Bottroper Gruppe kämpft gegen Verjährung von sexuellem Missbrauch

„Verjährungsfristen aufheben!“ lautet die zentrale Forderung von „netzwerkB“ und vielen weiteren Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Ballons mit dieser Forderung werden auf den Info-Stand in Bottrop aufmerksam machen.
„Verjährungsfristen aufheben!“ lautet die zentrale Forderung von „netzwerkB“ und vielen weiteren Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Ballons mit dieser Forderung werden auf den Info-Stand in Bottrop aufmerksam machen.
Foto: WAZ FotoPool
Der Initiator der Selbsthilfegruppe für Männer, die als Jungen sexuell missbraucht wurden, geht mit seinem Anliegen nun an die breite Öffentlichkeit. Am 5. April will er in Bottrop mit Bürgern zum Thema "Aufhebung von Verjährungsfristen nach sexuellem Missbrauch" ins Gespräch kommen.

Bottrop. „Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter.“ Für die Selbsthilfegruppe für Männer, die als Jungen sexuell missbraucht wurden, ist dies ein zentraler Satz. Der Initiator der Selbsthilfegruppe (SHG) geht den Weg, den er mit der Gründung der Gruppe vor einem Jahr eingeschlagen hat, jetzt konsequent weiter, macht nun den Schritt in die breite Öffentlichkeit: An einem Info-Stand der SHG in der Innenstadt will der 47-Jährige erstmals am Samstag, 5. April, mit Passanten ins Gespräch kommen. Sein Thema ist die „Aufhebung von Verjährungsfristen nach sexuellem Missbrauch“. Und in der zweiten Jahreshälfte plant er ein Kunstprojekt rund um ein altes Transportfahrrad.

Als Erwachsener Anzeige erstattet

Aber der Reihe nach. Um Verjährungsfristen bei Sexualdelikten gibt es immer wieder Diskussionen. Aktuell setzen die strafrechtlichen Verjährungsfristen mit dem 21. Lebensjahr des Opfers ein. Eine Anhebung des Alters auf 30 Jahre steht im Raum. Für den Bottroper sowie viele andere Betroffene sexualisierter Gewalt ist das nicht ausreichend.

Er hat es selbst erlebt: Missbraucht als zwölfjähriger Messdiener von einem Kaplan, konnte er erst als Erwachsener über seine traumatisierenden Erlebnisse sprechen. Und als er soweit war, Anzeige zu erstatten, war der Missbrauch verjährt. Diese Nachricht war „wieder wie ein Schlag in die Magengrube“. Zusammen mit „netzwerkB“, dem Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt, das auch die Materialien für den Info-Stand liefert, unterstützt er daher die Forderung nach kompletter Abschaffung der Verjährungsfrist.

Gesetzt wird dabei auch auf einen Brief des heutigen Bundesjustizministers Heiko Maas, den der SPD-Politiker bereits vor vier Jahren an Norbert Denef von „netzwerkB“ schrieb. Darin heißt es u.a.: „Es darf einfach nicht sein, dass ein solches widerliches und grausames Verbrechen verjährt und die Täter ungeschoren davon kommen.“

Wobei der Bottroper betont: „Mir geht es nicht darum, meinen Täter zu verfolgen.“ Natürlich müssten die Täter bestraft werden. Aber mit der Aufhebung der Verjährungsfrist verbindet er auch das Ziel, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert.

Am Info-Stand soll auch noch einmal die SHG „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ vorgestellt werden, die sich speziell an Männer richtet. Ebenso neu wie die Flyer, die verteilt werden, ist auch der Name, den die SHG nun trägt: „WegWeiser“.

„Das beinhaltet zwei Dinge“, sagt der 47-Jährige. „Einmal geht es darum, Wege für sich zu finden.“ Und zum anderen darum, durch den Austausch in der Gruppe etwas von der Last, die auf der Seele liegt, loszuwerden. In die gleiche Richtung weist das Kunstprojekt, das mit Künstlern und anderen Partnern in der zweiten Jahreshälfte auf die Beine gestellt werden soll. Das dann neu gestaltete Transportfahrrad soll Gegenstände aufnehmen, die Menschen mit schlechten Erinnerungen verbinden. Durch das Wegwerfen sollen auch die Gedanken losgelassen werden.

Info-Stand wird dreimal in der Bottroper Innenstadt aufgebaut

Zu drei Terminen soll der Info-Stand zum Thema Verjährungsfristen am ehemaligen Mensing-Brunnen aufgebaut werden: am 5. April, 3. Mai (kann aufgrund des Wahlkampfs kurzfristig an einen anderen Standort in der City verlegt werden) und am 7. Juni, jeweils in der Zeit von 11 bis 14 Uhr. Dank der Hilfe von Sponsoren, die Helium zur Verfügung stellen, werden zahlreiche Ballons auf den Info-Stand aufmerksam machen.

Einmal pro Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe in Bottrop

Die Selbsthilfegruppe „WegWeiser“ für Männer, die als Jungen sexuell missbraucht wurden, trifft sich jeweils am ersten Dienstag im Monat in der Zeit von 17 bis 19 Uhr im Kaminzimmer vom „Spielraum“ an der Prosperstraße 71. Rückfragen zu der Selbsthilfegruppe beantwortet das Team des Bottroper Selbsthilfe-Büros telefonisch unter 02041 / 23019 oder per E-Mail an selbsthilfe-bottrop@paritaet-nrw.org

 
 

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