Bottroper Tafel schmiert Schnittchen für Schüler

Denise Menke und Ilona Cicha (v.l.) produzieren jeden Morgen rund 200 Portionen Pausenbrot und Obst für Bottroper Grundschüler.
Denise Menke und Ilona Cicha (v.l.) produzieren jeden Morgen rund 200 Portionen Pausenbrot und Obst für Bottroper Grundschüler.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Elf Bottroper Grundschulen werden mit Pausenbrot und Obst versorgt. Für alle Kinder, die ohne Essen zur Schule kommen.

Bottrop.  Es sieht sehr appetitlich aus, was sich da auf den verschiedenfarbigen Tabletts stapelt. Schnittchen mit Käse, mit Salami und Schinkenwurst aus Geflügel, dazu Obst und Gemüse, in mundgerechte Stücke geschnitten. Es ist acht Uhr am Morgen und schon seit 6.30 Uhr in der Frühe sind Denise Menke und Ilona Cicha mit Schnittchenschmieren beschäftigt. Pünktlich zur großen Pause werden die Tabletts in den Grundschulen sein, wo schon zahlreiche hungrige Kinder auf die Stärkung warten.

Knapp über 200 Portionen produzieren die beiden Frauen täglich in den Kellerräumen an der Grundschule Welheim. Sie arbeiten für die Bottroper Tafel und versorgen Schüler von elf Bottroper Grundschulen mit Pausenbroten. Während die beiden Frauen Stullen schmieren und Obst schnibbeln, bringen zwei Fahrer die Tabletts zu den Schulen.

Fahrer bringen Tabletts zu den Schulen

Die erste Fuhre ist bereits unterwegs. Markus Landkocz, der einzige mit einem Full-Time-Job bei der Tafel, umwickelt die letzten Tabletts vor der Auslieferung sorgfältig mit Folie. Sein Tag hat schon um 4 Uhr begonnen, erst mit den Hunden Gassi gehen, dann das frische Brot beim Bäcker abholen.

Einmal in der Woche kauft er in einem türkischen Laden (schweinefleischfreien) Aufschnitt und Obst ein. Nach der Schicht in der Schule geht es für ihn bei der Tafel weiter. Für seine Kolleginnen, 1,50-Euro-Jobberinnen, ist nach vier Stunden Feierabend. Nach einer kurzen Frühstückspause müssen sie noch die Küche im Keller der Schule auf Vordermann bringen.

„Es würden gerne noch mehr Schulen teilnehmen“, verrät der Tafelvorsitzende Dieter Kruse. „Wir machen das seit 2008, erst waren es nur einige wenige Schulen, dann wurden es immer mehr, bis der Haushalt der Stadt gedeckelt wurde“, erklärt er.

Pausenbrot ist kostenlos

Begonnen wurde mit dem Schulfrühstück, weil so viele Kinder ohne Frühstück zur Schule kamen. Und weil das nicht gesund ist und der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit der Kinder schadet, beschloss der Schulausschuss das Projekt. „Manche sagen ja, wir stärken die Faulheit der Eltern“, merkt Dieter Kruse kritisch an. „Aber was können die Kinder dazu?“ Natürlich könnten alle Eltern ihren Kindern morgens eine Schnitte schmieren: „Das ist eine Frage der Bequemlichkeit.“

Für die Kinder ist das Pausenfrühstück kostenlos. Die Stadt gibt dazu die Gelder, die Anfang 2008 frei wurden, als das Land sich mit dem Härtefallfonds „Alle Kinder essen mit“ am Mittagessen in den OGS beteiligte, erklärt Nadine Granow-Keysers, die zuständige Abteilungsleiterin im Rathaus.

Die Schulen melden der Tafel in jedem Schuljahr die Zahl der teilnehmenden Schüler und sorgen auch selber für die Verteilung der Pausenbrote.