Bottrop im Blick der Wissenschaft

Nora Henn
Wie hat sich Bottrop im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten entwickelt? Dieser Frage geht die Historikerin Daniela Fleiß in ihrem heutigen Vortrag nach.
Wie hat sich Bottrop im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten entwickelt? Dieser Frage geht die Historikerin Daniela Fleiß in ihrem heutigen Vortrag nach.
Foto: Fleiß
In ihrem Geschichtsstudium erforschte Daniela Fleiß die Historie Bottrops. Damals schrieb sie für die WAZ über das hiesige Lokalgeschehen, heute hält sie Vorträge in ganz Deutschland

Bottrop. Ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich, um die Gegenwart zu verstehen. Vielleicht auch, um sie mit anderen Augen zu sehen. Ihre Heimatstadt sieht die Bottroper Historikerin Daniela Fleiß in neuem Licht, seitdem sie sich mit der Geschichte der Ruhrgebietsstadt beschäftigt. „Mein professioneller Blick hat den persönlichen noch ergänzt“, sagt die Wissenschaftlerin.

Wie sich das Bild der Stadt Bottrop im letzten Jahrhundert verändert hat, erzählt sie in ihrem Vortrag „Bottrop: Landgemeinde, Industriedorf, Großstadt - Stadtentwicklung im nördlichen Ruhrgebiet im 19. und 20. Jahrhundert“. Der Blick in die Vergangenheit sei wichtig, um die Stadt heute zu verstehen. Zum Beispiel die Zusammensetzung der Bevölkerung.

Bottrops Geschichte

„Die hängt nämlich mit der Industrialisierung zusammen“, so Fleiß. Der Kohleabbau in Bottrop habe im Vergleich zu den südlichen Regionen erst spät eingesetzt. „Prosper Haniel ist eine der letzten Förderungsstätten.“ Arbeitskräfte seien zu dem Zeitpunkt knapp gewesen und aus dem Osten, besonders Polen, gekommen.

Die historische, wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung Bottrops hat Daniela Fleiß in ihrer veröffentlichten Magisterarbeit untersucht. „Mich hat besonders interessiert, wie sich Bottrop im Vergleich zu anderen Ruhrgebietesstädten präsentiert“, so die Historikerin.

Während ihres Geschichtsstudiums arbeitete Fleiß für sieben Jahre als freie Mitarbeiterin bei der WAZ Bottrop. Mit historisch geschultem Blick schrieb sie eine Serie über die verschiedenen Stadtteile. „Ich habe mit den Bewohnern gesprochen und gefragt, was ihren Stadtteil ausmacht. Welche Besonderheiten, Landmarken oder auch Probleme es gibt“, erzählt sie.

Doktorarbeit

2005 veröffentlichte die Stadt ihre Serie in dem Buch „Bottrop. Gesichter der Stadt“. Beinahe wäre Fleiß bei der Zeitung geblieben. „Ich habe überlegt ein Volontariat zu machen“, erinnert sie sich. Die damalige Betreuerin ihrer Magisterarbeit sei jedoch nach Siegen versetzt worden und konnte ihr dort eine Stelle an der Universität anbieten. „Deshalb habe ich mich für eine Promotion entschieden. Über die Fabrik als touristische Attraktion“. Für ihre Doktorarbeit wurde ihr im vergangenen November der Historikerpreis der Universität Siegen verliehen.

Lokalbezug

Bottrop spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle: Mit zwei Jahren ist Fleiß mit ihrer Familie von Gelsenkirchen nach Bottrop gezogen und ist hiergeblieben. Auch wenn sie für ihre Stelle an der Universität nach Siegen pendeln muss.

„Ich bin hier groß geworden und zur Schule gegangen, habe für die Lokalpresse gearbeitet und viel mit der Stadt zu tun gehabt“, erzählt sie. Ihre Erfahrungen und ihren einzigartigen Blick auf die Stadt will sie in ihrem Vortrag an die Zuhörer weitergeben.