Bottroper hat die Bufdi-Zeit bei der Berufswahl geholfen

„Bufdi“ Oskar Hautkappe geht mit Claudia Kretschmer die Unterlagen in der Evangelischen Sozialberatung Bottrop durch.
„Bufdi“ Oskar Hautkappe geht mit Claudia Kretschmer die Unterlagen in der Evangelischen Sozialberatung Bottrop durch.
Foto: Michael Korte
Oskar Hautkappe arbeitet im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) bei der Evangelischen Sozialberatung in Bottrop. Diese bietet Bewerbern jetzt zwei Stellen an.

Oskar Hautkappe ist mit seinen 19 Jahren noch ein sehr junger Mann. Der Blick auf das Leben mit all seinen Überraschungen ist für Jugendliche dieses Alters noch vergleichsweise klar. Doch Oskar Hautkappe hat trotz seines jungen Alters bereits auch Schattierungen des Lebens wahrgenommen, die selbst viele Erwachsene nicht kennen. Der junge Bottroper ist seit knapp einem Jahr „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienst) bei der Evangelischen Sozialberatung. „Ich habe hier Menschen kennengelernt, mit denen Leute aus der Mittelschicht sonst kaum zusammentreffen“, sagt er. Und was ihn vor allem begeistert: „Sie haben alle etwas erlebt.“ Er lerne Lebensmodelle kennen, von denen er vorher nicht einmal gewusst habe.

Raus aus dem Hotel Mama

Zum Bundesfreiwilligendienst ist er gekommen, wie viele andere junge Leute, die jetzt schon nach acht Jahren das Gymnasium verlassen: Er habe noch nicht so genau gewusst, welchen Berufsweg er einschlagen solle, erzählt er. Also entschied er sich zunächst für das Sozialpraktikum „Life Time“, dann für den Bufdi. Der bietet ihm nicht nur besondere Einblicke in einen Berufsbereich, sondern auch in besondere Lebensmodelle.

Bei der Arbeit ist er vor allem für die Konten der Klienten zuständig. Denn etliche Klienten, die von Wohnungsnot bedroht oder obdachlos sind, haben ihr Konto bei der ESB. Und sie dürfen von ihrem Geld (Arbeitslosengeld oder Lohn) nach Absprache bestimmte Geld-Beträge mitnehmen. Oskar Hautkappe ermöglicht ihnen, Einblick in alle Konten-Bewegungen zu nehmen. Aber er macht auch Einkäufe für die Zeit, in der die Suppenküche Kolüsch öffnet, oder begleitet Klienten zum Amt oder zum Arzt.

Für Claudia Kretschmer ist seine Arbeit unverzichtbar. Deshalb sucht sie auch einen Nachfolger oder Nachfolgerin für ihn zum 1. Juni. Zudem hat die ESB noch eine zweite Bufdi-Stelle: Dafür sucht sie einen Bewerber oder Bewerberin mit Führerschein. „Er soll Besorgungen für Klienten machen, vor allem in der Kolüsch-Saison den Einkauf und Transport übernehmen“, beschreibt sie die Aufgaben.

Aber die „Bufdis“, davon ist die Sozialarbeiterin überzeugt, helfen nicht nur der ESB, die jungen Leute profitierten selbst auch stark davon. „Es ist eine gute Gelegenheit für sich herauszufinden, was sie mit ihrem Leben machen möchten“, sagt sie. „Raus aus dem Hotel Mama und rein ins Leben“.

Oskar Hautkappe, auf den schon eine Lehrstelle zum Gesundheits- und Krankenpfleger wartet, genießt die Zeit bei der ESB. „Hier wird es nie langweilig.“

 
 

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