Autorin will unabhängig bleiben

Autorin Karola Richter hat bereits vier Romane in ihrer Reihe „Zeitgenossen“ geschrieben. Der fünfte soll im kommenden Frühjahr fertig werden.
Autorin Karola Richter hat bereits vier Romane in ihrer Reihe „Zeitgenossen“ geschrieben. Der fünfte soll im kommenden Frühjahr fertig werden.
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  • Karola Richter veröffentlicht ihre Roman im Selbst-Verlag
  • Eine Freundin übernimmt das Lektorat
  • Testleser geben zuvor ihr Urteil ab

Bottrop..  „Es ist ein bezahltes Hobby“, sagt Karola Richter. Das ihr und ihren Lesern Freude macht. Denen ist die Bottroperin eher als „Hope Cavendish“ bekannt, denn unter diesem Pseudonym gibt sie ihre historischen Romane heraus. Vier Bände aus der Reihe „Zeitgenossen“ hat die 45-Jährige über ihre Hauptfigur Gemma Winwood bereits verfasst. Der fünfte und letzte Band ist in Arbeit und soll im kommenden Frühjahr fertig sein.

Gemma, die 1599 in London lebt, konfrontiert ihre Schöpferin Karola Richter mit einem besonderen Schicksal. Die 25-jährige Apothekerstochter, behütet aufgewachsen, wird im Hafen von Vampiren überfallen und schwer verletzt. Viscount Arlington, auch Blutsauger, rettet sie, indem er Gemma selbst zum Vampir macht.

„Die Verwandlung war nicht freiwillig“, sagt Richter. Und an diesem Punkt setzt die studierte Germanistin und Kommunikationswissenschaftlerin an. Ihre Hauptfigur hadert mit ihrem Fluch, der Unsterblich- und Kinderlosigkeit.

Die Möglichkeit, Zeitzeuge historischer Ereignisse zu werden, aber auch erleben zu müssen, wie andere Menschen vorzeitig sterben, hat die Autorin interessiert. „Der historische Aspekt gab den Ausschlag.“ Eine Clique von letztlich sieben Personen begleitet Gemma durch die Jahrhunderte.

Geschrieben habe sie schon lange, sagt Richter. Über eine Veröffentlichung habe sie sich zunächst keine Gedanken gemacht. „Die Reihe war nicht geplant“. Positive Reaktionen auf eine in einen Vampir-Forum veröffentlichte Geschichte motivierten Karola Richter, mit ihren Texten an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dabei hat sie den Weg des Selbst-Verlags gewählt. Autorenkollegen schilderten ihr von schlechten Erfahrungen mit Verlagen. Zudem sei sie so viel unabhängiger. Eine Studienfreundin übernimmt das Lektorat. Testleser geben vor einer Veröffentlichung ihr Urteil ab. Diese seien dabei durchaus „gnadenlos“, sagt die Autorin und lacht. „Es geht mir aber nicht um mich“, stellt sie klar. Für Anregungen und Kritik sei sie dankbar, denn ihre Geschichten sollen den Lesern in diesem „Nischen-Genre“, wie sie sagt, gefallen.

Die Leser weist Richter alias Cavendish darauf hin, dass sie auf blutrünstige Gewaltszenen in ihren Bänden verzichtet. Zudem seien ihre Geschichten nicht so düster wie andere. Statt Menschen auszusaugen, bekommt Gemma den Tipp, dass sie auch Tiere jagen könnte. Auch über die „Tageslicht-Tauglichkeit“ ihrer Figur hat sie sich Gedanken gemacht und klärt ein mögliches Missverständnis auf. Bram Strokers Dracula, der wohl berühmteste Vampir, ging tagsüber spazieren. So stehe es im Roman, betont Richter. Erst Fritz Murnau habe die Vampire in seinem Film „Nosferatu“ zu Nachtwesen gemacht. „Das ist ein starkes Motiv“, sagt die 45-Jährige. Dem sie bei Gemma aber nicht gefolgt sei. Aber die typischen Reißzähne, die hat sie schon.

Als „Plot-Häschen“ bezeichnet Karola Richter die Ideen, die ihr für neue Bücher quasi zuhoppeln. „Mein Notizbuch ist voll mit 17 Ideen, aus denen sich ein Buch stricken ließe“, ergänzt sie bewusst im Konjunktiv. Einige Charaktere seien schon sehr lebendig. Heitere Krimis könnte es als nächstes von ihr geben. Dabei will die Bottroperin wie bisher einem literarischen Grundsatz folgen: „Show, don’t tell“; zeige es und erzähle nicht.

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