Arbeiter der Stadt Bottrop droht Schwarzen

Die Gemeinschaft „Bottrop gegen Nazis“ protestiert im sozialen Netzwerk gegen die Facebook-Aktivitäten des städtischen Mitarbeiters.
Die Gemeinschaft „Bottrop gegen Nazis“ protestiert im sozialen Netzwerk gegen die Facebook-Aktivitäten des städtischen Mitarbeiters.
Foto: Archiv/imago
  • Ehemann klagt auf Facebook über Belästigung seiner Frau im Kaufhaus
  • Er schreibt: Bei nächster Aktion haben wir einen Schwarzen weniger
  • Ärger mit Personchef und auch eine Strafanzeige folgen prompt

Bottrop. Der Mann droht unverhohlen mit Gewalt. Doch zunächst beklagte Jörg R. über das soziale Netzwerk Facebook: „Gestern wurde meine Frau von einem Schwarzen belästigt und längere Zeit verfolgt“. Mit einem Emoticon machte der Bottroper klar, dass er darüber stinksauer sei. In einem Kaufhaus soll sich der Vorfall abgespielt haben. „Bei der nächsten Aktion von euch haben wir einen Schwarzen weniger in Bottrop, versprochen“, drohte der Mann und fügte seinem Kommentar weitere Emoticons hinzu: drei kleine Bomben.

Jörg R. war während dieses Dialogs als Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu erkennen. Das hat Konsequenzen. Denn die Stadt duldet derlei Auftritte ihrer Beschäftigten in sozialen Netzwerken ganz und gar nicht. „Das ist eine Sache, die absolut nicht in Ordnung ist“, betonte Stadtsprecher Andreas Pläsken. Wegen der Drohgebärde komme auf den Mitarbeiter nun ein arbeitsrechtliches Verfahren zu. „Er ist ja verpflichtet, das Ansehen seiner Arbeitgeberin zu wahren und alles zu unterlassen, das dieses Ansehen schädigen könnte“, erklärte Pläsken, und das gilt nicht nur während der Arbeitszeit.

Ein Schaden ist aber offenbar schon angerichtet. Denn Jörg R. löste mit seinen Kommentaren im sozialen Netzwerk auch Empörung aus. „Rassisten in Bottrop: Mutmaßlich städtischer Angestellter bedroht Flüchtlinge im Internet!“, schreit die Gemeinschaft „Bottrop gegen Nazis“ auf ihrer Facebook-Seite förmlich auf. Ihre Mitglieder haben nicht nur die Stadtverwaltung über die Drohungen ihres Beschäftigten unterrichtet, sondern auch Strafanzeige gegen den Mann erstattet. Ein Angestellter ist der Bottroper dort zwar nicht, doch er arbeitet für die Stadt. Auf seiner Facebook-Seite ist nun allerdings kein Hinweis auf seinen Arbeitsplatz mehr sichtbar. Auch sein Profilbild ist Stand Freitag entfernt. Stattdessen waren zeitweise Fotos mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen.

Der städtische Mitarbeiter sei bereits benachrichtigt, dass er wegen seiner umstrittenen Facebook-Aktion vorstellig werden muss. „Seine Äußerung an sich ist ja schon nicht in Ordnung. Hinzu kommt, dass er damit auch das Ansehen der Stadt gefährdet. Das darf er überhaupt nicht. Da kommt es gar nicht darauf an, ob es sich nun um die Stadt oder andere Arbeitgeber handelt“, ordnet der Stadtsprecher das Fehlverhalten des städtischen Mitarbeiters kritisch ein.

Dienstlich ist Facebook tabu

Dienstlich dürfen sich Beschäftigte der Stadtverwaltung in sozialen Netzwerken ohnehin nicht äußern. „Bei uns darf sich kein Mitarbeiter für die Stadt oder in deren Namen bei Facebook bewegen“, betont der Stadtsprecher. Das sei nur den Mitarbeitern des Stabstelle für Presse und Öffentlichkeitsarbeit erlaubt.

„Privat wird sicherlich der eine oder andere auch bei Facebook aktiv sein“, meint Pläsken. Doch auch privat seien Regeln zu beachten. Ein Fehlverhalten habe Folgen. „Das kann bis zur Kündigung gehen“, erklärt der Stadtsprecher. „Das muss dann nicht einmal unbedingt eine Straftat sein“, erläutert er, „Das kann zum Beispiel auch schon Mitarbeiter betreffen, die Dienstvorgesetzte in aller Öffentlichkeit desavouiert haben“.

Nutzer lassen Bereitschaft zu Gewalt und Selbstjustiz erkennen

Jörg R. hatte auf seinen Kommentar auf Facebook, der sich als Gewaltandrohung gegen Flüchtlinge verstehen lässt, außerdem Antworten erhalten, in denen auch weitere Nutzer des sozialen Netzwerks ihre Gewaltbereitschaft gegen Fremde und auch zu Selbstjustiz zum Ausdruck brachten. Die Gemeinschaft „Bottrop gegen Nazis“ hat die Dialoge festgehalten.

Demnach kommentierte Claudio J. den Post des Bottropers so: „Die einzige Sprache, die die verstehen, ist einen vorm Schädel“. Norbert S. wiederum schrieb: „Schade dass ich sowas nicht sehe. Saw wäre nichts dagegen“. Saw ist der Titel einer Horrorfilmreihe, bei der die Darstellung exzessiver Gewalt eine wesentliche Rolle spielt.

Flüchtlinge beschimpft

Die beiden Facebook-Nutzer verabreden sich während ihres Dialoges offenbar auch. „Sag Bescheid, bin sofort da“, sicherte Norbert S. dem städtischen Mitarbeiter zu, als dieser die Drohung gegen Schwarze formulierte. Als „Dreckspack“ beschimpfte S. die Flüchtlinge. „Klar, mach ich, die meinen auch die können hier machen, was sie wollen, aber da sind sie falsch gewickelt“, antwortete der städtische Mitarbeiter.

Norbert S. kündigte daraufhin an: „Ich poste was in meiner Gruppe, wo ich bin, und habe sehr viele hinter mir, bei Problemen sind (sie) sofort da . . . aber das bereden wir mal nicht hier“. Dann deutet der Facebook-Nutzer an, den Dialog besser über Handys fortsetzen zu wollen. Jörg R. stimmt zu: „Genau so machen wir das“.

 
 

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