Anzahl der Sachbeschädigungen durch Graffiti steigt an

Das Torbogenhaus und die anliegende Mauer sind schon häufiger Zielscheibe illegaler „Spray-Attacken“ geworden. Der Schriftzug war ihr neustes „Werk“.
Das Torbogenhaus und die anliegende Mauer sind schon häufiger Zielscheibe illegaler „Spray-Attacken“ geworden. Der Schriftzug war ihr neustes „Werk“.
Foto: Maximilian Hulisz
  • 82 Fälle in Bottrop verzeichnet der Kriminalitätsbericht 2015 der Polizei
  • Das sind 65 gemeldete Straftaten mehr als im Jahr 2008
  • Die Aufklärungsquote liegt bei rund zehn Prozent

Bottrop.. Gerade frisch renoviert und schon wieder beschmiert: Die kleine Mauer am Eingang zum Stadtgarten an der Parkstraße „zierte“ von Dienstag bis Donnerstag der Schriftzug eines unbekannten Sprayers, der das „Werk“ illegal und vorerst unbemerkt aufgetragen hat. Auf dem weißen Gemäuer prangte ein sogenanntes „Tag“ in schwarzer Farbe, das aus vier Buchstaben und zwei Anführungszeichen bestand. Auch ein Heiligenschein und ein Unterstrich gehörten dazu. Nun ist die Wand wieder in ihrem ursprünglichen Zustand, Mitarbeiter der Stadt haben schnell reagiert, übermalten das Kürzel sofort nachdem sie davon erfahren hatten.

Unbekannte toben sich mit der Spraydose immer wieder an dem Denkmal aus

Die Mauer sowie der anliegende Torbogenhaus wurden in den letzten Monaten schon häufig zur Zielscheibe nicht genehmigter Graffiti- und Spray-Attacken. Straftäter tobten sich ohne Rücksichtnahme an dem Denkmal aus. Das Gebäude ist nicht der einzige Ort in der Stadt, der von derartigen Vandalismusschäden betroffen ist.

Die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt 82 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti brachten Betroffene in Bottrop im Jahr 2015 zur Anzeige, davon wurden nur rund zehn Prozent aufgeklärt. Das sind 37 Fälle mehr als im Vorjahr und 65 mehr als im Jahr 2008. Soweit erfasst der Kriminalitätsbericht der Polizeistelle Recklinghausen die Straftaten in diesem Bereich – die Entwicklung vor Ort ist eindeutig.

Die Aufklärung der einzelnen Straftaten ist manchmal schwierig

„Es sind anteilig Fälle, wo ein Täter für mehrere Taten verantwortlich ist, der seine Tags oder Zeichen unerlaubt an öffentliche Flächen oder private Häuser sprüht“, sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Die Motivation der Akteure sei häufig schwer einzuschätzen und die Aufklärung der einzelnen Straftaten sei manchmal schwierig.

„Wir versuchen Zusammenhänge einzelner Taten aufgrund der Schriftzüge beziehungsweise der Tags zu erkennen“, erläutert sie. Das sei – was die Ermittlungen angeht – kein Geheimnis. Die Polizei wäre aber vor allem auf Zeugenaussagen angewiesen, die sich bei Auffälligkeiten direkt unter der Telefonnummer 110 melden. „Die Aussagen können zur Aufklärung und zum weiteren Vorgehen erheblich beitragen“, so Hörst.

Der Stadt ist das neue Kürzel, das an der Mauer des Torbogenhauses stand, bisher nicht bekannt. Pressesprecher Ulrich Schulze weist aber auf ein „Tag“ hin, das im Stadtgebiet häufiger für Ärger sorgt. „Das Kürzel ‘ETC’ ist einem Kollegen an öffentlichen und privaten Gebäuden sowie an Stromkästen der Ele vermehrt aufgefallen.“ Bis zu 60 Fälle habe er fotografiert, festgehalten und gesammelt zur Anzeige gebracht.

Teure Sanierungen

Die große Beseitigung der Graffiti am Torhaus kostete die Stadt im September 20 000 Euro. Zukünftig schlägt eine weitere Reinigung kräftig zu Buche. Die Stadt lässt die Graffiti an der Mauer der Rheinstahlstraße großflächig von einer Firma in den nächsten Tagen entfernen – 17 000 Euro fallen hierfür an. Das denkmalgeschützte Mauerwerk soll wie das Torhaus in neuen Glanz erstrahlen. Anwohnern war die Verunreinigung aufgefallen, sie hatten sich bei der Stadt wegen den Schmierereien gemeldet.

Jugendliche Sprayer zeigen in Kursen den Umgang mit der Dose

Graffiti können Kunst sein – davon ist Thomas Baltes vom Bottroper Jugendamt überzeugt. „Das Sprayen ist eine Form sich auszudrücken, es ist ein Medium unter vielen. Einige Jugendliche kommen dazu, da sie immer schon gemalt haben und Lust verspüren, etwas Neues auszuprobieren“, sagt der ehemalige Street-Worker. Auf die Aufklärungsarbeit und das Legale käme es aber schon in den Anfängen an; viele Mädchen und Jungen würden sich für das Sprayen interessieren.

Projektgruppen leben sich aus

Seine Einschätzung: Kurse wie ein Wochenendseminar im Angebot des Kulturrucksackprogramms können helfen, neue Kunst zu schaffen und einer Sachbeschädigung vorzubeugen. „Unser Job ist es, den Jugendlichen die Konsequenzen von Vandalismus aufzuzeigen. Manche haben sich durch illegales Sprayen ihr Leben ruiniert. Sie müssen fünfstellige Summen für Reinigungs- und Sanierungsarbeiten zahlen.“ Leute, die Vandalismus betreiben, seien nicht Teil der eigentlichen Graffiti-Szene, so Baltes. „Sie schaden dieser nur!“

Häufig läge der Grund bei Sprayern – die illegal sprühen – auf der Hand: „Sie wollen Aufmerksamkeit erregen, es ist eine Art des Protestes.“ Parolen, politische Symbole wie Anarchiezeichen oder Harkenkreuze sowie Schmierereien seien von stilgerechten Bildern und ausgestalteten Schriftzügen zu unterscheiden. „Erstere ziehen die Arbeit, die sich junge Künstler machen, herunter.“

Baltes war selbst als Jugendlicher Teil der Hip-Hop-Szene, aus der Graffitis ursprünglich stammen. Er begleitete im Jahr 2010 die Arbeit mit mehreren Mädchen und Jungen an der sogenannten „Wall of Fame“ im Welheimer Park. Der Name bezeichnet eine legale Sprühfläche, an der sich neue wie erfahrene Sprayer austoben können. Im Fall des Jugendamt-Projektes gestaltete die Gruppe mehrere Wände zu einer bunten Landschaft, in der sich Bilder und Schriftzüge ergänzen.

Größeres Angebot gewünscht

„Legale Räume für das Sprayen zu schaffen, das ist ein großes Anliegen. Für junge Erwachsene, die an einem Ort sprühen möchten, könnte noch mehr gemacht werden. Aber gerade für Kinder sollte es das sogar“, so Baltes.

Häufig würde er mit der Frage konfrontiert, warum er Jugendlichen diese Art von Kunst beibringt. Seine Antwort sei jedes Mal klar: „Wir wollen mit den Kindern Kunst schaffen – und wir wollen präventiv gegen den Vandalismus vorgehen.“

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