, Kindertagesstätten oder Schulen auftreten.

„Wir sind nicht die Gesundheitspolizei“, stellt Dr. Marga klar. Sein etwa 50-köpfiges Team (auf 35 Vollzeitstellen) ist dem Gesundheitsschutz der Bottroper verpflichtet und sieht sich als Ergänzung zum gesamten Systems. „Wir ziehen an einem Strang mit den niedergelassenen Ärzten.“

Kellner und Köche müssen zum Belehrungskurs

Eine weitere wichtige Aufgabe der Hygienekontrolleure im Gesundheitsamt ist die Belehrung aller Mitarbeiter in der Gastronomie oder im Einzelhandel, die etwas mit Lebensmitteln zu tun haben. 1800 bis 2000 Personen besuchen jedes Jahr die Schulungen des Gesundheitsamtes.

Das gilt sowohl für die Köchin im Altenheim wie für die Verkäuferin im Supermarkt oder den Studenten, der im Café die Kunden bedient. Die Schulung liefert ihnen alle wichtigen Infos in Sachen Hygiene. Diese Belehrung hat das alte Gesundheitszeugnis abgelöst, das früher jeder Mitarbeiter vorlegen musste. Alle zwei Jahre sind neue Schulungen fällig, zuständig ist dann immer der Arbeitgeber.

Ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet ist die Kontrolle des Trinkwassers. Hier arbeitet das Gesundheitsamt eng mit dem örtlichen Wasserversorger RWW zusammen. Ein besonderer Fall sind die privaten Brunnen, von denen es in Bottrop nur wenige, in Kirchhellen noch über 600 gibt. Hier muss regelmäßig die Einhaltung der Grenzwerte kontrolliert werden.

Fünf Mitarbeiter umfasst die Hygieneabteilung im Gesundheitsamt. Tanja Becker ist hier zur Ausbildung und absolviert gerade ihr Praktikum. Sie ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, lernt nun die verschiedenen Arbeitsbereiche des Gesundheitsamtes in der Praxis kennen, büffelt Theorie in einer Akademie und muss am Ende eine Prüfung ablegen.

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