Aus dem eigenen Garten frisch auf den Tisch

Jetzt noch schnell ein Netz drüber, damit Schnecken und Kaninchen den zarten Pflänzchen im Gemüsegarten der ESB nichts anhaben können.
Jetzt noch schnell ein Netz drüber, damit Schnecken und Kaninchen den zarten Pflänzchen im Gemüsegarten der ESB nichts anhaben können.
Foto: FUNKE FotoServices
Im Garten der Wohngemeinschaften für Obdachlose wächst das Gemüse für den Kochkurs. Die Bewohner helfen, ein Hobbygärtner sagt ihnen, was zu tun ist.

Bottrop..  Akkurat sind die Beete angelegt, in Reih und Glied stehen Salatpflanzen in dem einen, Kartoffelpflanzen in dem anderen. Mitten drin eine mit Ziegelsteinen angelegte Kräuterspirale. In einem Beet hockt ein fleißiger Gärtner noch auf Knien und zupft Unkraut, ein anderer hat schon den Wasserschlauch in der Hand. „Jetzt muss alles feucht gehalten werden“, erklärt Jürgen Döblitz. Er hat die Regie übernommen bei diesem Gartenprojekt der Evangelischen Sozialberatung (ESB).

Das ist die Anlaufstelle für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit Bedrohte. Sie ist im Winter bekannt für ihre Suppenküche Kolüsch und hat im Frühjahr unter dem Motto „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“ auch Ernährungsberatung und Kochkurs gestartet. „Da lag es nahe, auch unser eigenes Gemüse anzubauen“, erklärt Claudia Kretschmer von der ESB. Der Garten gehört zu den Wohngemeinschaften der Obdachlosen und lag zuletzt mehr oder weniger brach.

Es war ganz leicht, Freiwillige für die Gartenarbeit zu mobiliseren. „Bevor ich Langeweile schieb, mache ich doch lieber hier mit“, meint etwa Andreas Przybylski. Er ist im Moment ohne Arbeit und froh über Beschäftigung. Sein Kumpel Bernd Dertwinkel verfügt über Erfahrung. Er hat schon mal beim Grünflächenamt der Stadt gearbeitet und dabei geholfen, Spielplätze in Ordnung zu halten. „Wenn das klappt, ist das eine schöne Sache für die Kochgruppe. Das schmeckt doch viel besser, wenn man selber anbaut“, freut er sich schon vor. Beide gehören auch zur Kochgruppe.

In Jürgen Döblitz hat die ESB einen erfahrenen Fachmann. Er ist Zusteller bei der Post, in seinem Bezirk liegt auch die ESB. In einem WAZ-Artikel hat er zufällig gelesen, dass die ESB einen Hobbygärtner für ihr Gartenprojekt sucht und hat einmal nicht nur die Post in den Briefkasten eingeworfen, sondern bei der ESB geklingelt. „Zu Hause hatte ich auch immer einen großen Garten. Als die Kinder klein waren, haben wir auch Gemüse angebaut. Das schmeckt einfach besser.“

Ende März losgelegt

Ende März wurde losgelegt. Schon im letzten Jahr hatte die Arche Pferdedünger spendiert, jetzt wurde der Garten umgegraben und dann die Beete angelegt. Tomaten, Salat, Kartoffeln, Rhabarber, verschiedene Gemüsesorten wurden angepflanzt. Bald kommen auch Erdbeerpflanzen in den Boden. Zum Teil wurden Gemüse und Salat selber gezogen – im ESB-Büro auf der Fensterbank, aber auch im eigenen Gewächshaus. Das hat die Ele verschenkt, Mitarbeiter haben es im Rahmen des Projektes „Ele packt an“ im Garten errichtet. Das Saatgut wurde mit Spendengeldern der Vinci-Stiftung finanziert.

Jetzt ist alles im Boden, sorgsam wurden die zarten Pflänzchen mit Netzen und Schutzhütchen abgedeckt, um Schnecken und Kaninchen abzuhalten. „In vier Wochen können wir sicher schon was ernten“, meint Jürgen Döblitz mit Blick auf den Lollo Rosso. Viel Sonne und tägliches Gießen sind wichtig, dazu Hornspäne und Blaukorn als Dünger gemischt – dann sollte das klappen.

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