Bottroper Gospel-Marathon mit fröhlicher Botschaft

Bei der Gospelnacht in der Liebfrauenkirche: „Family of Hope“ mit Gabriel Vealle.
Bei der Gospelnacht in der Liebfrauenkirche: „Family of Hope“ mit Gabriel Vealle.
Foto: FUNKE Foto Services
Hunderte Fans bei der 14. internationalen Event-Nacht mit knapp 30 Chören und Solisten in der Liebfrauenkirche. Stehende Ovationen für mitreißend gesungene Gebete.

Bottrop..  Sechs Stunden Gospel – wieder ein Marathon, den Hunderte von Fans in der fast den ganzen Abend über voll besetzten Liebfrauenkirche im Eigen erlebten. Und feierten. Die meisten der fast 30 Chöre und Solisten im Programm wurden mit stehenden Ovationen und rhythmischem Klatschen verabschiedet.

Dr. Waldemar Lusch und sein Vorstandspartner Harald Sadowski (Verein zur Förderung der Bottroper Gospelnacht) zogen deshalb schon zur Halbzeit ein erfreuliches Fazit: „Das war wieder eine Botschaft, die von Bottrop in die Musikwelt hinausging: die Hoffnung in der Welt auf ein friedliches Zusammenleben.“ Sadowski, zusammen mit seiner Frau Marie im Moderationsteam, ergänzte: „Das heimische Publikum garantierte auch 2015 ein wunderbares Festival.“

Sponsoring hielt sich in Grenzen

Die „Macher“ der 14. Gospelnacht gingen aber auch auf die Probleme bei der Vorbereitung ein. Das Sponsoring hielt sich in Grenzen, die Stadt habe eine finanzielle Beteiligung abgelehnt, aber immerhin bei der Logistik und der Organisation geholfen. Nun hofft man im Nachhinein, nachdem die Gospel-Woche und die abschließende Festnacht so erfolgreich und intensiv abliefen, auf Unterstützung – durch neue Partner im Förderverein.

Video-Leinwand und Kameras, Lichtinstallation, Showeffekte, souveräne Übersetzungen beim Programmablauf, angenehmes Umfeld rund um die Kirche – die Gospelnacht bei sommerlichen Temperaturen hat sich längst zum Markenzeichen für die Bottroper Kultur entwickelt. Die Gospelszene, so wurde bei den Ensembles aus Polen und den Niederlanden, aus England und den USA sowie natürlich aus Deutschland gern bemerkt, habe in Bottrop einen Fixpunkt geschaffen. Die Mischung aus Sakralmusik und Popevent würde hoch professionell dargeboten. Kompliment also an Lusch und Co., die mit der ersten Gospelnacht 2002 starteten. Es wurde eine Erfolgsgeschichte…

Mit den Dozenten und Gospel-Experten Wayne Ellington (Großbritannien) und Brian Fentress (USA) hatte man zwei Profis eingeladen, die den Projektchor und die Workshops so routiniert wie begeisternd auf die Beine stellten. Beide können motivieren und gewinnen durch ihre sympathische Bescheidenheit dem Genre neue Freunde hinzu. Sie schulen die Chormitglieder vokal und mental – und treten für die religiöse Ernsthaftigkeit dieser Musik aus Soul und Blues, Rap und Swing, Pop, Jazz und Choral ein. Eigentlich sind die Songs Gebete - nicht im stillen Kämmerlein, sondern auf offener Kirchenbühne.

Man hörte bei den Gruppen wie „Family of Hope“ (Krefeld), „Mass Choir“ (erst in der vergangenen Woche geschult), „Stadsknaaal“ (Niederlande), den beiden Bottroper Repräsentanten („Effata“ und „Vocal Ensemble Credo“ als Ausrichter) oder „reGeneration“ (Polen) und vor allem von den Solisten wie Ewa Ekwa (Warschau), Joachim Ryczek (Grünberg) oder Marta Fedyniszyn (Kattowitz) auch neue Klänge: Das traditionelle Repertoire, meist vom Klavier oder von einer Band auf hohem Niveau begleitet, wird also erweitert.

Ein Ensemble (die aus Rumänien stammende „Big Mama“ nebst Vokal-Kollegen) und die Sängerin Evah Uryga (Polen) garantierten u.a. imponierende Spitzenleistungen – was Qualität, Spontaneität und expressive Farbigkeit der Darbietung ausmacht. Das Team und die Solistin unterstrichen, wie mitreißend Gospel im Live-Auftritt sein kann. Und muss! Was die Lautstärke insgesamt an diesem Abend anbelangt, ging manch chorische Feinheit zuweilen verloren. Die Fröhlichkeit in der Gemeinsamkeit verdrängte dabei die Innigkeit der religiösen Kommunikationsform.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel