Autoverkehr in Bottrop entschleunigen - dem Klima zuliebe

Auch über eine Ausweitung des bewirtschafteten Parkraums in Bottrop denken die Experten nach.
Auch über eine Ausweitung des bewirtschafteten Parkraums in Bottrop denken die Experten nach.
Foto: Birgit Schweitzer
Öfter mal Bus fahren. Oder auch aufs Fahrrad steigen. Um die Nutzung anderer Verkehrsmittel attraktiver zu machen, schlagen Experten im Klimaschutzkonzept unter anderem Eingriffe in die Ampelschaltung vor. Beim Planungsamt weiß man, dass nicht alle Vorschläge populär sind.

Bottrop. Den Verkehr in der Stadt klimaschonender abzuwickeln, die Bürger zu bewegen, für Kurzstrecken aufs Auto zu verzichten – das ist ein Ziel, das mit dem Klimaschutzteilkonzept Mobilität erreicht werden soll. 25 Einzelmaßnahmen – darunter teilweise Bürgervorschläge – haben Experten zusammengestellt.

Die Politik hat diesen Zwischenstand zu Kenntnis genommen. Das heißt: In den zuständigen Gremien, etwa dem Bau- und Verkehrsausschuss, wurde er vorgestellt und Anregungen oder Bedenken seitens der Politik wurden aufgenommen. Im nächsten Schritt wird jede Maßnahme auf den Prüfstand gestellt. Es gibt Berechnungen und Simulationen, um Aufwand, Nutzen und Kosten zu ermitteln. Möglich, dass von den 25 Maßnahmen noch welche fallen gelassen werden. Andere benötigen noch eine Ausarbeitung, hier seien Detailkonzepte nötig.

Beim Planungsamt weiß man, dass nicht alle Vorschläge populär sind. Der Vorschlag zur Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung werde sicherlich kontrovers diskutiert werden, heißt es da. Denn natürlich gilt es, verschiedene Interessen innerhalb einer Stadt abzuwägen. Auch die Idee, den Pkw-Verkehr zugunsten der Fahrradfahrer und Fußgänger etwas auszubremsen, stößt nicht überall sofort auf Beifall, wie die Reaktionen etwa im Bau- und Verkehrsausschuss gezeigt haben. Nachdem die WAZ in der gestrigen Ausgabe die ersten 13 Punkte aus dem Klimaschutzteilkonzept vorgestellt hat, folgen heute die übrigen zwölf Überlegungen der Experten:

Parkraumkonzept Innenstadt entwickeln.

Hinter dieser eher neutralen Formulierung verbirgt sich ein Vorschlag, der sicher für Kontroversen sorgen wird. Denn geht es nach den Experten, sollte die Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet werden. Das heißt allerdings nicht, dass ab sofort überall gezahlt werden soll. Es könnte aber sein, dass die Parkscheibenregelung ausgeweitet wird. Denn ein Ziel sei es, gerade Langzeitparker aus den Straßen herauszuhalten. Stattdessen sollten sie auf Parkhäuser ausweichen.

Denn der Platz in der Innenstadt, so Natascha Dietz, Abteilungsleiterin beim Planungsamt, sei eigentlich zu wertvoll. Geht es nach den Experten des Planungsbüros ist es ein Ziel, gerade Berufstätige frühzeitig zum Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu bewegen und die Autos im Randbereich abzustellen. Auch eine Steuerung über Gebühren sei so denkbar. Demnach könnten vielleicht besonders begehrte Stellplätze in der Innenstadt teurer werden als Plätze in Randlage. Mancher nehme dann vielleicht einen kleineren Fußmarsch in Kauf. „Wir wollen das Parken in den Straßen reduzieren“, sagt Natascha Dietz und greift damit den Expertenvorschlag auf. Die sehen darin sogar einen Vorteil für den Einzelhandel, wenn Stellplätze nicht mehr von Dauerparkern blockiert werden.

Elektromobilität auf die Straße bringen

Das Planungsbüro schlägt dafür unter anderem vor, den städtischen Fuhrpark auf E-Mobile umzurüsten. Kurzfristig ist das sicher nicht so einfach möglich. Aber als langfristiges Ziel? Schwieriger wird es bei den Privat-Pkw. Hier hat die Stadt keinen Einfluss. Ein CDU-Vorstoß, E-Autos kostenlos parken zu lassen, wurde bereits einmal abgeschmettert. Natascha Dietz hält so eine Option durchaus für möglich. Gleichzeitig müsste der Ausbau der Ladesäulen vorangetrieben werden.

Aber generell sehen sie und Kollege Thomas Leuker „mehr Potenzial bei Pedelecs“. Diese Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor seien für Strecken in der Stadt besonders geeignet. Aber auch dafür brauche es entsprechende Infrastruktur, sagt Natascha Dietz. So müssten Radwege breiter sein, um Pedelec-Nutzern das Überholen zu ermöglichen, schließlich sind sie in der Regel schneller als klassische Radler. „Und wir brauchen sichere Abstellmöglichkeiten für diese teuren Räder“, sagt Leuker.

Mobilitätsberatung anbieten

Dieser Vorschlag umfasst zwei Punkte. Zum einen das Angebot, in Schulen, an der Hochschule oder in Unternehmen Beratungsangebote zu schaffen mit dem Ziel, Beschäftigte, Schüler oder Studenten zum Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel zu bewegen und über Alternativen aufzuklären. Der zweite Punkt ist die Einrichtung einer zentralen Mobilitätsberatung, die nicht nur über ÖPNV informiert, sondern auch verkehrsmittelübergreifende Beratung und Service anbietet. Etwa auch über Mietfahrräder oder Car-Sharing-Angebote. Beispiele aus anderen Städten gebe es bereits, sagt Natascha Dietz. Nur müsse die Frage des Betreibers oder des Trägers einer solchen Zentrale geklärt werden.

Grüne Welle verlangsamen

Auch das ein sicher umstrittener Vorschlag des Planungsbüros, doch haben die Experten ermittelt, dass in Bottrop zu schnell gefahren wird – sicher auch, um die grüne Welle zu erreichen. Mit einer Verlangsamung der grünen Welle auf unter 50 Stundenkilometer, so glauben die Experten, lasse sich das verändern. Gleichzeitig verringert sich so der Zeit- und Geschwindigkeitsvorteil des Autos gegenüber Radfahrern und Fußgängern. Für eine solche Maßnahme schätzt Dietz jedoch den Untersuchungsaufwand mit Simulationen und Berechnungen als „relativ groß“ ein.

Einführung einer multimodalen Mobilitätskarte

Eine solche Karte wäre gültig für Busse, gleichzeitig könnte man über sie Mieträder oder Car-Sharing-Angebote nutzen. Vorbilder gebe es bereits in anderen Städten, so Leuker. „Düsseldorf probiert es gerade aus.“

Fußwegeverbindung Ebel – Innenstadt

Dieser Wunsch kommt aus den Bürgerwerkstätten. Damit verbunden wäre ein Ausbau der südlichen Bahnhofstraße. Ein Thema, das laut Dietz schon seit längerem hätte in Angriff genommen werden müssen. Allerdings ist so ein Fußmarsch von Ebel bis zur Innenstadt relativ lang.

Radwegeverbindung Ebel – Innenstadt

Hier gilt im Prinzip dasselbe wie im Punkt zuvor. Klar ist, dass Ebel besser angebunden werden müsse, so Dietz.

Fußwegeverbindung Welheimer-Mark – Innenstadt

Dieser Vorschlag aus der Bürgerwerkstatt greift einen alten Wunsch auf und beinhaltet außerdem einen Umbau der Polderstraße. Aber auch hier müssten Nutzer großer Entfernungen überwinden.

Radwegeverbindung Welheimer Mark – Innenstadt

Der Weg hier wäre derselbe, den die Fußgänger nutzen sollten. Der Umbau der Polderstraße und deren Sperrung für den Verkehr ist schon seit längerem geplant, war auch in Programmen zur Förderung des Radverkehrs angemeldet, ist aber bisher nicht realisiert worden.

Nahmobilitätsbeauftragter und Meldeplattform Fußgängerverkehr

Dahinter verbirgt sich ein zentraler Ansprechpartner oder eine Meldestelle, um Probleme und Anregungen direkt weiter zu geben. Von dort aus soll die Problembehebung koordiniert werden.

Nahmobilitätsbeauftragter und Meldeplattform Radverkehr

Die Meldestelle soll natürlich auch ansprechbar für Radfahrer sein. Hier könnten etwa Schäden oder Verunreinigungen von Radwegen gemeldet werden. Ein solcher „kurzer Draht“, so Natascha Dietz, sei sicher sinnvoll. Aber auch hier ist noch die Frage, wo eine solche Stelle anzusiedeln ist und wie sie im Alltag arbeiten könne.

Vorrang für den ÖPNV an Ampeln

Diese Beschleunigung für Busse ist heute bereits auf Hauptstraßen in der Stadt – etwa auf Teilen der Friedrich-Ebert- oder der Osterfelder Straße – üblich. Aktuell, so Natascha Dietz, laufe eine entsprechende Studie für die Horster Straße und auch für die Strecke vom Bahnhof bis zum ZOB gibt es Überlegungen. Hier sei eine Bevorrechtigung aber nicht so einfach. Generell, so Dietz, habe sich das bewährt.

 
 

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