Busfahrer der Vestischen lernen von Behinderten

Rollstuhlfahrer Bruno Woznitza erklärte Fahrern der Vestischen, welche Probleme Menschen mit Behinderungen beim Busfahren haben.
Rollstuhlfahrer Bruno Woznitza erklärte Fahrern der Vestischen, welche Probleme Menschen mit Behinderungen beim Busfahren haben.
Foto: WAZ FotoPool
Die Vestische sensibilisiert für Probleme im Personennahverkehr. Beschwerden über Vorfälle haben in Bottrop nach einer Unterweisung abgenommen.

Bottrop..  „Schüttellähmung? Das ist alter Volksmund. Viel schlimmer bei Parkinson ist das ‚Freezing‘“, berichtet Rolf Scheier von der Bottroper Regionalgruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung den Busfahrern der Vestischen. Wie können sie dann helfen? Denn es geht erst einmal nichts mehr, wenn der Parkinson-Fahrgast vor dem Bus „wie eingefroren“ dasteht und keinen Schritt gehen kann. Rolf Scheier kennt da aber einen Trick.

„Unterweisung“ heißt das technisch-kühl, was da in der Hertener Fahrzeughalle der Vestischen abläuft. Tatsächlich ist das viel mehr: Die Vestische sensibilisiert ihre Fahrerinnen und Fahrer für die Probleme von Menschen mit Behinderungen: sei es von Parkinsonkranken, Blinden, Sehbehinderten oder Menschen im Rollstuhl. „Wir haben bereits im Bottroper Betriebshof diese Unterweisungen durchgeführt“, berichtet Michael Paus, der Abteilungsleiter Fahrbetrieb. Und danach habe die Zahl der Beschwerden von Menschen mit Behinderungen über Vorfälle aus dem Fahrbetrieb stark abgenommen.

Insgesamt 650 Busfahrerinnen und -fahrer lernen von Betroffenen, sprechen mit ihnen über Probleme. Und sie bekommen Tipps, um helfen zu können. Wie von Scheier, wenn der Fahrgast durch die Blockade nicht einsteigen kann: Dann sollte der Fahrer dem Betroffenen ein Bein vor die Füße stellen und ihm mit leichtem Handdruck an dessen Schulter zum Gehen auffordern. Das Bein des Fahrers ist im Weg, das löst einen Reflex aus, der die Blockade im Gehirn aufhebe. „Ja, wie kann ich aber vorne am Steuer erkennen, dass es sich um einen Parkinsonkranken handelt?“ Scheier nimmt den Vorschlag auf, will sich bei der Parkinson-Vereinigung dafür einsetzen, dass es eine Kennzeichnung gibt.

Einen Bus weiter berichtet Cornelia Tollkamp-Schierjott vom Blindenverein Recklinghausen, welche Probleme Blinde und Sehbehinderte haben, an der Haltestelle den richtigen Bus erkennen zu können. „Blinde sind meistens am Langstock erkennbar, aber die vielen Sehbehinderten eben nicht“, sagt die Recklinghäuserin. „Reden, reden, reden“ helfe nicht nur den Blinden, sondern den Busfahrern.

Und auch am dritten Bus diskutieren die Fahrer eifrig – hier mit Bruno Woznitza vom Dachverband der Behinderten aus Bottrop. Der Rollstuhlfahrer gibt Hinweise, wie man die Rampe des Busses besser ausklappen kann, damit der Rollstuhlfahrer bei Regen eben nicht vollgespritzt wird. Wie ihm der Busfahrer helfen kann, wie schwere Elektro-Rollstühle am besten im Bus gesichert werden, auch das sind wichtige Themen.

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