Bottroper Familie will für Klimaschutz drei Wochen aufs Auto verzichten

Angelika Wölk
Stefan und Romy Hilbrich mit Sohn Milo (1) verzichten für drei Wochen auf ihr Auto und nutzen ausschließlich ihre Fahrräder.
Stefan und Romy Hilbrich mit Sohn Milo (1) verzichten für drei Wochen auf ihr Auto und nutzen ausschließlich ihre Fahrräder.
Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Romy und Stefan Hilbrich wollen drei Wochen lang für den Wettbewerb Stadtradeln aufs Auto verzichten und mit dem Fahrrad fahren. Die jungen Eltern freuen sich auf das Experiment, Sohn Milo aber ganz besonders. Er empfindet größtes Vergnügen in seinem Anhänger.

Bottrop. Wenn es nach Milo ginge, dem eineinhalb-jährigen Sohn von Romy und Stefan Hilbrich, dann würde die junge Familie nur noch radfahren. Er strahlt nämlich, sobald er in dem schnuckeligen Fahrrad-Anhänger sitzt. Und er und sein Strahlen – das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass die junge Familie ihr neues Ziel auch tatsächlich erreicht: Die Hilbrichs wollen drei Wochen lang ganz aufs Autofahren verzichten und alle Wege mit dem Rad zurücklegen. Ein großes Ziel -- nicht nur, weil der nächste Supermarkt nicht gerade um die Ecke liegt, sondern auch, weil das Wohnhaus in Vonderort von manch anspruchsvollem Hügel umgeben ist.

Und da müssen alle Einkäufe hoch. „Hin ist alles super“, lacht der 28-jährige Stefan Hilbrich, aber nach Hause zurück wird es sicherlich nicht immer so locker flockig. „Bisher kaufen wir einmal in der Woche ein“, sagen die jungen Eltern, „aber dann werden wir wahrscheinlich drei-, vier Mal einkaufen fahren.“ Klingt alles ziemlich anspruchsvoll.

Romy und Stefan Hilbrich haben sich auf den Aufruf der Stadt hin gemeldet. Die hatte für die Teilnahme an dem bundesweiten Stadtradel-Wettbewerb des europäischen Städte-Netzwerks „Klimabündnis“ eine Familie gesucht, die in der Zeit vom 14. Juni bis 5. Juli auf das Auto verzichtet und aufs Rad umsteigt. „Zur Belohnung gibt es eine tolle Überraschung“, verspricht Carina Tamoschus vom Fachbereich Umwelt und Grün und Fachfrau für Klimaschutz-Fragen. Als Anreiz, sagt sie, erhalte die Familie für dieses Zeit auch ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Mit dem Drahtesel zur "Krabbelgruppe"

Als die 27-jährige Romy Hilbrich davon las, habe sie sofort zu ihrem Mann gesagt: Lass uns da mitmachen. Das sei eine richtig gute Herausforderung, sagt sie. „Wir wollten mal sehen, wie abhängig wir wirklich von dem Auto sind“, sagt Stefan Hilbrich. „Und uns ist wichtig, dass wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

Rad-Muffel sind beide nicht. Stefan Hilbrich fährt auch jetzt schon häufig mit dem Bike zur Arbeit nach Oberhausen. Nur bei der Frühschicht, gesteht er leise, kneife er schon mal. Nicht ganz verwunderlich, schließlich muss er dann schon um 5.20 Uhr in der Früh los. Demnächst jedoch ist es um diese Zeit wenigstens nicht mehr stockduster.

Auch Romy Hilbrich fährt regelmäßig mit dem Drahtesel zur „Krabbelgruppe“ und erledigt auch sonst viel mit dem Zweirad, Sohn Milo immer im Schlepptau. Und er empfindet allergrößtes Vergnügen dabei in seinem Anhänger. Nur seinen Helm finde er gar nicht cool, erzählen die Eltern. Aber dafür liebt er den Helm des Vaters. Den würde er am liebsten gar nicht mehr hergeben.