Auf der Suche nach der Schönheit des Alters

Die Bottroper Fotografin Angelika Schilling zeigt ihre Porträtserie mit Ansichten alter Menschen aus Griechenland ab Sonntag in der Alten Börse.
Die Bottroper Fotografin Angelika Schilling zeigt ihre Porträtserie mit Ansichten alter Menschen aus Griechenland ab Sonntag in der Alten Börse.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop..  Es sind Gesichter wie Landkarten, voller Lebenslinien, zerfurcht. Der wöchentliche Gang zum Frisör, das Auszupfen noch der kleinsten Härchen, geschweige denn Botox: Für die alten Frauen auf dem Peloponnes, die Angelika Schilling im vergangenen Jahr fotografierte, sind das Rituale, die sie höchstens aus den Fernsehen kennen, wenn überhaupt.

Eine Serie dieser Porträts zeigt die Bottroper Fotografin ab Sonntag in der Alten Börse. Diese eindrucksvolle wie in sich geschlossene Schwarzweiß-Schau ist Teil der Programm-Reihe zum 125-jährigen Bestehen des Arbeiter Samariter Bundes, die am Sonntag beginnt.

Und natürlich sind Schillings Porträts immer auch Sozialstudien. Bewohner eines EU-Landes, das jenseits der größeren Städte beinahe noch archaisch funktioniert. „Ich traf Niki, eine für mich immer noch wunderschöne Frau mit großen, ausdrucksvollen Augen und edlen Gesichtszügen, die mir ihre Geschichte erzählte“, erinnert sich Angelika Schilling. Niki war die erste Frau in ihrem Dorf, die es im fast 100 Prozent orthodox geprägten Griechenland schon vor Jahrzehnten wagte, sich scheiden zu lassen, ihre Kinder zum Teil alleine aufzog und dann noch einmal heiratete. Selbst die alten Frauen seien oft erstaunlich offen gewesen, erzählten bereitwillig ihre Geschichten und nannten ihr Alter - sofern sie es wussten. Denn regelmäßige und akribische Aufzeichnungen habe es vor 70 oder 80 Jahren in Griechenland nicht überall gegeben, sagt Angelika Schilling.

Dass eine Freundin, die seit Jahrzehnten auf dem Peloponnes lebt, mit ihr unterwegs war, übersetzte und den Menschen ihre anfängliche Scheu nahm, war sicherlich ein Glücksfall. Sonst wäre diese Fotoserie so nicht entstanden.

Öl und Honig für Deutschland

Angelika Schilling, Mitglied der Kunstgemeinschaft Bottrop, wandet sich erst vor wenigen Jahren der Scharzweiß-Fotografie zu. Dabei rückten auch Menschen-Bilder immer stärker in den Fokus. „Auf der Suche nach der Schönheit des Alters“, so betitelt die frühere Kunstlehrerin ihre Serie, die speziell mit Blick auf die Ausstellung entstanden sei. Die digitalen, großgezogenen Ansichten der Gesichter zeigen hinter der vordergründigen Melancholie immer auch einen abgeklärten, manchmal geradezu verschmitzten Blick auf die Welt. Für die Fotografin sind dies auch Menschen, die in sich ruhen und trotz oftmals bitterer Armut, gerade auch in der Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise des Landes, gelöst und zufrieden wirken.

Von Feindseligkeit gegenüber Deutschland, von der gerade im vergangenen Jahr, während sie Griechenland besuchte, viel zu hören war, bekam die Bottroperin nichts zu spüren. Ein alter Mann irgendwo auf dem Land habe ihr frisches Olivenöl und Honig geschenkt, erinnert sich Angelika Schilling. „Für Deutschland hat er nur gesagt und dabei freundlich gelächelt.“

125 Jahre ASB: Das Programm in der kommenden Woche

Neben den Ausstellungen in der Alten Börse gibt es ein tägliches Begleitprogramm, mit dem der Arbeiter Samariter Bund (ASB) sein 125-jähriges Bestehen feiert. Am Montag, 8. Juli, stellt Autorin Carola Kleinschmidt ihr Buch „Jung alt werden“ um 14 Uhr vor.

Am Dienstag, 9. Juli, geht es im Vortrag von Hilde Hartmann-Preis um „Demenz und Kunst“ (14 Uhr) und am Mittwoch, 10. Juli, lädt der ASB um 14 Uhr zum offenen Erfahrungsaustausch mit der Sprecherin der Demenz-Selbsthilfegruppe Bottrop, Heike Taut-Franci, ein.

Am Donnerstag, 11. Juli sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASB Bottrop vor Ort und informieren von 10 bis 16 Uhr rund um die Senioren-Angebote in Bottrop.

Am Schlusstag, Freitag, 12. Juli, gibt es um 14 Uhr einen unterhaltsamen Beitrag von Josef Schönen. Unter dem Motto „Weil das Beginnen so schön ist oder Was uns innerlich jung hält“ liest, schauspielert und musiziert er.

Neben der Wanderausstellung „Altersbilder“, der Schau mit Porträts alter Menschen in Griechenland von Angelika Schilling zeigt auch der 1955 in Italien geborene und seit 1978 in Bottrop lebende Paolo Franci in einer Ausstellung eigene Bilder. Unter dem Motto „Malen mit allen Sinnen“ schuf er diese Arbeiten in einem Stadium fortschreitender Demenzerkrankung.

7. bis 12. Juli, 10 bis 16 Uhr. Eröffnung: Sonntag, 7. Juli, 11 Uhr durch Cornelia Ruhkemper (MdL).Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Kirchhellener Straße 10.

 
 

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