Ausstellung - die Bottroper Fotografin Schilling sieht Rot

Angelika Schilling vor ihrer Serie „Feuer und Flamme - Von Natur aus rothaarig“ im Kulturzentrum.
Angelika Schilling vor ihrer Serie „Feuer und Flamme - Von Natur aus rothaarig“ im Kulturzentrum.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Rot? Warum denn bitte Rot? Die Bottroper Fotografin porträtierte 64 rothaarige Menschen - auch aus dieser Stadt. Daneben zeigt die Ausstellung „Menschenbilder“ aber auch noch drei Zyklen in Schwarz-Weiß. Die Eröffnung ist am 21. November im Kulturzentrum in Bottrop.

Bottrop.. Angelika Schilling sieht Rot. In diesem Falle am liebsten auf dem Kopf und im Gesicht. Für ihr Projekt „Feuer und Flamme - Von Natur aus rothaarig“ porträtierte die Bottroper Fotografin 64 männliche und weibliche Rotschöpfe von Australien bis Schottland, auf dem niederländischen „Rothaarigen Tag“, aber auch in Bottrop.

SPD-Politikerin Gabriele Sobetzko, Martin Marzipano, der Musiker aus der Boy, Irmelin Sansen vom Künstlerbund aber auch Ramona Fleer - „die schöne Ramona vom Gasthaus Hürter“, so Schilling - sind zu entdecken. Auch stehe sie auf Bärte, wie die Fotografin bereitwillig zugibt. Und so sind prächtige Exemplare darunter, von denen einige das Gesicht des stolzen Trägers schnell einmal um das Doppelte verlängern.

„Die Meisten zeigten sich spontan bereit, ebenso spontan Modell zu stehen“ sagt Schilling. Angetan hat es ihr besonders Kelly aus Australien. Über und über mit Sommersprossen besät, lässt sie ihr offenes Lächeln unter einer voluminösen Fellmütze hervorblitzen. Einen Abzug oder eine Mail mit ihrem Konterfei? Nein, das brauche sie nicht. Ihr Mann fotografiere sie täglich. Das jedenfalls erzählte sie Angelika Schilling, die Kelly unbedingt in ihre Serie „Feuer und Flamme“ aufnehmen wollte.

Würde auch in würdeloser Situation

Moment mal. Eine Dame aus Bottrop sticht heraus. Weißes Haar, flott frisiert. Ein Missverständnis? „Nein“, sagt die Fotografin, die früher einmal Kunst und Germanistik studierte und bis 2010 in Bottrop unterrichtete. „Diese Dame hatte früher rotes Haar und ist also ein roter Typ.“ Die Fotos sind nicht bearbeitet, wirken unmittelbar und allesamt sympathisch.

Ihre Empathie und - auch wenn es sentimental klingt - Liebe zu Menschen, zeigt Angelika aber auch in ihren kleineren Schwarz-Weiß-Zyklen. Da sind Menschen in Brasilien, unbehaust, unter Brücken oder am Straßenrand liegend. Gesichtslos im wahrsten Sinne des Wortes, Denn Schilling wollte Porträts machen, ohne das die Menschen sich in ihrem Elend zeigen.

Das gestrandete Punk-Pärchen in Essen

Ganz anders die Obdachlosen oder Gestrandeten, die sie in der Essener Innenstadt fotografierte. Die meisten waren einverstanden, auch damit, dass ihr Bild vielleicht einmal in einer Ausstellung zu sehen sein würde. Das gestrandete Punk-Pärchen vor einem Hochglanzplakat, das für einen Star-Dirigenten in Essens Philharmonie wirbt, oder der zottelbärtige Hans, ein Obdachloser, der zwischen Stadtgarten und City lebt. „Alle freuten sich über meine Anfrage, Hans wollte noch nicht einmal Geld, als ich ihm etwas anbot.“ Geschichten am Rande.

Aber die Ausstellung, in der auch wieder einige starke Porträts alter Menschen aus Griechenland zu sehen sind, zeigt auch den Willen der Fotografin, Menschen in kurzen Situationen gerecht zu werden und Würde auch in scheinbar würdeloser Situation zu entdecken.

 
 

EURE FAVORITEN