Bottroper Student radelt mit dem Einrad über die Alpen

Gemeinsam mit zwei befreundeten Einrad-Fahrern ist der Bottroper Student Lutz Eichholz über die Alpen geradelt. Foto: privat
Gemeinsam mit zwei befreundeten Einrad-Fahrern ist der Bottroper Student Lutz Eichholz über die Alpen geradelt. Foto: privat

Bottrop.. Einen einzigen (Teil-)Kontinent hat das Einrad von Lutz Eichholz noch nicht erfahren: Südamerika. Das könnte noch ein Ziel für den Extremsportler sein. Sein jüngstes Projekt hat der Bottroper gerade hinter sich gebracht: Eine Fahrt mit dem Einrad über die Alpen.

Den „Vorlauf“ wagte Lutz Eichholz im vergangenen Jahr: Da ist der 25-jährige mit dem Einrad über die Zugspitze gefahren. Deutschlands höchsten Berg hat er binnen zwei Tagen erklommen, aus Richtung Österreich nach Garmisch-Partenkirchen. In diesem Sommer sollte es eine Spur „größer“ werden, wie Lutz Eichholz nach der Rückkehr erzählt: einmal über die Alpen, 200 Kilometer, 10.000 Höhenmeter, an sieben Tagen. Eine Herausforderung: „Körperlich sind wir an unsere Grenzen gegangen“, erzählt Eichholz, der die (Tor-)Tour mit einer Mitstreiterin aus Berlin und einem Einradfahrer aus Österreich auf sich genommen hat.

Zwei Drittel bis drei Viertel ihrer Zehn- bis 13-Stunden-Tage verbringen sie auf dem Rad, erzählt Eichholz. Alle zwei Stunden folgt ein kurzes Päuschen. Wer sein Einrad liebt, der schiebt allenfalls die letzten paar Meter bis zum Gipfel, weil es nicht mehr geht. Oder an Stellen, an denen es den dreien mit beiden Füßen auf dem Boden doch wohler ist. Am Tag, als die Gruppe die Strecke vom Timmelsjoch in Österreich zum Eisjöchl in Italien in Angriff nimmt, fahren sie ihre „Todesetappe“, sagt Eichholz: 2500 Höhenmeter, balancieren am Grad. Durch Regen und Schnee. Am Ende des Tages in der Dämmerung die Ankunft in der Stettiner Hütte auf 2870 Metern. Und die Blicke der Wanderer in der Hütte, als drei durchnässte Einradfahrer im Hochgebirge um Unterkunft ersuchen.

„Jeder hat mal seinen Tiefpunkt“

Die Gruppe schweißt zusammen: „Jeder hat mal seinen Tiefpunkt“, erzählt Eichholz, „aber eben nicht alle gleichzeitig.“ Und doch: Der innere Schweinehund jault immer mal wieder auf. Eichholz erinnert sich an die Momente, wo er sich fragt: „Warum bin ich hier?“ Zum Beispiel, wenn die Kleidung am Morgen mal wieder noch klamm ist. Oder wenn 1000 Höhenmeter Abfahrt die Oberschenkel müde machen. Dreimal stürzt Eichholz, knallt einmal mit dem Kopf vor einen Zaun. Der Helm verhindert Schlimmeres. Das Equipment hält sich tapfer: Eine Speiche reißt am Rad, zwei defekte Bremsen muss der 25-Jährige reparieren. Immerhin: Keinen Plattten. „In den Bergen sind zum Glück wenig Scherben“, scherzt Eichholz.

Im Jahr 2000 ist Eichholz bei Adler 07 zum Einradfahren gekommen und war „sofort fasziniert“: „Das Besondere ist, dass es keine Pausen gibt. Man kann seine Gedanken nie schweifen lassen.“ Die Balance erfordert höchste und ständige Konzentration. Eichholz, der in Kaiserslautern Raum- und Umweltplanung studiert und der kurz vor der Diplom-Arbeit steht, trainiert täglich. Wenn er in der Heimat ist, gerne auch auf den Halden des Ruhrgebiets oder im Landschaftspark Duisburg-Nord. Aber Grenzen gibt es für Eichholz auf dem Einrad schon längst nicht mehr. Bei „Wetten, dass...?“ ist er schon aufgetreten. Seine Wette: Mit dem Einrad von Mülltonne zu Mülltonne zu springen. Zehn an der Zahl. Bei sieben hat der 25-jährige „gerissen“. Dafür hat er die gleiche Wette beim chinesischen Pendant von „Wetten, dass...?“ bestanden. Im September wird Eichholz auf Einladung eines Sponsors nach Israel fahren, um dort seinen Guinness-Rekord zu verbessern. Ziel: Die Fahrt mit dem Einrad über 144 am Boden fixierte, stehende Flaschen. Es muss ja nicht gleich wieder extrem werden: „Bis zum nächsten Sommer habe ich erstmal die Schnauze voll“, dachte sich Eichholz bei der Rückkehr aus den Alpen. Und doch schmiedet er vage Pläne: „Die Rocky Mountains sind eine Überlegung wert. Und die Dolomiten.“ Und das mit Südamerika wird Eichholz’ Einrad auch noch schaffen.

 
 

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