Bottroper Schüler erkunden die Neurologie

Oberarzt Thomas Lunke
Oberarzt Thomas Lunke
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Bio-Grundkurs des Josef-Albers-Gymnasiums misst im Bottroper Knappschaftskrankenhaus Hirnströme und die Wege, die Reize übers Nervensystem zurücklegen.

Bottrop..  Als Freiwilliger hat man’s nicht leicht. Gerade wurden Daniel (18) zwei feine Nadeln auf den Kopf gesetzt („Ich habe gar nichts gespürt!“) und Kabel angeschlossen, nun wird seine Hand einem ansteigenden Stromreiz ausgesetzt. Sein Daumen beginnt unkontrolliert zu wackeln, auf einem Monitor erscheint eine grüne Messkurve – und eine Hand voll Mitschüler sieht ganz genau zu. Bei einem Besuch in der Neurologie des Knappschaftskrankenhauses lernen die angehenden Abiturienten aus dem Bio-Grundkurs am Josef-Albers-Gymnasium verschiedene Messmethoden kennen – ganz praktisch und teils eben am eigenen Leib.

In Daniels Fall wird geschaut, wie lange der Reiz braucht, um über den Arm und die Wirbelsäule ins Gehirn zu gelangen. Die Messkurven verraten den geschulten Medizinern, ob der Weg irgendwo gestört wird. „Bei welchen Patienten wird diese Messung normalerweise gemacht“, hatte der verkabelte 18-Jährige kurz vor Messbeginn noch nachgefragt. „Bei Multiple Sklerose zum Beispiel, bei Polyneuropathie oder auch bei Taubheitsgefühlen“, erläutert Assistenzärztin Julia Schwermann. Später versichert sie ihrem Probanden: „Alles ok bei dir!“

Spannend finden die insgesamt rund 20 Schüler, die unter der Leitung von Bio-Lehrerin Viola den Elzen-Rump in drei Gruppen in der Neurologischen Ambulanz unterwegs sind, die Stippvisite in die Praxis. Im Unterricht hatten sie u.a. über den Aufbau der Nervenzellen gesprochen, über Reizweiterleitung. Nun erfahren sie, wie man Zellaktivität messen kann. „Ich finde gut, einen Realitätsbezug zu den Themen, die man im Unterricht behandelt, zu bekommen“, sagt Carolin (18). Ein Mitschüler will sogar selbst Neurologe werden.

Bevor sich die jungen Leute den Messmethoden widmeten – sie befassten sich auch mit der Messung von Gehirnströmen per EEG und der Nervenleitgeschwindigkeit – hatte Chefarzt Dr. Reinhold Dux sie im Reha-Zentrum begrüßt. Die Regeln, die bei Facebook für die Kommunikation untereinander gelten, könne man aufs Gehirn übertragen, sagte er: „So wie im sozialen Netzwerk Menschen miteinander vernetzt sind, sind auch die Gehirnzellen miteinander vernetzt.“ Die einzelne Gehirnzelle – und davon gebe es immerhin hundert Milliarden in einem Gehirn – könne nichts schaffen. Sie bedarf der Vernetzung mit ihren jeweils 10 000 Kommunikationspartnern. Täglich sterben 100 000 Zellen ab – „aber erst ab 45 Jahren“, so der Chefarzt. Da können die Schüler ja nächste Woche beruhigt ihre Klausur zum Thema schreiben.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel