Bottroper sollen mehr Fahrrad fahren - dem Klima zuliebe

Die meisten Fahren, die die Bottroper zurücklegen, spielen sich im Stadtgebiet ab. Auch das hat die Befragung ergeben.
Die meisten Fahren, die die Bottroper zurücklegen, spielen sich im Stadtgebiet ab. Auch das hat die Befragung ergeben.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Die Bottroper nutzen für kurze Strecken häufig den Wagen. Das hat eine Haushaltsbefragung zum Thema Mobilität ergeben. Sehr umweltfreundlich ist das nicht. Experten haben ein Konzept entwickelt, den Verkehr klimaschoneneder abzuwickeln. Es umfasst 25 Maßnahmen, die nun überprüft werden sollen.

Bottrop.  Ein Großteil der Strecken innerhalb der Stadt wird mit dem Auto zurückgelegt. Dabei sind die innerstädtischen Wege, für die die Bottroper ins Auto steigen, im Schnitt gerade einmal 2,5 Kilometer lang. Das ist ein Ergebnis einer Haushaltsbefragung zum Thema Mobilität. Die hat auch ergeben, dass ein Großteil der Fahrten, die die Bottroper zurücklegen – egal mit welchem Verkehrsmittel – innerhalb der Stadtgrenzen bleibt. 69 Prozent macht dieser „Binnenverkehr“ aus.

Anhand der Ergebnisse der Befragung soll nun ein Konzept entstehen, den Verkehr in Bottrop klimagerechter abzuwickeln. Ziel soll es sein, die Bürger zum Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel, vor allem das Fahrrad oder die eigenen Beine zu bewegen.

Ein externes Büro hat Maßnahmen entwickelt, Bürger in den Mobilitätswerkstätten ebenfalls. Daraus wurden nun 25 ausgewählt, darunter auch kontrovers diskutierte Ideen wie Tempo 30 auf Hauptstraßen oder der Rückbau vierspuriger Straßen. Sie sollen weiter verfolgt werden. Und es soll in der Theorie überprüft werden, was die einzelnen Maßnahmen bringen. Nicht alles, was jetzt in diesem „Klimaschutzteilkonzept Mobilität“ steht, wird am Ende umgesetzt. Zudem handle es sich um einen Prozess über Jahre, so Natascha Dietz, Abteilungsleiterin beim Planungsamt.

Hier sind die ersten 13 Punkte, die es ins Konzept geschafft haben (die weiteren stellen wir später noch vor).

Programm zur Fußgängerfreundlichen Anpassung der Ampelschaltung

Aktuell, so sagt es Natascha Dietz, gebe es Ampelanlagen mit „sehr hohen Wartezeiten für Fußgänger“. Teilweise müssten sie auf den Mittelinseln noch einmal warten. Im Zuge einer möglichen Umsetzung müsse geprüft werden, an welchen Ampeln sich die Schaltung für Fußgänger optimieren lassen. Das, so Dietz, könne durchaus auch zu Lasten des Pkw-Verkehrs gehen. Denn der werde bei der Verkehrsabwicklung innerhalb der Stadt aktuell bevorzugt.

Programm zur Optimierung von Querungsstellen

Das klingt schrecklich bürokratisch, bedeutet aber letztlich, dass man sich sämtliche Stellen, an denen Fußgänger Fahrbahnen überqueren, anschaut und prüft, wie sie zu verbessern sind. Es kommen Überlegungen hinzu, wo zusätzliche Fußgängerampeln, Zebrastreifen oder Verkehrsinseln nötig sind. Zu letzteren fällt Natascha Dietz ein, dass es im Stadtgebiet sogar Mittelinseln gibt, die für ein Fahrrad eigentlich zu schmal sind.

Grüne Welle für Radfahrer

Ein schwieriges Thema, das wissen auch Natascha Dietz und Thomas Leuker vom Planungsamt. Natürlich würde eine solche Schaltung den Umstieg aufs Fahrrad attraktiver machen, doch wie eine grüne Welle umgesetzt werden kann, ist unklar. „Autos fahren alle in einer Geschwindigkeit, bei Radfahrern ist das anders“, sagt Leuker. Hinzu komme die genannte grundsätzliche Schwierigkeit bei Eingriffen in die Ampelsteuerung. Die Planer des externen Büros bringen Wettersensoren für diese Art der Steuerung ins Spiel, ohne allerdings zum jetzigen Zeitpunkt konkreter zu werden.

Intensivierung von Radwegeerhaltung und Reinigung

Der Zustand der Radwege stößt manchem Bürger sauer auf. Auch die Experten betonen die Bedeutung gepflegter Wege. Das Problem ist die Kassenlage der Stadt. Natascha Dietz zieht die Verbindung: „Je mehr Geld man investiert, umso besser der Zustand.“ Doch aktuell sei es eine Frage der Personalkapazität.

