Autorenlesung hinter Gittern

Bottrop..  Einmal mehr durften jugendliche Insassen der Arrestanstalt eine Lesung Bottroper Autoren verfolgen.

Die Reihe „Kunst im Knast“ wird schon seit über 20 Jahren von der VHS gestaltet. In der Jugendarrestanstalt (JAA) durften zehn ausgewählte junge Männer dem Bottroper Autor und Künstler Artur K. Führer und seinen Geschichten lauschen, in denen er u.a. von Todestrakten und üblen amerikanischen Gefängnissitten berichtete. Unterstützung erhielt er dieses Mal von der Bottroper Schriftstellerin Bettina Böblitz und dem Musiker Klaus Lange.

„Ich bin durch Zufall auf die Reihe gestoßen“, erklärte Böblitz, „und nun zum fünften Mal dabei. Es ist immer wieder eine aufregende Erfahrung.“

Die Lesung soll Ungewöhnliches bieten, etwas, das die jugendlichen Straftäter vielleicht zum Nachdenken anregt, aber auch zum Lachen bringt. Teilnehmen durften allerdings nur jene Insassen, die in der Lage sind, auch ruhig und konzentriert zuzuhören.

In dem freundlich eingerichteten Zimmer herrschte eine kuschelige Atmosphäre. Klaus Lange, zum ersten Mal dabei: „Ich finde die Idee super, im einer Jugendarrestanstalt zu spielen“, erzählte er. „Man fühlt sich ein wenig wie Johnny Cash!“

Dem Autoren Artur K. Führer, in seiner Vergangenheit selbst einmal inhaftiert, ist die Arbeit mit den Jugendlichen wichtig. Man dürfe sie trotz und gerade wegen ihrer Schwierigkeiten nicht mit ihren Problemen allein lassen.

Wirkten die jungen Männer anfangs unruhig und angespannt, so wurden sie im Lauf der Lesung immer aufmerksamer, als die Autoren aus ihren Werken vortrugen und Lange mit deutschsprachigem Blues untermalte. Vor allem als Führer aus seinem Buch „Knast in Texas“ zitierte und auch frei erzählte, ging ein andächtiges Schaudern durch den Raum. Die Geschichte handelt von einem 17-jährigen Todeskandidaten im texanischen Houston, mit dem Führer eine Brieffreundschaft pflegte und ihn dort sogar besuchte. „Ihr habt es hier wie im Paradies, auch wenn ihr das nicht glauben möchtet“, betonte er. Fragen waren erwünscht und wurden ausführlich beantwortet.

Böblitz las einen „Mini-Krimi“, der ein unterhaltsames Moment mit in den Abend trug. „Die Resonanz unter den Jugendlichen ist immer groß. Sie sind ein tolles Publikum“, betonte Böblitz.

Führer hat solche Arrest-Veranstaltungen an die fünfhundert Mal besucht, davon nahezu 100mal in der JAA Bottrop. „Die Jugendlichen nehmen dieses Engagement nach anfänglicher Skepsis mit Begeisterung auf und verlangen nicht selten Zugaben“, sagte er.

Auch diesmal waren sie angetan, nicht zuletzt, weil da ein Mensch vor ihnen saß, der selbst erlebt hat, was die Jugendlichen momentan durchmachen.

 
 

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