Bissige Frau im Barbaraheim

Unter dem Motto „Nix für Feiglinge“ zeigt Sabine Henke Kirchenkabarett im Barbaraheim.
Unter dem Motto „Nix für Feiglinge“ zeigt Sabine Henke Kirchenkabarett im Barbaraheim.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.  Kirchenaustritte? Reformstau? Sinnkrise? Jammern war gestern. Heute ist Mut statt Wut angesagt. Zumindest im Programm „Nix für Feiglinge!“ von Kirchenkabarettistin Sabine Henke heißt es „Lachen und machen.“ Jetzt war die 54-Jährige im Barbaraheim an der Lehmkuhle zu Gast. Und: Das Publikum liebte sie. Warum? „Nun ja . . .“, setzt eine Besucherin zur Antwort an, „weil sie genau die Dinge auf den Punkt bringt, die uns hier ohnehin bewegen.“

Profilierte Kirchenkabarettistin

Mit gewohnt starkem Wortwitz, ausgefeilten Texten und darstellerischer Wandlungsfähigkeit stellte Sabine Henke, eine der profiliertesten Kirchenkabarettistinnen in Deutschland, ihre Figuren auf die Bühne. Da war die Rede von Angela Merkel, Sarkozy und Hollande. An andere Stelle kamen die Mittelkürzungen und Einsparungen der Kirchen zur Sprache.

Zur Rente mit 67 hat Sabine Henke nur eine Antwort: „betreutes Arbeiten“. In Sachen umweltfreundliches Fahren reist sie regelmäßig „an den Rand ihres Verstands.“ Das Publikum lachte herzlich, klatschte und verlangte immer wieder nach mehr. Sabine Henke berührte die Probleme der Generation 50 plus (wie sie sagen würde), aber auf eine nette, nicht stumpf provozierende Art.

Im Dirndl gibt sie zu: „Ich esse gern, aber die Figur gibt im Alter nach.“ Als Rentnerin spricht sie von der zweiten Lebenshälfte: „Wenn die Kinder groß sind . . . und der Mann aus dem Haus.“ Ihr Humor kann auch bissig sein, bleibt aber stets aber publikumsnah. Mit einem gekonnt ironischen Unterton fordert sie: „In solchen schwierigen Zeiten muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren.“

Johannes Bombeck, Vorstandsmitglied im Verein Barbaraheim Bottrop-Lehmkuhle e.V., weiß genau, was sie meint. Er hat Sabine Henke im Internet entdeckt und danach in einer anderen Show selbst erlebt. „Sie ist eine Powerfrau“, sagt er, „die kein Blatt vor den Mund nimmt und trotzdem nett dabei bleibt.“

Seit etwa fünf Jahren bietet das Barbaraheim der früheren Pfarre Abende dieser Art an. Das Kirchenkabarett sei mittlerweile zu einem Steckenpferd geworden. „Wir mögen diese Art des Humors“, begründet Bombeck. „Und außerdem wollen wir unsere Anwohner und Besucher regelmäßig zusammenbringen.“

Treffpunkt für die Stadt

Denn nach der kürzlich erfolgten Schließung der Kirche und Zusammenlegung der Gemeinde mit der Cyriakus-Pfarre (die WAZ berichtete) gäbe es an der Lehmkuhle nicht mehre viel. „Wie Sabine Henkel anmerkt, wollen wir in ‚solchen Zeiten’ einen sozialen Treffpunkt bewahren,“ so Bombeck. „Wir bleiben als Kirche vor Ort und ein Treffpunkt für die Stadt.“

 
 

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