Berühmte Meisterwerke nobel gespielt

Damit hatte wohl weder der Veranstalter (Hof Jünger) noch das Bottroper Klavierquintett gerechnet: Ausverkauft war der Konzertsaal zur „Premiere“ des Ensembles um den Meister-Geiger Alban Pengili. Wegen der überraschend hohen Resonanz begann deshalb das Programm mit zwei „Hits“ aus Barock (Vivalidis „Jahreszeiten“) und Romantik (Schuberts „Forellenquintett“) mit einiger Verspätung. Die packenden und lebhaft betonten Interpretation der Musikschul-Dozenten entschädigten schnell. Der Applaus bestätigte die ausnahmslos positive Reaktion des Hauses.

Die beiden großformatigen Werke laufen sehr unterschiedlich ab. Bei dem so früh verstorbenen Romantiker Schubert eilen Klavier, Violine, Viola, Cello und Kontrabass durch die Landschaft der Gefühle. Das Herz singt fast in jedem Moment der rund 45 Minuten mit. Der extrem schwierige, aber auch dankbare Klavierpart übernimmt meist die Führungsrolle, abgelöst wird er von der Violine – also eine Aufforderung an den auftrumpfenden Albaner Pengili, der im Kirchhellener Hof schon seine imponierende Visitenkarte mit einem Soloabend abgab. Erst im vierten Satz dieses Schubertschen Hauptstückes taucht das beliebte Thema auf, das dann wie ein damaliger „Gassenhauer“ durch vier Variationen läuft.

Gisela Hegewald (Piano), Pengili (Violine), Barbara Ravenstein-Holländer (Viola), Ruth Ansorge (Cello) und Anke Göntgen (Kontrasbass) übernahmen höchst zuverlässig ihre Aufgaben. Der „Herr mit vier Damen“ demonstrierte die hohe Schule der Kammermusik.

Bei Vivaldis musikalischen Kalenderblättern kamen zwei weitere Akteure hinzu, während Alban Pengili die Solo-Violine mit allen Techniken des frühen 18.Jahrhunderts ausstattete. Oksana Popsuy und Denis Kryukov, beide Violine, fügten sich sehr schön in den Gesamtklang ein. Regen und Sturm, laue Sommernacht und Eiseskälte, Vogelgezwitscher und Jagdfanfare, Schlittschuhlauf und Frühlingswinde ziehen beim Hörer vorbei – als Sehnsuchtsmusik und Erinnerungswerbung.

Der zu seiner Zeit als „Teufelsgeiger“ bekannte Komponist (und Priester) zieht nahezu alle Register. Vor allem die Kadenzen durchschritt Konzertmeister Pengili mit noblem Saitenspiel.

 
 

EURE FAVORITEN