Bottrop braucht dringend Platz für 500 Flüchtlinge

Kai Süselbeck
Die Arbeitsgemeinschaft Brennpunkte Bottrop betreut unter anderem das Wohnheim am Borsigweg, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. An deren dezentraler Unterbringung wollen Verwaltung und Politik festhalten
Die Arbeitsgemeinschaft Brennpunkte Bottrop betreut unter anderem das Wohnheim am Borsigweg, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. An deren dezentraler Unterbringung wollen Verwaltung und Politik festhalten
Foto: WAZ Fotopool
Bottrop sucht nach Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen. Unterkünfte in städtischen Gebäuden soll der letzte Ausweg bleiben. Allerdings wird dieser Weg bereits geprüft, um gewappnet zu sein. Der Sozialausschuss wirbt für eine Willkommenskultur.

Bottrop. Die Zahl der Flüchtlinge steigt, die in Bottrop unterkommen. Stand gestern waren es 502 Personen, davon 322 Erwachsene und 180 Kinder und Jugendliche. Die Stadt versucht, Flüchtlingsfamilien in Wohnungen unterzubringen. Weitere städtische Gebäude als Wohnheime zu nutzen, sei der „letzte Ausweg“, sagt Sozialausschussvorsitzende Renate Palberg. Dennoch müssen sich Stadt und Politik auf eine solche Notwendigkeit vorbereiten, wenn die Zuweisungen von der Bezirksregierung sich weiter erhöhen. Der Sozialdezernent mahnt für den Fall steigender Zahlen eine „Willkommenskultur“ an.

Die Gruppe der bulgarischen oder rumänischen Zuwanderer, die in Duisburg und Dortmund schwere soziale Verwerfungen ausgelöst haben, stelle derzeit „keine Problemlage dar“, sagt Sozialamtsleiter Peter Sommer; ihre Zahl ist mit 120 stabil geblieben. Noch gar nicht angekommen sind die syrischen Flüchtlinge, die von der Bundes- und Landesregierung eingeladen worden sind. Ihre Zahl wird nach Einschätzung der Stadt überschaubar bleiben.

Unterkünfte erreichen ihre Auslastungsgrenze

Deutlich verstärkt hat sich hingegen der Andrang von Asylbewerbern, etwa aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, aus Balkanstaaten wie Albanien und Mazedonien, dem Iran und verschiedenen afrikanischen Staaten. Die Bezirksregierung hat noch keine Signale geschickt, auf wie viele Flüchtlinge sich Bottrop einrichten soll. Aber das kann schnell gehen, berichtet Sommer: „Wir kriegen Donnerstag ein Fax, dass wir Montag Zuweisungen bekommen.“ Man könne damit rechnen, dass die Bezirksregierungen versuchen werden, die zentralen Aufnahmestellen rasch zu leeren, sagt Peter Sommer: „Bis zwei Tage vor Weihnachten wird zugewiesen, ab 2. Januar geht es weiter.“

Die Unterkünfte an der Stenkhoff- und Holbeinstraße sowie die Siedlung Borsigweg, warnt Sommer vor, „erreichen demnächst die Auslastungsgrenze“. Sieben Wohnungsgesellschaften, vor allem Vivawest und Annington, hätten sich „sehr kooperativ verhalten“, könnten aber derzeit nicht viele freie Wohnungen anbieten.

Sozialausschuss berichtet monatlich

Deshalb müsse „dringend“ auch über die Nutzung städtischer Gebäude nachgedacht werden. Entscheiden muss darüber der Sozialausschuss im Einvernehmen mit der Bezirksregierung. Vor diesem Hintergrund wird das Sozialamt dem Ausschuss jetzt monatlich über die Entwicklung berichten.

Nur nicht schwarzmalen, mahnt Loeven und erinnerte unter dem Beifall der Ausschussmitglieder an die Zeit, als Bottrop eine Vielzahl von Flüchtlingsheimen hatte, in denen Asylbewerber und Aussiedler untergebracht waren: „Mir ist aus dieser Zeit kein Fall von sozialer Verwerfung bekannt. Wir sollten weiter für eine Willkommenskultur werben.“