Mehr Sicherheit und Qualität für den Radverkehr auf Hauptrouten

Beim Neubau von Straßen verlaufen die Radwege auf der Fahrbahn und damit im Sichtbereich der Autofahrer, wie es auch der ADFC bevorzugt. Doch das ist nicht überall an den Hauptstraßen der Fall. Dort verläuft mancher Radweg auf dem Bürgersteig. Gerade an Kreuzungen könne man versuchen, den Radweg in den Fahrbahnbereich zu leiten, damit Radfahrer nicht von parkenden Autos verdeckt werden, so Dietz.

Ergänzung des Radwegenetzes durch Markierungslösungen

Dort, wo es bisher keine Radwege gibt, könnten Schutzstreifen eingezeichnet werden. Als Lösung für „Sammelstraßen“ bezeichnet Natascha Dietz das – im Gegensatz zu den Hauptverkehrsstraßen. Im Konzept werden etwa die Birken- und die Lindhorststraße genannt.

Programm zum Ausbau öffentlicher Radabstellanlagen

Die Anzahl und die Qualität von Fahrradständern soll verbessert werden. Zum Beispiel auch an Haltestellen, um die Kombination von Bus und Rad zu ermöglichen.

Systematischer Einsatz von Fahrradstraßen

Solche Straßen sind Radfahrern vorbehalten, können aber für Pkw freigegeben werden, etwa für Anlieger. Radfahrer haben Vorrang, dürfen auch nebeneinander fahren. Doch für eine Umwandlung in eine Fahrradstraße müsste das Fahrrad dort „vorherrschendes Verkehrsmittel“ sein. Und das Straßenverkehrsamt verlange eine Verkehrszählung.

Verbesserung und Ausweitung der Bike & Ride-Anlagen.

So soll der Umstieg vom Fahrrad auf die Bahn erleichtert werden. Auch in der Boy und in Feldhausen. Boxen könnten aufgestellt werden, in denen Fahrräder sicher stehen, zusätzlich zu klassischen Abstellmöglichkeiten für diejenigen, die solche Plätze nicht mieten wollen.

Programm zur Standardisierung von Einmündungsbereichen

Auto- und Radfahrer sollen sich an Kreuzungsbereiche gewöhnen. Die Experten schlagen das flächendeckende Rotfärben der Radwege vor.

Umnutzung mehrspuriger Straßen

Dahinter verbirgt sich die Idee, den Straßenraum neu aufzuteilen – zugunsten von Radfahrern und Fußgängern. Dafür könnten dann auch Autospuren geopfert werden. Für denkbar halten die Experten so etwas an der Gladbecker Straße. Sie würden die dann wegfallende Spur am liebsten nur für Busse und Fahrräder freigeben. Auch Natascha Dietz hält die Reduzierung um eine Spur für erstrebenswert. Zurückhaltender gibt sie sich bei der Bus- und Fahrradspur. Aktuell ist eine Spur dort meist zugeparkt. Würde man die in einen Parkstreifen umwandeln, gebe es mehr Platz für einen ordentlichen Radfahrstreifen und einen breiteren Gehweg, sagt Dietz. Denn so ein Parkstreifen sei schmaler als eine Fahrspur. „Aus verkehrsplanerischer Sicht müsste man an die Gladbecker Straße dran“, sagt Natascha Dietz. Auch der Südring sei eine Straße, bei der so etwas möglich wäre. Dass es funktioniert, sehe man am Beispiel der Hans-Böckler-Straße im Abschnitt zwischen Eichen - und Oberhausener Straße.

Einführung von Tempo 30 auf Teilen des Hauptstraßennetzes

Das sei ein „relativ umfangreicher Punkt“, urteilen Leuker und Dietz. „Das ist straßenverkehrsrechtlich nicht ganz einfach.“ Denn Tempo 30 dürfe nur aus konkreten Gründen, etwa Lärmschutz oder zum Schutz von Schülern an Hauptstraßen angeordnet werden. Problematisch werde es auch bei der L631 – also der Friedrich-Ebert-Straße. Dort könne die Stadt so etwas nur in dem Bereich anordnen, in dem sie Straßenbaulastträger ist. Das gilt nur für das Stück zwischen A 42 und dem „rotem Pferd“. Insofern relativieren die Planer diesen Punkt bereits.

Erschließung der südlichen Gewerbegebiete und Entlastung von Ebel und Welheimer Mark

Da greift das Konzept vorhandene Wünsche auf. Doch es bleibt die Problematik der Anbindung der Gewerbegebiete, etwa durch einen Autobahnanschluss am Lichtenhorst. Entsprechende Pläne gibt es, mit der Umsetzung hapert es. Zudem gibt es im Süden der Stadt viele Einschränkungen für Lkw, etwa durch Brücken.

 
 

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