Berufskolleg Bottrop hat eine Inklusionsbeauftragte

Elke Güdel berät am Anmeldetag im Berufskolleg einen interessierten Schüler.
Elke Güdel berät am Anmeldetag im Berufskolleg einen interessierten Schüler.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Das Berufskolleg hat schon seit Jahren viele Schüler mit Förderbedarf, aber Sonderpädagogen, Sozialarbeiter und Räume fehlen dafür.

Bottrop..  „Die Schüler haben wir schon, die Inklusion lässt noch auf sich warten“, das hatte Elke Güdel, Inklusisonsbeauftragte am Bottroper Berufskolleg, schon Anfang November im Schulausschuss erklärt. Der Ausschuss hatte sie und Schulleiter Guido Tewes eingeladen zu berichten, wie Inklusion am Berufskolleg geht. „Wir bräuchten Sonderpädagogen und Sozialarbeiter und andere Raummöglichkeiten“, gaben die Lehrer den Politikern damals ihre Wünsche mit auf den Weg.

38 Schüler mit Förderbedarf besuchen derzeit das Berufskolleg. Darunter sind vor allem Schüler mit Lernbehinderung und Problemen bei der sozialen und emotionalen Entwicklung, ein Schüler mit Autismus ist im gymnasialen Zweig. Rollstuhlfahrer oder Sehbehinderte werden im Rahmen der Möglichkeiten aufgenommen. Immerhin gibt es inzwischen einen Aufzug am Berufskolleg. Vor Jahren noch musste ein Rollstuhlfahrer immer von seinen Mitschülern die Treppen hoch und runter getragen werden.

Inklusion hat nämlich am Berufskolleg nicht erst mit dem Schulrechtsänderungsgesetz in diesem Schuljahr begonnen. „Wir haben schon ganz lange Schüler von Förderschulen. Das ist für uns nicht so eine besondere Situation“, betont Elke Güdel im Gespräch mit der WAZ und wundert sich über die Aufregung, die jetzt an manchen weiterführenden Schulen herrscht.

„Wir mussten immer schon gucken, wie wir das in den Griff bekommen“, meint die Lehrerin. Inklusionsbeauftragte ist sie erst seit Beginn dieses Schuljahres, das einzige Novum seit dem Schulrechtsänderungsgesetz. Vorteile, wie Ausgleichsstunden, sind mit dem Amt allerdings nicht verbunden, nur mehr Arbeit. Und Sonderpädagogen, Schulpsychologen oder Sozialarbeiter gibt es auch im zweiten Schulhalbjahr nicht. Für einen Sozialpädagogen müsste das Berufskolleg auf einen Lehrer verzichten – eine schwierige Alternative. Entlastung gibt es von der Jugendhilfe, mit der das Berufskolleg stundenweise zusammenarbeitet.

Wie Elke Güdel hat sich auch ihre Kollegin Kirsten Goder in Sachen Inklusion ein Jahr lang weitergebildet: „Das ist trotzdem noch zu wenig“, meint die Inklusionsbeauftragte, die die Weiterbildungsmaßnahmen der Bezirksregierung sehr begrüßt. Auch andere Lehrer des Berufskollegs haben daran schon teilgenommen. Vieles in Sachen Inklusion laufe eben über das persönliche Engagement der Lehrer.

„Ich finde Inklusion gut“, meinen Elke Güdel und Kirsten Goder übereinstimmend, auch wenn die Voraussetzungen nicht gerade optimal seien. Kirsten Goder: „Die Starken lernen von den Schwachen. Und die schwächeren Schüler werden von den stärkeren angespornt.“ Einig sind sich die beiden Lehrerinnen aber auch darin: „Der Weg der Inklusion ist steinig.“

Mehr Beratungsbedarf

Vor allem mit der Adolf-Kolping-Förderschule arbeitet das Berufskolleg schon lange zusammen. Es gibt Besichtigungstermine für die Schüler und extra Anmeldetage, „damit sie nicht gleich untergehen“, so Elke Güdel. Viele ehemalige Förderschüler wollen ans Berufskolleg, um doch noch den Hauptschulabschluss zu machen. Hier haben sie dann keine Sonderstellung mehr, sondern sind Teil des Klassenverbandes. Viele von ihnen seien froh über die Herausforderung, berichten Elke Güdel und Kirsten Goder. Allerdings müsse mangels anderer Möglichkeiten auch die individuelle Förderung der Schüler innerhalb des Klassenverbandes stattfinden.

Auffällig sei, meinen die beiden altgedienten Lehrerinnen, dass die Schüler immer mehr Beratungsbedarf hätten. Den Grund dafür sehen sie in der familiären Situation der Schüler, wo niemand mehr den Part übernehme, die Schüler beispielsweise bei Berufswahl und Bewerbungen an die Hand zu nehmen. Wie überhaupt der Schule heute zunehmend auch Erziehungsaufgaben zufielen, wie die Vermittlung sozialer Tugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Freundlichkeit gegenüber anderen.

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